Unterwegs zu den Lübecker Märtyrern – III. Teil

Eduard Müller: „Ich werde mich durch nichts von meiner Pflicht abwendig machen lassen.“
Erstellt von Anja Mörchen am 1. Oktober 2011 um 23:07 Uhr

Eduard Müller, Kaplan der Lübecker Herz-Jesu-Gemeinde von 1940 – 1943 und Lübecker Märtyrer, wurde am 20. August 1911 in Neumünster geboren und wuchs in völlig unbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater von Müller war durch seinen Dienst im ersten Weltkrieg vom Glauben abgekommen und ließ sich nach dem Krieg von der Mutter scheiden, um sich mit einer anderen Frau zusammen zu tun. Innerhalb der Familie herrschte zudem eine Zerstrittenheit, die auch religiös-moralische Gründe hatte. Zu seinen erheblich älteren Geschwistern pflegte Müller daher später keine Verbindung mehr, umso besser verstand er sich aber mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Schwestern.

Nach dem Abschluss der katholischen Volksschule absolvierte er zunächst eine Tischlerlehre, hegte aber schon seit seinen Kindertagenden  Wunsch, Priester zu werden. Zunächst konnte dieser Wunsch nicht verwirklicht werden. Allerdings waren seine frühere Lehrerein Maria Meurer und der damalige Kaplan Bernhard Schräder von seiner Begabung überzeugt, unterrichteten ihn und organisierten regelmäßige Zuwendungen privater Gönner. So gelang es Müller, 1935 ein staatlich geprüftes Abitur abzulegen und unmittelbar danach ein Theologiestudium in Münster zu beginnen, wobei er jedoch immer wieder unter der finanziellen Abhängigkeit seiner Gönner litt. Er beendete sein Studium in Münster im Sommer 1939 und bezog das Priesterseminar in Osnabrück. Im dortigen Dom wurde er im Juli 1949 von Bischof Berning zum Priester geweiht und trat einen Monat später seinen Dienst in der Lübecker Herz-Jesu-Gemeinde an.

Obwohl Eduard Müller sich selber als eigentlich unpolitisch verstand, meine er noch vor seiner Priesterweihe, er werde noch einmal im Konzentrationslager landen und mit der Gestapo Bekanntschaft machen und: „…ich werde mich durch nichts von meiner Pflicht abwendig machen lassen.“ In Lübeck war Müller größtenteils in der Kinder- und Jugendseelsorge tätig. Müller war bei den Kindern und Jugendlichen außerordentlich beliebt. Zum einen fiel er durch sein ungewöhnlich unautoritäres, geduldiges, ja sogar gütiges Verhalten auf. Schon allein durch diese Tatsache lebte er ja einen auffälligen Gegensatz zu dem damaligen Zeitgeist, der überwiegend von der autoritären und durch militarisierten Hitlerjugend geprägt war. Zum anderen prägte Eduard Müller seine Kinder und Jugendlichen entscheidend durch seine Jugendarbeit. So unternahm er beispielsweise am Sonntag nach dem Gottesdienst Ausflüge in die Natur in und um Lübeck, die sehr beliebt waren. Er war ein Naturliebhaber, der anderen die Liebe zur Schöpfung vorlebte. Insbesondere war er ein ausgezeichneter Vogelexperte, der die katholische Jugend nebenbei die Bestimmung von Vogelstimmen lehrte. Müllers Jugendarbeit war derart erfolgreich, dass sich sogar die Führung der ortsansässigen Hitlerjugend bemühte, Müller für sich zu gewinnen.

Auch bei den Erwachsenen war Müller sehr beliebt. So leitete er auch die Kolping-Gruppe, bei deren Zusammenkünften im „Gesellenhaus“ unweit des Pfarrhauses häufig relativ frei über die politische und militärische Lage gesprochen wurde, was durchaus gefährlich war, da schräg gegenüber im „Zeughaus“ die Gestapo residierte. Daher hatte Müller für den Fall des Falles immer einen Dia-Apparat mit Bildern seiner Romreise parat stehen, um einen Dia-Vortrag vortäuschen zu können.

Am 22. Juni 1942 wurde Eduard Müller als letzter Lübecker Märtyrer festgenommen und inhaftiert. Formal lag gegen ihn weit weniger vor als gegen seine Mitbrüder, daher versuchte sein Verteidiger Walter Böttcher den Richter Dr. Wilhelm Crohne noch während des Prozesses gegen die vier Geistlichen im Juni 1943 nachsichtig zu stimmen, was dieser lapidar mit den Worten abtat: „Ist ja ganz egal, alle Geistlichen sind Schufte und Hunde. Auch Müller wird mit dem Tode bestraft.“

Am 23. Juni 1943, fast auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Festnahme wegen „Rundfunkverbrechen“, „Zersetzung der Wehrkraft“ und  „landesverräterischer Feindesbegünstigung“, schrieb Eduard Müller in sein Neues Testament: „Sit nomen domini benedictum (= „Der Name des Herrn sei gepriesen“). Heute wurde ich zum Tode verurteilt.“ Und obwohl sie wegen der Kontaktsperre nicht miteinander sprechen konnten, schrieb auch Johannes Prassek am selben Tag genau dieselben Sätze in sein Neues Testament.

Teil 4: Vikar Hermann Lange – Vertreter vom „bellum justum“ (Lehre vom gerechten Krieg)

Foto: Lübecker Märtyrer – Bildquelle: Andreas Gehrmann

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