„Wir sind wieder Missionsgebiet“

Günther Beckstein zum Thema Neuevangelisierung im Kölner Domradio.
Erstellt von Radio Vatikan am 16. Oktober 2012 um 10:17 Uhr
Dr. Günther Beckstein

Köln/München (kathnews/RV). Die Christen in Deutschland sollten nach Ansicht von Günther Beckstein mehr für ihren Glauben werben. Wie das vor sich gehen sollte, erklärt der Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und ehemalige bayerische Ministerpräsident im Interview mit dem Kölner Domradio: „Es ist ganz offensichtlich, dass die Kirchen ein Stück Bindekraft verloren haben. Wir erleben eine Zeit, in der die Säkularisierung voranschreitet. Das sehen wir an der geringen Anzahl der Gottesdienstbesucher. Wir erkennen das an der abnehmenden Bereitschaft junger Menschen, sich in Kirchen zu engagieren. Das bedeutet: Wir sind in Deutschland wieder Missionsgebiet. Wir müssen uns deshalb ganz besonders wieder um junge Menschen kümmern. Dass das nicht aussichtslos ist, sieht man an den Muslimen.“

In Fragen der Neuevangelisierung müsste es seiner Meinung nach zwischen den christlichen Kirchen eine engere Zusammenarbeit geben. „Ich bin überzeugt, dass junge Menschen weniger von den Konfessionen geprägt sind, als wir älteren es sind. Wir haben noch Zeiten erlebt, in denen die Kirchen gegeneinander standen. Gott sei Dank ist das vorbei. Aber ich glaube, dass die Kirchen auch heute noch viel überzeugender sein können – dann nämlich, wenn sie die Konfessionsgrenzen ein Stück weiter zurückdrängen. Wenn es um die Frage geht, ob man sich zu Christus bekennt, spielt es keine Rolle, ob man evangelisch oder katholisch ist. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich halte konfessionelle Überzeugungen für wichtig. Aber wenn es um die Frage geht, ein Leben als Christ zu führen, darf nicht die Konfession an erster Stelle stehen.“

Foto: Dr. Günther Beckstein – Bildquelle: Christian „VisualBeo“ Horvat / Wikipedia