Papst und Anglikanerprimas feiern ökumenische Vesper

Heiliger Vater ruft zum Gebet für die Einheit auf.
Erstellt von Radio Vatikan am 11. März 2012 um 17:28 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Papst Benedikt XVI. und der Primas der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams, haben am Samstagabend in Rom gemeinsam einen ökumenischen Vespergottesdienst gefeiert. In seiner Predigt rief der Papst Katholiken und Anglikaner zum Gebet für die Einheit beider Kirchen auf. Wer sich für Gott entscheide, müsse demütig und geduldig den ökumenischen und den interreligiösen Dialog führen, hob Benedikt XVI. in der Kirche „San Gregorio Magno“ hervor. Nach dem gemeinsamen Abendgebet entzündeten der Papst und Williams am Altar des Hl. Gregors eine Kerze.

„Das Zeichen, das wir gemeinsam vor dem Altar entzünden, an dem Gregor selber das eucharistische Opfer gefeiert hat, möge nicht nur eine Erinnerung an unsere brüderliche Begegnung sein, sondern auch ein Anreiz für alle Gläubigen, Katholiken wie Anglikaner, damit sie bei ihrem Besuch der glorreichen Gräber der Apostel und Märtyrer in Rom ihren Einsatz erneuern, beständig für die Einheit zu beten und sich für sie einzusetzen, um gemäß jenem Gebet zu leben – „ut unum sint“, auf dass sie eins seien -, das Jesus an seinen Vater gerichtet hat.“ Williams bekräftigte in seiner Predigt die gemeinsame „Vision“ einer vollständigen sakramentalen Gemeinschaft beider Kirchen. Gegenwärtig sei diese Vision jedoch nur unvollständig verwirklicht. Ursache hierfür sei ein Mangel an Hoffnung und Geduld, so der Erzbischof von Canterbury.

„Wir erkennen nur in unvollkommener und unsicherer Weise den Einen Leib im Leben der jeweils anderen Gemeinschaft; doch sind wir letztlich ohne eine solche Anerkennung nicht wirklich frei, um die verwandelnde Kraft des Evangeliums in Kirche und Welt weiterzugeben.“ Anlass für das Abendgebet waren die Feiern zum 1.000-jährigen Bestehen des Ordens der Kamaldulenser, dessen Kloster auf dem Hügel Celio in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche Papst Gregors des Grossen steht. Die Kamaldulenser seien stets von einem „tiefen ökumenischen Geist“ geprägt gewesen, sagte Benedikt XVI. weiter. Insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) seien die Kontakte zwischen den Kamaldulensern in Rom und der anglikanischen Gemeinschaft vertieft worden.

Mission Englands startete 597 vom Hügel Celio aus

Es handelte sich um die dritte Feier eines Papstes mit dem Oberhaupt Anglikaner an diesem Ort nach 1989 und 1996. Die Kirche Papst Gregors des Grossen ist in besonderer Weise mit der anglikanischen Gemeinschaft verbunden. Vom damaligen Benediktinerkloster auf dem Hügel Celio nahm im 6. Jahrhundert die Mission Englands ihren Anfang. Papst Gregor der Grosse (590-604) schickte im Jahr 597 den Prior des Klosters, Augustinus von Canterbury, mit 40 Missionaren nach England. Dort wurde der Mönch zum ersten Erzbischof von Canterbury.

Die Kamaldulenser leben nach der Regel des heiligen Benedikt, verbinden jedoch klösterliches und eremitisches Leben. Ordensgründer ist der heilige Romuald, der im norditalienischen Camaldoli in der Nähe von Arezzo um 1012 eine Einsiedelei gründete. Der Orden übernahmen das einstige Benediktinerkloster auf dem römischen Hügel Celio im 16. Jahrhundert. Dieses war um 580 von Gregor dem Grossen in der Villa seiner Eltern eingerichtet worden.

Foto: Petersdom – Bildquelle: Radomil, CC