Aus den Menschen genommen, für die Menschen bestimmt

Das Zweite Vatikanische Konzil über das Verhältnis der Priester zur Welt und den Menschen. Artikel 3 von „Presbyterorum Ordinis“.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 23. Januar 2016 um 11:53 Uhr
Priesterweihe in Schwyz

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

„Jeder Hohepriester wird nämlich aus Menschen genommen und für Menschen bestellt in ihren Anliegen bei Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe der Sünden wegen.“ Mit diesem ersten Satz aus dem fünften Kapitel des Hebräerbriefes (Hebr. 5, 1) leiten die Konzilsväter den dritten Artikel des Dekretes Presbyterorum Ordinis (PO) ein, in dem es um Dienst und Leben der Priester geht.

Abgesondert, aber nicht getrennt

Im gegenständlichen Artikel macht das Zweite Vatikanische Konzil Aussagen über das Verhältnis der Priester zur Welt und zu den Menschen. Die Priester sind aus der Welt durch Berufung und Weihe abgesondert (segregantur), aber nicht von der Welt getrennt (separantur). Denn die Priester leben wie Christus unter den Menschen, sollen „allen alles werden“ (Rom 1,1), um die Menschen zu retten und zu Gott zu führen. Das tun sie als Hirten durch den Dienst der Leitung, der Verkündigung und der Heiligung, insbesondere durch die Feier des heiligen Messopfers, in dem Gott die Gaben und Opfer auf vollkommene und sakramentale Weise dargebracht werden „der Sünden wegen“ (Hebr 5,1).

In der Welt, aber nicht von der Welt

Um die Menschen zu Gott zu führen, sind die Priester von Gott berufen und erwählt. Darum dürfen sie sich nicht dieser Welt gleichförmig machen, auch wenn sie im Hinblick auf ihr Werk als Mittler zwischen Gott und den Menschen mitten unter den Menschen leben, damit sie als „gute Hirten ihre Herde kennen und auch heimzuholen suchen, die außerhalb stehen“. Denn „(s)ie können nicht Christi Diener sein, wenn sie nicht Zeugen und Ausspender eines anderen als des irdischen Lebens wären; sie vermöchten aber auch nicht den Menschen zu dienen, wenn diese und ihre Lebensverhältnisse ihnen fremd bleiben“ (PO 3). Die Konzilsväter bringen ihre Aussage auf den Punkt, indem sie sich auf die erste Enzyklika von Papst Paul VI. Ecclesiam suam vom 6. August 1964 beziehen. Was dort der Papst über die Jugend und alle Christen sagt, gilt in besonderer Weise für die Priester, „nämlich in der Welt zu leben, aber nicht von der Welt zu sein, entsprechend dem Gebet Jesu für seine Jünger: `Ich bitte nicht, sie von der Welt wegzunehmen, sondern sie zu bewahren vor dem Bösen. Sie sind nicht aus der Welt, so wie auch ich nicht aus der Welt bin`(Jo 17, 15-16. Die Kirche macht sich dieses Gebet eigen“ (Paul VI., Enz. Ecclesiam suam, 6.8.1964, in: AAS 56 [1964] 627).

Presbyterorum Ordinum. Artikel 3. Deutsch-Latein

Die Priester werden aus der Reihe der Menschen genommen und für die Anliegen der Menschen bei Gott bestellt, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen; allen begegnen sie deshalb als ihren Brüdern. Auch der Herr Jesus, Gottes Sohn, der vom Vater als Mensch zu den Menschen gesandt wurde, lebte ja mit uns zusammen und wollte in allem seinen Brüdern gleich werden, die Sünde ausgenommen. Ihn haben schon die heiligen Apostel nachgeahmt; Paulus, der als Lehrer der Heiden “für das Evangelium erwählt” war (Röm 1,1), bezeugt ausdrücklich, er sei allen alles geworden, um alle zu retten. Die Priester des Neuen Testamentes werden zwar aufgrund ihrer Berufung und Weihe innerhalb der Gemeinde des Gottesvolkes in bestimmter Hinsicht abgesondert, aber nicht um von dieser, auch nicht von irgendeinem Menschen, getrennt zu werden, sondern zur gänzlichen Weihe an das Werk, zu dem sie Gott erwählt hat. Sie könnten nicht Christi Diener sein, wenn sie nicht Zeugen und Ausspender eines anderen als des irdischen Lebens wären; sie vermöchten aber auch nicht den Menschen zu dienen, wenn diese und ihre Lebensverhältnisse ihnen fremd blieben. Ihr Dienst verlangt in ganz besonderer Weise, daß sie sich dieser Welt nicht gleichförmig machen; er erfordert aber zugleich, daß sie in dieser Welt mitten unter den Menschen leben, daß sie wie gute Hirten ihre Herde kennen und auch die heinzuholen suchen, die außerhalb stehen, damit sie Christi Stimme hören und eine Herde und ein Hirt sei. Dabei helfen ihnen gerade jene Eigenschaften viel, die zu Recht in der menschlichen Gesellschaft sehr geschätzt sind: Herzensgüte, Aufrichtigkeit, Charakterfestigkeit und Ausdauer, unbestechlicher Gerechtigkeitssinn, gute Umgangsformen und Ähnliches, das der Apostel Paulus empfiehlt: “Was wahr ist, was ehrwürdig und recht, was lauter, liebenswert und ansprechend, überhaupt was Tugend ist und Lob verdient, darauf seid bedacht” (Phil 4,8).

Presbyteri, ex hominibus assumpti et pro hominibus constituti in iis quae sunt ad Deum ut offerant dona et sacrificia pro peccatis, cum ceteris hominibus tamquam cum fratribus conversantur. Sic et Dominus Iesus, Filius Dei, homo ad homines a Patre missus, habitavit in nobis et voluit per omnia fratribus assimilari, absque tamen peccato. Ipsum iam imitati sunt sancti Apostoli, et testatur beatus Paulus, Doctor gentium, «segregatus in evangelium Dei» (Rom. 1,1), omnia omnibus se factum esse ut omnes faceret salvos. Presbyteri Novi Testamenti, vocatione quidem et ordinatione sua, quodam modo in sinu Populi Dei segregantur, non tamen ut separentur, sive ab eo, sive a quovis homine, sed ut totaliter consecrentur operi ad quod Dominus eos assumit.
Ministri Christi esse non possent nisi alius vitae quam terrenae testes essent et dispensatores, sed neque hominibus inservire valerent si ab eorum vita condicionibusque alieni remanerent. Ipsum eorum ministerium speciali titulo exigit ne huic saeculo sese conforment;simul tamen requirit ut in hoc saeculo inter homines vivant, et sicut boni pastores oves suas cognoscant, easque etiam quae non sunt ex hoc ovili adducere quaerant, ut et ipsae vocem Christi audiant et fiat unum ovile et unus Pastor.
Quod ut consequi valeant multum conferunt virtutes quae in humano consortio merito aestimantur, ut sunt cordis bonitas, sinceritas, robur animi et constantia, assidua iustitiae cura, urbanitas aliaeque, quas Apostolus Paulus commendat, dicens: «Quaecumque sunt vera, quaecumque pudica, quaecumque iusta, quaecumque sancta, quaecumque amabilia, quaecumque bonae famae, si qua virtus, si qua laus disciplinae, haec cogitate» (Phil. 4,8).

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Foto: Priesterweihe – Bildquelle: Matthias Ulrich