Steht auf für Gerechtigkeit!

Weltgebetstag der Frauen.
Erstellt von Radio Vatikan am 2. März 2012 um 09:12 Uhr
Gebet im Augsburger Dom

Stein (kathnews/RV). „Steht auf für Gerechtigkeit!“ Unter diesem ausdrucksstarken Motto steht der Weltgebetstag der Frauen in diesem Jahr. Es handelt sich um die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen weltweit. Die Theologin Petra Heilig leitet das deutsche Komitee des Weltgebetstages. Sie fasst für uns zusammen, worum es geht: „Der Weltgebetstag ist eine weltweite, internationale Bewegung. Er wird immer am ersten Freitag im März in ungefähr 170 Ländern gefeiert, und zwar durch einen ökumenischen Gottesdienst. Zu diesem Gottesdienst erarbeiten Frauen aus einem Land die Liturgie, die Gebete, suchen sich die Bibelstellen heraus, überlegen sich die Lieder. Und diese Gottesdienstordnung wird dann in die jeweilig Landessprachen übersetzt.“ In diesem Jahr organisiert zum ersten Mal Malaysia den Gebetstag.

Ein Land, in dem die muslimische Mehrheit eine politische Vormachtstellung genießt und viele Menschen, besonders auch viele Frauen, für ihre Rechte und Freiheiten kämpfen müssen. Dementsprechend wurde auch der Titel „Steht auf für Gerechtigkeit“ des diesjährigen Weltgebetstages gewählt, sagt Petra Heilig. „Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit ist auf vielen Ebenen auch ein weltweites Thema. Bei Malaysia konzentriert sich das ganze noch einmal, weil Malaysia ein Schwellenland ist. Das heißt, dass ganz viele Mechanismen von Globalisierung in Malaysia besonders hart auftreffen, weil es ein unabgefedertes Wirtschaftssystem gibt, das ganz stark nach Profit und Wachstum strebt. Dann aus der christlichen Perspektive noch einmal die Frage: Wie ist es mit den Rechten von Christinnen in einem Land bestellt, wo in dem Fall der Islam die Mehrheit darstellt und da weisen die Frauen in Malaysia auf ein gut funktionierendes Zusammenleben hin, aber eben auch auf kritische Punkte, auf die man aufmerksam bleiben muss.“

Der Weltgebetstag will in diesem Jahr besonders auf die Situation von Hausangestellten aufmerksam machen, die weltweit oft unter armseligen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Wer nun denkt, gemeinsames singen und beten kann dem in keiner Weise etwas entgegensetzten, liegt falsch: Der Weltgebetstag ist nicht nur eine spirituelle Initiative, sondern liefert Projekte, um die Situation von Frauen weltweit zu verbessern. Ganz nach dem Motto: „Informiert beten, betend handeln.“ „Das ist der Teil von „informiert beten“, dass wir wirklich auch etwas von den Frauen lernen wollen, über die Frauen, ihr Land und ihre Situation.

Der nächste Teil „betend handeln“, macht deutlich, was das Motto auch sagt: „Steht auf für Gerechtigkeit“. Es soll nicht heißen: „Ja wir haben einen schönen Gottesdienst gefeiert und jetzt gehen wir alle wieder und das war´s“. Sondern, dass der Gottesdienst uns dann anregen will: Was heißt das denn konkret für meinen Alltag.“ Bewusstsein schaffen für die Welt, in der wir leben. So könnte man das Ziel des Weltgebetstages frei übersetzten. Ob unser Konsumverhalten oder ganz konkret das Ansehen von Hausangestellten auch bei uns – der Gottesdienst soll die Gläubigen zu einer kritischen Sicht ihres Alltags anregen. Auch die Kollekte zum Weltgebetstag wird konkreten Initiativen zur Verfügung gestellt. Das Repertoire reicht dabei vom Computerkurs für Frauen bis zum Informationsabend über ökologischen Landbau.

Die Organisation der ökumenischen Bewegung übernimmt seit 1968 das Internationale Komitee mit Sitz in New York. Die Wurzeln der Initiative reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, als verschiedene Missionswerke in den USA zum weltweiten Gebet aufgerufen hatten. „Das war zum einen wirklich eine spirituelle Bewegung: Zu sagen, wir haben hier Missionarinnen und Missionare in anderen Ländern und die wollen wir mit Gebet unterstützen, aber es hatte auch schon den Charakter: Wir wollen auch Geld sammeln, um deren Arbeit wirklich konkret zu unterstützen. Aus diesen vielen verschiedenen Gebetstagen, die einzelne Frauenmissionswerke gefeiert haben, gab es dann irgendwann einen Zusammenschluss und dann ist 1927 auch dort der erste ökumenische Weltgebetstag weltweit gefeiert worden.“

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang finden am Weltgebetstag ökumenische Gottesdienste in allen Teilen der Welt statt: Ein internationales Gebet von und für Frauen, das die Erdkugel einmal umrundet, erklärt Petra Heilig: „Wenn Sie sich einen Globus vorstellen, dann wandert das wie einmal rund um die Erde. Es gibt an dem Tag Gottesdienste morgens, mittags oder abends und wirklich nach den Mustern, die die Frauen aus Malaysia uns gegeben haben. Die Gottesdienste werden dann vor Ort noch einmal kreativ gestaltet, sodass sich auch kein Gottesdienst exakt ähnelt, aber wir hören die Stimmen der Frauen aus Malaysia und wir singen vielleicht gemeinsame Lieder, die die Frauen vorgeschlagen haben. Das ist ein Tag, wo wirklich ganz viel Gebetskraft und Energie einmal rund um die Erde geht.“

Foto: Gebet im Augsburger Dom – Bildquelle: Kirche in Not