Kardinal Meisner gegen Selbstsäkularisierung

Eine verweltlichte Kirche verliert ihre Faszination.
Erstellt von Radio Vatikan am 16. Januar 2012 um 22:24 Uhr

Köln (kathnews/RV). Kardinal Joachim Meisner erinnert an die Forderung des Papstes nach einer „Entweltlichung“ der Kirche. Bei seinem Neujahrsempfang erinnerte der Kölner Erzbischof am Sonntagabend an die Worte Benedikts bei seinem Deutschlandbesuch im vergangenen September. Der Papst habe der Kirche in Deutschland „Dinge ins Logbuch geschrieben, die wichtig sind und zur Revitalisierung der Kirche beitragen sollen“.

„Mehr noch als einst der jungen Christenheit droht uns heute eine Selbstsäkularisierung der Kirche, die darin besteht, dass sie so sehr in ihren Strukturen Welt wird und dass ihre Akteure Spezialisten und nicht mehr Zeugen sind. Wie wir von sündigen Strukturen sprechen, so gibt es auch weltliche Strukturen in der Kirche, die sie zur Welt machen. Wenn ihre Mitarbeiter sich nur noch als Spezialisten auf ihrem weltlichen Gebiet, dann sind sie für ihren kirchlichen Dienst nicht geeignet, andernfalls würde sich die Kirche selbst überflüssig machen. Die Welt braucht keine Kirche, die selbst zur Welt geworden ist – selbst wenn sie nach Weihrauch riecht! Eine solche Kirche erstickt an sich selbst.“

Hier sei nicht die lebendige Beziehung zum lebendigen Gott gemeint, „sondern dass man über die weltlichen kirchenpolitischen Themen Bescheid weiß und dann mitreden kann: also Aufhebung des Zölibats, Priesterweihe der Frau, wiederverheiratete Geschiedene – und wie die Themen alle heißen.“ „Eine solche Kirche verliert jede Faszination, denn sie ist der Gestalt der Welt angeglichen. Es ist ein Irrglaube zu meinen, die Mahnung des Papstes „Kehrt der Welt den Rücken und lasst die Welt Welt sein“, bedeute, die Kirche gehe nun in ihre Sakristei und ihre Kirchenräume und zelebriere sich dort selbst. Genau das Gegenteil ist der Fall.“

Wo nicht das Heil der Menschen, sondern die Finanzen letzte Wege und Ziele diktierten, verliere die Kirche sich selbst. Wenn kirchliches Tun und Leiten nicht mehr von den Strukturen der freien Wirtschaft oder der Politik zu unterscheiden seien, „machen wir den Herrn selbst mundtot“, so Kardinal Meisner. „Wer mit der Kirche in Berührung kommt, muss mit Christus in Berührung kommen – stimmt das bei uns? Wer die Kirche abklopft, darf nicht Strukturen, ein organisatorisches Gehäuse zum Klappern bringen, sondern das Herzklopfen Gottes hörbar werden lassen… Ein Amt oder eine Aufgabe in der Kirche ist immer Dienst. Wo stattdessen die Aussicht auf großzügige Gehälter, gesellschaftliches Ansehen oder politischen Einfluss locken, pervertiert sich der Sinn der Kirche in sein Gegenteil.“

Foto: Kardinal Joachim Meisner – Bildquelle: Erzbistum Köln