Immer weniger Protestanten

Anzahl der evangelischen Christen in Deutschland seit 1950 fast halbiert.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 11. Juni 2014 um 08:00 Uhr
Dr. Martin Luther

Troisdorf (kathnews/Rhein-Sieg-Anzeiger). Die Zahl der Protestanten an Rhein und Sieg schrumpft. Bei der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises in der Troisdorfer Stadthalle wird die Reaktion auf den Mitgliederschwund beraten, es geht auch um den Abbau von Stellen. Nicht in einer Kirche sondern in der Troisdorfer Stadthalle wird die Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises an Sieg und Rhein am kommenden Wochenende stattfinden. Weil nicht, wie sonst, lediglich die 141 Abgeordneten aus den 33 Gemeinden erwartet werden, sondern gut 100 Menschen mehr: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Gemeinden und der Diakonie, die zu der ohnehin öffentlichen Beratung ausdrücklich als Gäste geladen worden sind. „Um größtmögliche Transparenz herzustellen“, erläutert die Pressereferentin des Kirchenkreises, Jutta Hubert-Post. Denn das Hauptthema der Synode ist die Personalplanung.

Und natürlich geht es auch um einen Abbau von Stellen. „Die evangelische Kirche hat sich in den vergangenen Jahren mit ihren Angeboten überdehnt“, erklärt Superintendent Reinhard Bartha den Zwang zum Sparen. 1950 habe es in – Ost und West – 40 Millionen Protestanten gegeben, heute seien es nur noch 23 Millionen. Und die Zahl wird weiter schrumpfen. 17 Millionen evangelische Christen wird es, so lautet die Prognose auf der Basis der demografischen Entwicklung, im Jahr 2030 in Deutschland noch geben. „Gleichzeitig arbeiteten im Jahr 1950 rund 100 000 Menschen für die evangelische Kirche, heute sind es 650 000“, so Bartha. Auch wenn der Kirchenkreis an Sieg und Rhein mit derzeit mit rund einem Prozent jährlich und insgesamt 119 000 Personen einen „sehr überschaubaren“ Rückgang seiner Gemeindeglieder verzeichne, müsse vorgesorgt werden. Zwar seien die Haushaltseinnahmen für 2015 sogar gewachsen, „aber die Ausgaben steigen vor allem durch die Personalkosten überproportional an.“

Arbeitsgruppe eingesetzt

Bereits seit zwei Jahren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Gemeinden und Arbeitsfeldern mit der Aufgabe, den Apparat zu verschlanken. Sogenannte Kooperationsräume hat die gefunden, will heißen, mehrere Gemeinden sollen künftig enger zusammen arbeiten. Nicht nur dort, wo es auf der Hand liegt, in den Stadtgemeinden Siegburgs oder Troisdorfs etwa, soll kooperiert werden, auch Wahlscheid und Overath zum Beispiel könnten dann gemeinsam planen. „Wir wollen versuchen, dass möglichst volle Stellen erhalten bleiben“, erklärt der Superintendent. Statt künftig Hausmeister aus Spargründen mit reduzierten Stundenetats im Honorarvertrag oder Minijob zu beschäftigen, sollen sich doch besser mehrere Gemeinden einen Hausmeister teilen, nennt Bartha ein Beispiel. Gleiches gelte für Kirchenmusik, für Küster, für die Jugendarbeit.

Dem Spartrend der Landessynode entgegen tritt der Kirchenkreis An Sieg und Rhein in Sachen Verwaltungsstrukturreform. Der Beschlussvorschlag jedenfalls plädiert im Flächenkreis weiterhin für den Erhalt einer dezentralen Struktur mit zahlreichen Gemeindeämtern vor Ort. Bartha: „Wenn man für eine Sterbeurkunde von Asbach ins Amt nach Siegburg reisen müsste, wäre das doch fast eine Tagesreise.“ Die Kreissynode ist öffentlich. Sie beginnt am Samstag 14. Juni, um 9 Uhr mit einem Morgenlob in der Johanneskirche, Viktoriastraße. Die Beratungen finden ab 10 Uhr in der Troisdorfer Stadthalle, Kölner Straße 167, statt. (dst)

Textquelle: Rhein-Sieg-Anzeiger

Foto: Dr. Martin Luther – Bildquelle: Kathnews