„Genau hinhören, was Benedikt XVI. zu sagen hat“

Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner im Gespräch mit Martin Lohmann.
Erstellt von am 15. September 2011 um 08:49 Uhr
Martin Lohmann

Berlin (kathnews). In wenigen Tagen wird Papst Benedikt XVI. zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland erwartet, nachdem er 2005 und 2006 bereits zu Pastoralbesuchen in seiner deutschen Heimat zu Gast war. In Medien und Politik wird bereits seit Wochen eifrig über den Besuch, den Papst und die kirchliche Lehre debattiert. Auch im Deutschen Bundestag, vor dem Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Deutschlandreise sprechen wird, regt sich Widerstand gegen den Heiligen Vater und das kirchliche Lehramt. Die Linksfraktion sowie Teile von SPD und Grünen haben bereits angekündigt, bei der Rede des Papstes im Parlament nicht anwesend zu sein. Ein Affront, wenn man bedenkt, dass es sich bei Benedikt XVI. nicht nur um das Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft der Welt handelt, sondern auch um ein weltweit anerkanntes Staatsoberhaupt, zu dem auch die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen unterhält.

Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner sprach vor diesem Hintergrund mit dem Journalisten und Publizisten Martin Lohmann, einem langjährigen Kenner Benedikts XVI., der sich als Vorsitzender des AEK, des Arbeitskreises engagierter Katholiken in der CDU, für eine klare katholische Position in der CDU stark macht.

Zur Person: Martin Lohmann

Martin Lohmann ist Jahrgang 1957. Studium der Katholischen Theologie und Geschichte an der Universität Bonn; Lehrbeauftragter für Medienethik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Köln, Journalist und Publizist, TV-Moderator. Er ist Verlagsleiter im traditionsreichen Bachem-Haus in Köln und verlegerisch verantwortlich unter anderem für die Kölner Kirchenzeitung. Zudem ist er freier Mitarbeiter der kathnews-Redaktion. Lohmann lebt mit seiner Familie in Bonn.

Das Interview

Benjamin Greschner: „Stell Dir vor der Papst kommt und keiner geht hin…“, ganz so schlimm wird es nicht sein, wenn der Heilige Vater im Deutschen Bundestag sprechen wird und doch haben bereits die Linksfraktion und Teile von SPD und Grünen angekündigt, der Ansprache des Papstes, der ja immerhin auch Staatsoberhaupt ist, fern zu bleiben. Wie beurteilen Sie diese Haltung?

Martin Lohmann: Als ein Zeichen von Schwäche und Armseligkeit. Da fehlen Anstand und Toleranz. Es ist bemerkenswert, wie viel Intoleranz in so manchem Toleranzapostel zu schlummern scheint. Offenbar ahnen da einige, dass Worte der Klarheit und Wahrheit für sie eine arge Überforderung darstellen könnten, weshalb sie eher flüchten, statt kultiviert zuzuhören. Vertreter des Souveräns, und das sind unsere Abgeordnete ja, die einem weltweit angesehenen Staatsoberhaupt im eigenen Heimatland durch Missachtung ihre Unreife beweisen wollen, sind alles andere als souverän. Eines Volksvertreters ist solch ein Primitivismus nicht würdig. Wer sich derart verhält, diskreditiert nicht nur sich selbst, sondern ist eher eine Beleidigung für unser Hohes Haus. Zum Glück ist diese Niveaulosigkeit aber nicht typisch für den Deutschen Bundestag.

Benjamin Greschner: Während der Heilige Vater im Bundestag spricht, wird es in Berlin eine Gegendemonstration geben. Sie richtet sich unter anderem gegen die Sexuallehre der Kirche und den nachhaltigen Einsatz der Kirche für den Lebensschutz. Was antworten Sie diesen Menschen, die hier „verblendet von der Brille des Hasses“, wie ein Theologe es kürzlich ausdrückte, gegen die Kirche auf die Straßen gehen?

