„Hautnahe Tuchfühlung“ mit Jesus Christus

Rund 2000 Pilgerinnen und Pilger bei diözesaner Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 2. Mai 2012 um 20:38 Uhr
Dom zu Speyer

Speyer/Trier (kathnews/is). Die Pilgerinnen und Pilger aus dem Bistum Speyer blieben ihrem Ruf treu: Auch bei der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 stellten die Gläubigen aus der Pfalz und der Saarpfalz eine der größten Wallfahrergruppen. „Die Speyerer Pilger sind traditionell immer sehr stark vertreten“, betonte Ortsbischof Dr. Stephan Ackermann am 30. April bei der Begrüßung im Auftaktgottesdienst im Palastgarten, bei dem die Sitzplätze für die rund 2000 Gläubigen nicht ausreichten. Mit 36 Bussen und vielen Privat-Pkw hatten sich Gläubige aus allen 24 Pfarrverbänden auf den Weg nach Trier gemacht, um im Rahmen des diözesanen Wallfahrtstages die kostbare Reliquie zu verehren.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann erklärte in seiner Predigt, durch die Heilig-Rock-Wallfahrt kämen die Gläubigen in „hautnahe Tuchfühlung“ mit Jesus Christus. „Mit dem Gewand Jesu berühren wir ihn selbst, kommen in Kontakt mit seiner Faszinationskraft.“ Dieses Ergreifenwollen Christi, dieses Berühren mit allen Sinnen, sei nichts Magisches. Es sei vielmehr im Evangelium selbst verankert, wo sich die Menschen an Jesus drängten und sein Gewand zu berühren versuchten, um von ihm verwandelt und geheilt zu werden. In Jesus sei das Wort Fleisch geworden. „Wir können es berühren, um uns dadurch verwandeln, begeistern und senden zu lassen.“ Dieses von Jesus ausgehende Faszinosum müsse in der Kirche wieder lebendig werden. Es gelte, mit seiner Faszinationskraft in Berührung zu kommen, die allein eine Erneuerung bewirken könne.

Der Ort, in Tuchfühlung mit Jesus zu kommen, sei die Kirche mit ihren Sakramenten. Nach den Worten des Apostels Paulus habe der Getaufte Christus wie ein Gewand angezogen. „Wenn wir meinen, wir könnten die Kirche einfach selbst gestalten, ohne in den Sakramenten, vor allen in der Eucharistie, die Berührung mit ihm zu suchen, dann können wir keine Ausstrahlung haben als Christen.“ Durch die Sakramente entfalte Christus seine Kraft und schaffe die Einheit der Kirche, sagte Bischof Wiesemann. So sei die Heilig-Rock-Wallfahrt in ihrem Bemühen, zusammenzuführen, was getrennt ist, auch ein großes ökumenisches Zeichen.

Zu den Konzelebranten der Eucharistiefeier zählten neben Bischof Ackermann unter anderen Weihbischof Otto Georgens sowie der Bischof der indischen Diözese Cuddapah, aus der zwei Priester stammen, die im Bistum Speyer wirken. Für die musikalische Gestaltung sorgten unter der Leitung von Dekanatskantor Christian von Blohn Studierende des Bischöflichen Kirchenmusikalischen Instituts aus St. Ingbert, Mitglieder des Kirchenchors St. Ingbert-St. Hildegard und des Collegium Vocale Blieskastel, Blechbläser der Deutschen Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern sowie Domorganist Markus Eichenlaub.

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die Speyerer Wallfahrer in einer Prozession Richtung Dom und reihten sich dort in die langen Warteschlangen vor den beiden Eingängen ein. In der Kathedrale stimmten Gebete, Orgelmusik und meditative Impulse auf die Begegnung mit dem Heiligen Rock ein. Geduldig und ohne Drängen näherten sich die Pilger der in der Mitte der Basilika ausgestellten Tuchreliquie. Bewegt berührten viele von ihnen den Reliquienschrein, bekreuzigten sich oder beugten die Knie vor der unter einer Glasplatte gesicherten Tunika.

Zum Abschluss des Wallfahrtstages versammelten sich die Pilgerinnen und Pilger am Nachmittag noch einmal im Palastgarten, wo Weihbischof Otto Georgens eine Andacht hielt. Der Weihbischof betonte am Ende der Feier, die Wallfahrer hätten im „ungeteilten Kleid Jesu“ den erkannt, der aller Zerrissenheit ein Ende mache. „Diese Überzeugung soll uns in den Alltag begleiten. Im Zusammenleben wollen wir eintreten für die Überwindung von all dem, was uns voneinander und von Gott trennt.“

Foto: Hoher Dom zu Speyer – Bildquelle: B. Greschner, kathnews