Wo die Berufungen nicht mehr wachsen können

Die endgültige negative Entscheidung des höchsten kirchlichen Lehramtes (Papst Johannes Pauls II.) in Sachen Frauenpriestertum hält niemanden davon ab, die Frage immer wieder und wieder aufzubringen. Ein Kommentar von Peter Winnemöller.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 9. Juni 2017 um 13:51 Uhr
Priesterkragen

Von Peter Winnemöller:

(kathnews/The Germanz). Scheinbar gehorcht das einer Art Gesetz der stetigen Wiederholung. Anfang fast jeden Jahres, zwischen Ende der Weihnachtszeit und Aschermittwoch, erscheint ein Memorandum. Man will die Kirche endlich modernisieren. Mal sind es Professoren, mal Funktionäre, mal Politiker und ein andermal sogar Pfarrer, die der Welt, dem Bischof und dem Papst erklären, wie die Kirche künftig zu sein hat. Im Grunde wäre das zumeist nur eine weitere protestantische Denomination, aber eben keine Kirche mehr. Die folgende allgemeine Aufregung ebbt zu Ostern wieder ab. Da sind dann doch alle mit Feiern beschäftigt. Es immerhin das höchste Fest der Christenheit. Nach 50 Tagen kommt das Pfingstfest. Es ist die Zeit, in der – soweit Kandidaten vorhanden – die neuen Priester geweiht werden. Man fragt sich, was die Regenten (Leiter der Priesterseminare) mit ihrer vielen Zeit so machen. In manchen Bistümern werden nämlich inzwischen stattliche Null junge Männer zu Priestern geweiht.

Jetzt schlägt die Stunde der ultimativen Reformkräfte. Alles vorher war nur Vorgeplänkel. Jetzt fällt die Maske. Die Reformer sind in Wirklichkeit Klerikalisten. Man will auch mitpriestern!

Frauen zu Priesterinnen! Verheiratete Männer zu Priestern! Weg mit dem Zölibat und was denen nicht noch so alles einfällt. Rund um Pfingsten fällt auf, wie gering der Nachwuchs an Priestern überall ist. Kann man im Laufe des Jahres das wieder ausblenden, weil es ja doch irgendwie läuft, so ist Pfingsten die Stunde der Wahrheit. Bei Null Neupriestern bekommen wir auch diesmal keinen neuen Kaplan. Es bekommt niemand einen neuen Kaplan. Plötzlich sprießen die Ideen.

Dass die Frage der Weihe von Frauen zu römisch-katholischen Priesterinnen endgültig entschieden ist, dürfte sich rumgemurmelt haben. Es ist endgültig klar, dass die Kirche keine Vollmacht hat, schrieb der Heilige Papst Johannes Paul II. 1994 in Ordinatio Sacerdotalis. Die endgültige Entscheidung hält niemanden davon ab, die Frage immer wieder und wieder und wieder und … aufzubringen. Es werden immer noch Bücher dazu geschrieben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schreiben, streiten und demonstrieren sie noch heute.

Gleiches gilt für Viri Probati (=erprobte Männer, die als Ehemänner zu Priestern geweiht würden) oder für den Wegfall des Zölibats. Über letzteres hat sich die Kirche auch mehrfach geäußert. Der Zölibat als die ehelose Lebensform des Priesters um des Himmelreiches Willen, ist die richtige und angemessene Form. Das hat die Kirche in mehrfacher und immer neuer Überprüfung festgestellt. Auch Viri Probati sind mehrfach abgelehnt worden. Im Grunde ist das alles durch. Es ist auch alles nur Populismus. Wo der Glaube blüht, da gibt es genügend Berufungen.