Martin Lohmann: Sie sollten sich eingeladen wissen, einfach einmal scheuklappenfrei hinzuhören, was die Kirche wirklich zu sagen hat und wie die Botschaft der Freiheit und Verantwortung tatsächlich lautet. Wer sich aber lieber der billigen sexualisierten Diktatur des Relativismus willenlos ergeben möchte, wird sich dem Anspruch zu Größe und Liebe wohl verschließen wollen. Ich finde es schade und es macht schon traurig, dass einige in unserer Gesellschaft offenbar nicht verstehen wollen, wie – nehmen wir ruhig mal jetzt dieses Wort aus dem politischen Alltag – alternativlos der Lebensschutz und die Heiligkeit des Lebens und des Lebensrechtes sind. Die Unantastbarkeit der Menschenwürde, zu deren Schutz uns der erste Artikel des Grundgesetzes verpflichtet, hat etwas mit der Gottebenbildlichkeit eines jeden Menschen und der Unteilbarkeit des Lebensrechtes vom Anfang bis zum natürlichen Ende zu tun. Wer den Lebensschutz angreift, greift auch das Humanum insgesamt an. Ohne diese Wurzel haben wir keine Zukunft, wird es schließlich keine Humanität mehr geben. Daher ist der Angriff auf den Lebensschutz ein Angriff auf uns alle.

Benjamin Greschner: Wenn Benedikt XVI. vor den Parlamentariern des Bundestages steht, dann spricht er auch vor Parlamentariern der CDU, einer sich als christlich bezeichnenden Partei. Sie sind Vorsitzender des AEK, des Arbeitskreises engagierter Katholiken in der CDU, daher die Frage: Glauben Sie, dass Benedikt XVI. auch Worte finden wird, um auf das schwindende Bewusstsein der Politiker für „das Christliche“ in der Politik hinzuweisen?

Martin Lohmann: Ja, ganz sicher. Alle sollten genau hinhören, was Papst Benedikt XVI. zu sagen hat. Das gilt besonders für die Politiker, die sich mit dem Anspruch des Christlichen, mit dem Anspruch des C verbunden sehen oder gar ein großes C im Parteinamen haben. Ich bin sicher, dass wir alle viel Stoff zum Nachdenken und die Einladung zu mehr Mut bekommen werden.

Benjamin Greschner: Deutschland wird in der gegenwärtigen Berichterstattung gerne als das Land der Reformation bezeichnet und auch heute noch ist Deutschland ein Land, das anscheinend so seine Probleme mit der kirchlichen Lehre hat. Was können wir Deutschen von unserem Landsmann Benedikt XVI. lernen?

Martin Lohmann: Klarheit, Wahrheitsliebe, Wahrheitssuche, Barmherzigkeit und vor allem Glaubensfreude. Ohne Gott gibt es keine Zukunft. Zum Glück gibt es Gott, und daher gibt es auch Zukunft. Der Papst macht uns immer wieder vor, wie wichtig die Freundschaft mit dem Herrn und die Anbetung Gottes ist. Wenn wir alle das etwas mehr beherzigen und wenn wir alle dem barmherzigen Gott ein wenig mehr Raum in unserem Leben geben, dann wird auch die Ökumene strahlender sein können. Christus ist die Mitte. Wir sollten uns froher und selbstverständlicher um ihn versammeln. Dann kommen wir uns auch über Konfessionsgrenzen hinweg näher. Logisch. Und das ist gut so.

Benjamin Greschner: 2005 titelte eine große Deutsche Tageszeitung: „Wir sind Papst!“ – sind wir es eigentlich immer noch, Herr Lohmann?

Martin Lohmann: In diesen Wochen sicher mehr als in manchen vergangenen Zeiten. Es wird darauf ankommen, was wir aus dem machen, das uns in den Tagen des Besuches geschenkt wird. Aber ich bin sicher: Der Besuch unseres Benedikt, was ja so viel heißt wie „Gesegneter“, wird ein Segen werden. Der mag manche überfordern, für manche eine arge Herausforderung sein. Aber er wird sich als Segen erweisen.

Foto: Martin Lohmann – Bildquelle: Heike Lohmann, LohmannMedia