Auf, in das Galiläa unseres Lebens!

Papst zelebriert Osternacht im Petersdom.
Erstellt von Radio Vatikan am 20. April 2014 um 00:54 Uhr

Vatikan (kathnews/RV). Die Frohe Botschaft von der Auferstehung beginnt mit dem enttäuschten Glauben der Frauen und Jünger, in deren dunkles Leben das Licht der Nachricht der Auferstehung tritt. Die Jünger waren auseinander gelaufen, betonte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Feier der Auferstehung Samstag Nacht im Petersdom, ihr Glaube war zerbrochen, alles schien beendet, die Gewissheiten in sich zusammengefallen, die Hoffnungen erloschen. Dort hinein drang die Verkündigung der Frauen, die am Grab gewesen waren, „wie ein Lichtschein ins Dunkel“. Aber nicht nur das, die Verkündigung war auch mit einem Auftrag verbunden, nämlich dem Auftrag, nach Galiäa voraus zu gehen, dort würden sie Jesus sehen.

„Galiläa ist der Ort der ersten Berufung, wo alles seinen Anfang genommen hatte! Dorthin zurückkehren, zum Ort der ersten Berufung zurückkehren. Am Ufer des Sees war Jesus entlanggegangen, als die Fischer gerade ihre Netze auswarfen. Er hatte sie gerufen, und sie hatten alles hinter sich gelassen und waren ihm gefolgt (vgl. Mt 4,18-22). Nach Galiläa zurückkehren bedeutet, alles von Kreuz und vom Sieg her neu zu lesen. Alles neu lesen – die Verkündigung, die Wunder, die neue Gemeinschaft, die Begeisterungen und die Rückzieher, bis hin zum Verrat – alles neu lesen von dem Ende her, das ein neuer Anfang ist, von diesem höchsten Akt der Liebe her.“

Dieser Auftrag an die Jünger und die Frauen gelte auch uns, auch wir müssten ‚unser Galiläa’, die Ursprünge unseres Glaubens, neu entdecken, sagte der Papst den Menschen im gefüllten Petersdom, „es bedeutet für uns, unsere Taufe wiederzuentdecken als eine lebendige Quelle, neue Energie aus dem Ursprung unseres Glaubens und unserer christlichen Erfahrung zu schöpfen.“ Wie um diese Wichtigkeit zu unterstreichen taufte der Papst während der Liturgie zehn Katechumenen verschiedenen Alters und verschiedener Nationalität, von Kind bis ins vorgerückte Alter, von Vietnam bis Senegal.

Aber neben der Neuentdeckung der eigenen Taufe für das Leben des Christen gebe es nach der Taufe auch ein noch existenzielleres „Galiläa“, so der Papst: „Die Erfahrung der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus, der mich gerufen hat, ihm zu folgen und an seiner Sendung teilzuhaben. In diesem Sinn bedeutet nach Galiläa zurückkehren, die lebendige Erinnerung an diese Berufung im Herzen zu bewahren, als Jesus meinen Weg gekreuzt hat, mich barmherzig angeschaut und mich aufgefordert hat, ihm zu folgen; die Erinnerung an jenen Moment zurückzuholen, in dem sein Blick dem meinen begegnet ist, den Moment, in dem er mich hat spüren lassen, dass er mich liebte.“

Das Evangelium von Ostern sei klar: Man müsse dorthin zurückkehren, um den auferstandenen Jesus zu sehen und Zeuge seiner Auferstehung zu werden. Es sei kein Rückwärtsgehen oder Nostalgie. „Heute, in dieser Nacht, kann jeder von uns sich fragen: Welches ist mein Galiläa? Wo ist mein Galiläa? Erinnere ich mich daran? Habe ich es vergessen? Bin ich Wege und Pfade gegangen, die es mich haben vergessen lassen? Herr, hilf mir: Sag mir, welches mein Galiläa ist; weißt du, ich will dorthin zurückkehren, um dich zu treffen und mich von deiner Barmherzigkeit umarmen zu lassen… Machen wir uns auf den Weg!“

Foto: Heilige Messe im Petersdom – Bildquelle: Andreas Gehrmann