„Ich werde für die Welt verborgen bleiben“

Papst Benedikt XVI. begegnet noch einmal seinem Klerus.
Erstellt von Radio Vatikan am 14. Februar 2013 um 13:30 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Vatikan (kathnews/RV). „Herr, erbarme dich“: Mit der Allerheiligenlitanei auf dem Petersplatz bereiten sich die Priester und Seminaristen des Bistums Rom auf die Begegnung mit ihrem scheidenden Bischof vor. „Herr, erbarme dich“ – man könnte es für einen Hilferuf halten in einem Moment, in dem angesichts von Benedikts Rückzug viel Betroffenheit und Verwirrung herrschen. Als der Papst in der Audienzhalle erscheint, brandet Beifall auf, und das „Tu es Petrus“, wird gesungen, „Du bist Petrus“ – vielleicht zum letzten Mal für diesen Papst. „Danke für eure Zuneigung, für eure Liebe zur Kirche und zum Papst“, sagt Benedikt, als „Viva il Papa“ gerufen wird. „Unsere Begegnung heute hat eine ganz besondere Bedeutung“, sagt der Generalvikar des Bistums Rom, Kardinal Vallini, in einem Grußwort an Benedikt XVI. „Wir fühlen uns heute so ähnlich wie die Gemeinde von Ephesus, die Paulus vor seinem Aufbruch als Gefangener nach Rom noch ein letztes Mal zu sich ruft. „Alle brachen in Tränen aus“, berichtet die Apostelgeschichte, „fielen dem Apostel um den Hals und küssten ihn.“ Wir erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle – Trauer und Respekt, Bewunderung und Bedauern, Zuneigung und Stolz.“ Vielleicht auch Bitterkeit, aber davon spricht der Kardinal nicht. Er würdigt das „sanfte und starke Lebensbeispiel“, das der Papst gebe. „Sie haben uns in den letzten Jahren immer um unseren Beistand im Gebet gebeten, und in diesen schwierigen Tagen – wie Sie formuliert haben – ist ihre Bitte noch dringender. Ich versichere Ihnen im Namen aller römischen Priester, dass wir Sie wirklich lieben und noch stärker für Sie beten werden!“

„Ich spüre euer Gebet fast physisch“

Dann spricht Benedikt: Es sei für ihn ein „Geschenk der Vorsehung“, vor seiner Aufgabe des Petrusdienstes noch einmal seinem Klerus zu begegnen. „Es ist immer eine Freude, zu sehen, wie die Kirche lebt und wie lebendig sie in Rom ist! … Ihr habt heute Morgen vor dem Grab des heiligen Petrus das Glaubensbekenntnis gesprochen; das scheint mir eine sehr passende Geste. So wächst die Kirche: Gemeinsam mit Petrus Christus bekennen und ihm nachfolgen!“ Er sei den römischen Priestern „sehr dankbar für euer Gebet, das ich fast physisch spüre“. „Auch wenn ich mich jetzt zurückziehe, bin ich doch im Gebet euch allen immer nahe, und ich bin mir sicher, dass auch ihr mir nahe sein werdet, auch wenn ich für die Welt verborgen bleiben werde. Für heute konnte ich angesichts meiner Umstände, meines Alters, keine große Rede vorbereiten, wie man sich das vielleicht hätte erwarten können. Stattdessen denke ich eher an ein kleines Gespräch über das Zweite Vatikanische Konzil, und wie ich es erlebt habe.“

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: Tourvindus, CC bei Flickr