Wer beispielsweise gerne Viri Probati haben möchte, sollte sich auch einer Überprüfung der Fakten mal nicht entziehen. Wer wollte das denn werden? Das sind vor allem Männer jenseits des 60 Lebensjahres. Jüngere Männer sind in der Kirche zum einen selten anzutreffen und zum anderen stehen sie in beruflichen Kontexten, die ein solches Engagement zumeist gar nicht erlauben würde. Priester haben – entgegen allen Unkenrufen – etwas mehr zu tun, als Sonntags mal eben eine Messe zu feiern. Schon Ständige Diakone sind gehalten mindestens 10 Stunden für ihre Gemeinde zu arbeiten. Die meisten machen mehr, wenn sie es können. Das – oder eher mehr – wäre dann auch wohl das Maß, in dem ein Vir Probatus beansprucht würde. Wenige Familien könnten das stemmen, in einer Zeit, die für Familien ohnehin immer schwerer wird.

Schaut man sich die Berufungszahlen für den ständigen Diakonat an, so dürfte sich die Zahl der Interessenten für einen priesterlichen Dienst als Vir Probatus in gleichen Größenordnungen bewegen. Viri Probati könnten keine Pfarrer werden, weil die Diözesen sie nicht hauptamtlich einstellen würden. Es wäre undenkbar, daß die Diözesen sich Reihenweise ältere Männer an Land ziehen, bei denen plötzlich Pensionsansprüche entstehen würden. Die Ansprüche potentieller Witwen kämen noch hinzu. Man sieht sehr schnell, wie wenig durchdacht solche Forderungen oft sind, die zuweilen sogar von Bischöfen erhoben werden. Da diktiert die Not zu fordern, was der klare Verstand sofort verbieten müßte.

Die Not ist wirklich groß. Sie wird von Jahr zu Jahr größer. Alle pastoralen Pläne dienen doch nur dazu, den Pfarrern immer größere Sprengel zuzuweisen oder Laien in Strukturen zu zwingen, in denen sie nichts zu suchen haben. Diese Pläne sind schon Makkulatur, bevor sie endgültig umgesetzt sind. Auch dadurch wird der Beruf des Priesters immer unattraktiver. Wer will schon alleinstehender als Manager – mit mittelgutem Gehalt dafür ohne Dienstwagen – für ein Riesenterritorium verantwortlich sein? Zeit für Gläubige? Wenn mal gerade nichts auf dem Schreibtisch liegt. Jeder Bischof, der die Defizite ernsthaft erkannt hat, sollte sich Rechenschaft ablegen, wie attraktiv der Priesterberuf als geistliche Berufung in seinem Bistum denn überhaupt noch ist. Der Bischof, sagt Papst Franziskus, ist der Vater seiner Priester. Kennen Sie einen Vater, der seine Söhne – wenn überhaupt – nur nach Terminabsprache empfängt? Dann öffnen sich vielleicht auch mal wieder die Türen der Pfarrhäuser ohne Termin.

Von geistlichem Leben ist bei vielen dieser Managerpfarrer inzwischen kaum etwas übrig. Das ist ein Paradoxon erster Güte. Geistliches Leben ist für die priesterliche Lebensform so wichtig wie Essen und die Luft zum Atmen. Gerade das geistliche Leben ist einer der wichtigsten Aspekte in der Berufungspastoral. Nichts ist für junge Männer mit der Neigung zu einem geistlichen Beruf wichtiger als ein echtes geistliches Vorbild. Ein authentisch gelebter Glaube und eine tiefe priesterliche Spiritualität sind ein wahres Mistbeet für Berufungen. Es braucht ein Umfeld, das Berufungen nicht als Problem sondern als Gnade ansieht. Daran mangelt es bei uns. Die Gemeinden und die Pfarrer sind nur noch mit der Umsetzung des neuesten Pastoralplanes beschäftigt und halten den „Betrieb“ irgendwie am Laufen. Da wachsen weder Berufungen noch der Glaube selbst, der den Humus für Berufungen bildet. Da und nur da ist das eigentlich Feld für Reformen.

Foto: Priesterkragen – Bildquelle: Kathnews