Anna Schäffer aus Bayern heiliggesprochen

Feierliche Zeremonie mit Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz.
Erstellt von Radio Vatikan am 21. Oktober 2012 um 21:08 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Die „Schreinder Nandl“ auf dem Petersplatz: An diesem Sonntag hat Papst Benedikt XVI. Anna Schäffer feierlich zur Heiligen erklärt. Die aus dem Bistum Regensburg stammende, einfache Frau von der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts war eine Schmerzensfrau – wegen vielerlei Leiden ans Bett gefesselt. Doch sie setzte ihr Leiden in einen Zusammenhang mit der Passion Christi: Bis heute sind über 20.000 Gebetserhörungen von ihr registriert.

Die Schmerzen müssen grausam gewesen sein: Bei einem Arbeitsunfall verbrennt sich eine 18-jährige Magd die Beine in einem Kessel mit kochender Lauge. Es folgen 30 Operationen mit Hautverpflanzungen, zum Teil versagt die Narkose, es kommt zu spastischen Lähmungen – die Wunden heilen nicht mehr bis zu ihrem Tod nach 25 Jahren Bettlägerigkeit. Eine Geschichte von der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. An diesem Sonntag wird Papst Benedikt das Opfer dieses Arbeitsunfalls heiligsprechen: Anna Schäffer, die Schmerzensfrau. Sie wird heilig, weil sie an ihrem Leid nicht zerbrach, sondern im Glauben über sich hinauswuchs und vielen anderen zur Trösterin wurde.

Das Leben der „Schreiner Nandl“ beginnt unspektakulär: Im Winter 1882 wird sie in eine Handwerkerfamilie in Mindelstetten hineingeboren, das ist ein Dorf zwischen Ingolstadt und Regensburg. Früh verliert sie den Vater, will Missionsschwester werden – aber ihre Familie kann das nicht bezahlen. Also wird sie Magd, in Regensburg und Landshut. Mit 16 erfährt sie in einer Vision, dass sie bald viel leiden wird. Zwei Jahre später – 1901 – ist es soweit: der Unfall, in einem Forsthaus, beim Reparieren des Ofenrohrs. Von da an: Siechtum und bittere Armut. Neun Mark Invalidenrente im Monat. Sie versucht, mit Näharbeiten über die Runden zu kommen. Ihre größte Stärkung bezieht sie aus der täglichen Krankenkommunion: „Vereint mit Jesus bin ich glücklich“, sagt sie. „Wenn auch die Schmerzen meinen Leib durchwühlen, so fühle ich im Herzen doch eine Seligkeit, die ich nie auszusprechen vermag.“

Und sie wühlen, die Schmerzen: Krämpfe, Rückenmarkleiden, Bauchwassersucht, die Beine gelähmt, Darmkrebs, zuletzt auch noch eine Gehirnverletzung. Doch Anna Schäffer meditiert auf dem Krankenlager ihr Schicksal auf dem Hintergrund der Passion Jesu. Sie fängt an, Briefe mit anderen Menschen in schwieriger Lage auszutauschen. Oft malt sie das Herz Jesu darauf, mit Weizenähren statt Flammen. Sie tröstet Kranke und verspricht allen, die sich mit ihren Nöten an sie wenden, Fürbitte bei Gott einzulegen – und das über ihren Tod hinaus. „Die Zahl der gemeldeten Gebetserhörungen liegt mittlerweile bei über 23.000“, sagt der Pfarrer von Mindelstetten, Johann Bauer. Jedes Jahr am Anna-Tag kommen am 26. Juli mehrere tausend Gläubige nach Mindelstetten an ihr Grab.

Für den Papst ist Anna Schäffer eine Frau aus seiner Heimat, die „in diesen 25 Jahren ihres Leidens eine große Reise nach innen und nach oben gemacht“ hat. So hat er es, noch als Kardinal, 1999 formuliert – am Vorabend ihrer Seligsprechung. Sie war für ihn eine Frau, „die das Leiden gelernt hat“. Und darum habe sie auch eine Botschaft für die Welt der Schönen, Mächtigen und Erfolgreichen. Denn, so der heutige Papst wörtlich: „Wer nicht mehr leiden kann, kann auch nicht mitleiden“. Wer so wie Anna Schäffer das Leiden „gelernt“ habe, „der lehrt uns zu leben“. Der Mindelstettener Pfarrer Carl Rieger, der Anna Schäffer jahrelang geistlich begleitete, war davon schon am Tag ihres Todes überzeugt. Beim amtlichen Eintrag des Sterbedatums ins Kirchenbuch setzte er mit Bleistift über ihren Namen den Zusatz „Sancta“ – eine „Heilige“. An diesem Sonntag bekommt das Bistum Regensburg tatsächlich zum ersten Mal seit etwa tausend Jahren wieder einen eigenen Heiligen.

Übrigens ist das nicht die einzige Heiligsprechung an diesem Sonntag, die Deutschland betrifft: Auch eine zweite neue Heilige kommt zumindest gebürtig aus Deutschland. Barbara Koob wurde im frühen 19. Jahrhundert in Heppenheim in Hessen geboren, wuchs dann aber in den USA auf und wirkte als Ordensfrau – Marianne Cope – bis zu ihrem Tod auf Hawaii. Dort wurde die enge Mitarbeiterin des „Apostels der Leprakranken“, des seligen Damian De Veuster, als „Mutter der Armen“ bekannt. Von Heppenheim über Hawaii zur Ehre der Altäre in Rom – hier traf sie sich, zumindest an diesem Sonntag, mit der heiligen Anna Schäffer aus dem Bayrischen.

Foto: Petersplatz – Bildquelle: M. Bürger, kathnews