Bischof Stephan Ackermann in Israel

Der Vorsitzende der deutschen Kommission Justitia et Pax im Gespräch mit Radio Vatikan.
Erstellt von Radio Vatikan am 11. Januar 2013 um 11:46 Uhr
Israelische Flagge

Jerusalem (kathnews/RV). Es geht darum, den Blick intensiv auf die Würde der Menschen zu richten und für das Recht der freien Religionsausübung einzutreten. Das sagte der Vorsitzende der deutschen Kommission Justitia et Pax, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, zum Abschluss einer Solidaritätsreise katholischer Bischöfe ins Heilige Land. An diesem Donnerstag reisten die Bischöfe aus unter anderem Kanada, den USA, Frankreich, Deutschland und Großbritannien wieder ab. In ihrem Schlussstatement wiesen die Besucher auf die widrigen Umstände hin, unter denen die Menschen in den besuchten Ländern leben: Dem Konflikt in Gaza und im südlichen Israel, dem Bürgerkrieg in Syrien mit seinen Flüchtlingsströmen und die zunehmende Verschärfung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern. Viele Menschen in der Region hätten Angst, vor allem auch die abnehmende christliche Bevölkerungsgruppe. Bei alldem sei es aber umso wichtiger, die konkreten Menschen vor Ort nicht aus dem Blick zu verlieren, so Bischof Ackermann.

Radio Vatikan hat mit ihm kurz vor seiner Abreise sprechen können.

„Das Beeindruckendste war für mich gestern in Gaza zu sehen, wie lebendig die Gemeinde dort ist und mit welchem Mut etwa auch die Mitarbeiter des kirchlichen Hilfswerkes Catholic Relief Service dort arbeiten. Sie haben mir auch gesagt ‚Herr Bischof, sagen Sie nicht nur, wie schwierig das hier ist, sondern sagen Sie, dass wir hier leben wollen und können und dass wir hier den Glauben leben und aus dem Glauben heraus den Menschen helfen.’ Das ist uns ganz wichtig, diese Botschaft des Lebens und der Hoffnung nach außen zu tragen und nicht nur das, was schwierig ist. Diesen Lebensmut zu sehen und die Art und Weise, wie dort Christen und Muslime konkret für die Menschen zusammen arbeiten, das berührt sehr, denn wir können uns ja kaum vorstellen, unter welchen widrigen Bedingungen des Alltags hier Leben gestaltet werden muss.“

Bei dem Besuch in Gaza haben Sie auch die kleine katholische Gemeinde besucht, also eine Minderheit. Wie leben die Menschen dort?

„Für mich war es besonders beeindruckend zu sehen, wie Menschen unter den Bedingungen, die dort herrschen, das alltägliche Leben meistern, mit welchem Mut und welcher Hoffnung, auch mit einem gewissen Humor. Das ist eine ganz kleine Gemeinde, etwa knapp 200 katholische Christen, die dazu gehören, die aber wirklich Großes leisten auch durch die Schulen, die sie dort haben.“

Sie sind unterwegs mit einer Gruppe internationaler katholischer Bischöfe, die Reise will eine Solidaritätsreise sein: Was kann so ein Besuch dort leisten?

„Das Treffen geht zurück auf eine Initiative des Heiligen Stuhls. Es geht darum, mit den katholischen Bischöfen hier vor Ort im Austausch zu sein und so auch die Gemeinschaft untereinander zu stärken. Der Papst hat das ja noch einmal sehr deutlich in dem nachsynodalen Schreiben zum Nahen Osten herausgestellt: Nur das gemeinsame Zeugnis ist glaubwürdig. Das ist das eine, hier vor Ort. Dann geht es natürlich auch darum, die konkrete Situation von Gläubigen kennen zu lernen. Der dritte Aspekt ist immer auch, Öffentlichkeit herzustellen in den Bereich der Politik hinein und die Gesellschaft, um die Lage der Christen hier nicht aus dem Blick zu verlieren.“

Foto: Israelische Flagge – Bildquelle: Wikipedia/Daniel Maleck Lewy