„Der Friede ist ein Auftrag, nicht bloß ein Gruß“

Generalaudienz mit Benedikt XVI.
Erstellt von Radio Vatikan am 12. April 2012 um 17:56 Uhr

Vatikan (kathnews/RV). Nur Christus kann die Grabsteine über unseren Herzen wegwälzen und zur wahren Freude werden. Das sagte Papst Benedikt XVI. bei der ersten Generalaudienz nach Ostern, in der er über die Verwandlung der Christen durch die österliche Botschaft der Auferstehung sprach. Weil Christus den Tod besiegt hat, schlägt Furcht um in Freude, und aus Trauer wird Hoffnung. Nicht nur seinen Jüngern damals, sondern auch uns heute sage Christus: Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, so Benedikt vor tausenden Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz.

„Liebe Freunde, auch heute tritt der Auferstandene in unsere Häuser und in unsere Herzen ein, obwohl manchmal die Türen verschlossen sind. Er tritt ein und bringt Freude und Friede, Leben und Hoffnung, Gaben, die wir brauchen für unsere menschliche und spirituelle Erneuerung. Nur er kann die Grabsteine beiseite schieben, die der Mensch oft über seine Gefühle, seine Beziehungen, seine Handlungen legt; Steine, die den Tod bestätigen: Spaltungen, Feindschaft, Ränke, Neid, Misstrauen, Gleichgültigkeit. Nur er, der Lebende, kann unserer Existenz Sinn geben und jene ihren Weg wieder aufnehmen lassen, die müde und traurig sind, ohne Vertrauen und Hoffnung.“

Besonders ging der Papst auf die Grußworte des auferstandenen Christus ein, als er unter seine Jünger trat: „Der Friede sei mit euch“.

„Es ist klar, dass das nicht bloß ein Gruß ist. Es ist eine Gabe, die Gabe schlechthin, die der Auferstandene seinen Freunden schenken möchte, und gleichzeitig ist es eine Aufgabe: Dieser Friede, den Christus mit seinem Blut erworben hat, ist für sie und für alle, und die Jünger müssen ihn in die ganze Welt hinaustragen.“

Die Botschaft der Auferstehung und des Friedens zu verkünden, werde für die Christen eine „ununterdrückbare Notwendigkeit“, sagte Benedikt. Auf Deutsch fasste er seine Katechese folgendermaßen zusammen:

„Heute haben wir uns trotz des trüben Wetters hier mit österlicher Freude eingefunden, die von der Gewißheit herrührt, daß Christus mit dem Tod und mit seiner Auferstehung wirklich Sünde und Tod besiegt hat. Über diese Freude sollten wir ein wenig nachdenken. Betrachten wir, wie das Ostergeheimnis die Jünger Jesu verwandelt. Am Osterabend hatten sie sich aus Furcht im Haus eingeschlossen (vgl. Joh 20,19). Der Meister ist nicht mehr da, und sie haben Angst. Doch Jesus hält das Versprechen vom Letzten Abendmahl, wo er sagte: »Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch« (Joh 14,18). Jesus tritt durch die verschlossenen Türen ein und versichert die Jünger: »Der Friede sei mit euch« (Joh 20,19b). Und Traurigkeit, Angst und Hoffnungslosigkeit werden in der Begegnung mit Christus in Freude verwandelt: »Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen«, sagt Johannes (Joh 20,20b). Dann haucht Jesus sie an, damit sie den Heiligen Geist empfangen, den Geist einer neuen Schöpfung, eines neuen Lebens. Die Dornen der Sünde, die das Herz des Menschen verwundet haben, geben nun dem Samen der Gnade Raum, der Gegenwart Gottes und seiner Liebe, die Sünde und Tod besiegen. Die Jünger sind voll Freude, dass Jesus lebt – und dass sie in ihm leben. Wir sind oft weit entfernt von dieser Freude. Auch wir halten unsere Türen verschlossen gegen ihn. Aber er kann hereintreten und wird hereintreten, wenn in unserem Herzen die Sehnsucht nach ihm da ist. Und so bitten wir ihn, daß er auch zu uns hereintritt, daß er uns durch die Erfahrung der heiligen Liturgie, durch den Umgang mit der Heiligen Schrift, durch die Dinge unseres Lebens selbst, in denen er da ist, erkennen lässt: Ja, er lebt, und er lebt auch mit mir und gibt mir Hoffnung und Zuversicht.

Mit Freude grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher, besonders die Seminaristen aus Graz-Seckau und Gurk mit ihren Bischöfen Egon Kapellari und Alois Schwarz. Heute will der auferstandene Herr, wie ich sagte, auch in unsere Häuser und Herzen eintreten, auch wenn sie durch Sorge, Angst oder Schuld verschlossen sind. Laden wir Jesus Christus ein, zu uns zu kommen, uns zu verwandeln, damit er unser Leben und unsere Freude sei. Die Freude des Auferstandenen begleite euch in die kommenden Wochen hinein!“

Auf dem Weg zum Petersplatz hatte der Papst eine große Ikone der Heiligen Familie gesegnet, die einen prominenten Platz beim Weltfamilientreffen in Mailand haben wird. Benedikt besucht das Treffen von 1. bis 3. Juni.

Foto: Benedikt XVI. – Bildquelle: Andreas Gehrmann

 

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