„Wille zur Wahrheit“

Vatikansprecher Lombardi über Weitergabe vertraulicher Vatikandokumente.
Erstellt von Radio Vatikan am 31. Mai 2012 um 08:53 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Der Vatikan will in der Affäre um die Weitergabe vertraulicher Vatikandokumente eine schnelle Wahrheitsfindung. Das sagte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi in einer Pressekonferenz an diesem Mittwoch. In diesem Kontext sind wohl auch die eng getakteten Pressekonferenzen und Erklärungen zum als „Vatileaks“ in den Medien gehandelten Fall einzuordnen. Auch für ihn als Pressesprecher bringe die Affäre neue Herausforderungen mit sich, räumte der Pressesprecher ein. Er sagte wörtlich:

„Mir scheint, dass das eine Linie des Willens zur Wahrheit und Transparenz ist, auch wenn das graduell passiert, gibt es da so einige Schritte. Und deshalb versuchen wir, mit dieser neuen Situation umzugehen und zu sagen: Wir suchen die Wahrheit und versuchen zu verstehen, was objektiv passiert ist. Wenn wir schaffen, es zu verstehen, müssen wir es sagen. Zunächst aber muss man es mit Sicherheit verstehen, auch aus Gründen des Schutzes von Personen und Gründen der Wahrheit.“ Zum Fall an sich wurden inhaltlich bei der Pressekonferenz keine Durchbrüche bekannt, Pater Lombardi räumte vielmehr zahlreiche in den Medien kursierende Spekulationen aus dem Weg. Und er bekräftigte auf Neue: die Untersuchungen laufen, mit Ergebnissen ist jedoch frühestens am Wochenende zu rechnen.

„Rechtsfragen werden bald beantwortet“

In jedem Fall werde er die Journalisten über den Beginn eines formalen Verfahrens gegen den verdächtigten Papst-Kammerdiener Paolo Gabriele unterrichten, versicherte Lombardi. Auch bemühe sich der Heilige Stuhl, Fragen der Presse nach den rechtlichen Implikationen des Falls demnächst durch einen Rechtsexperten beantworten zu lassen, fügte er an. Der Jesuit verwies weiter ausdrücklich auf die Stellungnahme des Papstes von diesem Mittwoch. Moralisch und spirituell beweise Benedikt XVI. in diesen Tagen Autonomie; das sei auch Vatikankritikern aufgefallen: „Auch viele von denen, die sich im Allgemeinen mit einer gewissen Aggressivität gegenüber der Kirche, dem Vatikan und dem Heiligen Stuhl bewegen, haben in diesem Fall den Papst als Person nicht in diese Art von Kritik mit einbezogen, weil seine Überlegenheit einfach augenscheinlich ist.“

„Indiskretion ist nicht mit Transparenz zu verwechseln“

Weiter verwies der Vatikansprecher auf das ausführliche Interview mit dem „Innenminister“ des Heiligen Stuhles, Erzbischof Angelo Becciu, das an diesem Mittwoch in der Vatikanzeitung erschienen war. Positiv äußerte sich Lombardi über die überaus deutlichen Worte des Erzbischofs, der einige Missverständnisse ausräumte: „In dem Interview gibt es eine sehr starke Verurteilung der Ereignisse und eine Zurückweisung der Annahme, dass hinter diesen Ereignissen der positive Wunsch nach einer Reinigung steht.“

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. Bürger, kathnews