Wilhelm Schallinger – Das Lamm in Menschenhand

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 1. Juni 2016 um 11:02 Uhr
Bildquelle: Patrimonium-Verlag

„Ich leide darunter, dass ich zur Handkommunion meine Zustimmung gegeben habe.“ Diese Aussage von Hermann Kardinal Volk, dem Vorgängers von Kardinal Lehmann auf dem Mainzer Bischofsstuhl, lässt aufhorchen und fügt sich ein in die Reihe manch anderer kritischer Stimmen, die nur „im Geheimen“ ausgesprochen wurden, aber nie wirklich gehört worden sind. Genügt es, unter begangenen Irrtümern der Kirchenhierarchie zu leiden, oder muss man sich mannhaft stellen und eine Wende herbeizuführen versuchen?

Wilhelm Schallinger, geboren 1941 in der Nähe von Traunstein, war als 10 jähriger Messdiener dabei als Georg und Joseph Ratzinger ihre Primizmessen zelebrierten und gehörte 1970 selbst zum Weihejahrgang des Erzbistums München-Freising. Bereits als Jungpriester stellt er sich den drängenden Fragen seines Gewissens und prüft sie vor Gott und der katholischen Lehre, ehe er sich gegen manche Entscheidungen seiner Vorgesetzten wendet.

Die in diesem Buch vorliegenden, bisher unveröffentlichten Texte liefern einen traurigen Einblick in unheilige Machenschaften, die auch heute in unsere heilige katholische Kirche möglich sind. Der Münchener Priester Wilhelm Schallinger öffnet in „Das Lamm in Menschenhand“ sein Herz und seine Dokumentenmappe und lässt uns so teilhaben an den beinahe unglaublichen Ereignissen, die er im Umgang mit seiner Bistumsleitung erleben musste, zuvorderst der Erzbischöfe Döpfner, Ratzinger und Wetter sowie deren Vertreter der Bistumsleitung.

Auch für den gerade neuen Erzbischof Joseph Ratzinger, den spätere Papst Benedikt XVI., gehörte die „Akte Wilhelm Schallinger“ offenbar zu einer hohen Dringlichkeitsstufe. Schon wenige Tage nach seiner Bischofsweihe am 28. Mai 1977 schrieb er am 16. Juni in einem harschen Brief an den kleinen Kaplan Schallinger: „Ich muss Ihren Starrsinn in Sachen Handkommunion mit allem Nachdruck zurückweisen“; und „Ich muss Sie … gegen einen Starrsinn und gegen eine Rechthaberei verwarnen, die dem priesterlichen Dienst widersprechen und die Kirche nicht aufbauen können.“ Sicherlich wird jeder einigermaßen sensible Leser erwarten, dass vor dieser Machtdemonstration der einfache Kaplan Wilhelm Schallinger ganz im Gehorsam seinem Oberhirten gegenüber schweigt und seinem Ansinnen folgt. Doch weit gefehlt.

Es mag sein, dass Schallingers Buch kaum die Möglichkeit hat, sich auf dem katholischen Buchmarkt zu behaupten. Immerhin wurde es „geadelt“ mit einem umfangreichen Geleitwort von Weihbischof Athanasius Schneider, der wie Schallinger ein unbeugsamer Verteidiger der Würde der heiligen Liturgie und des Kommunionempfanges ist.

Hans Jakob Bürger

Wilhelm Schallinger
Das Lamm in Menschenhand
Patrimonium-Verlag
ISBN: 978-3-86417-069-0
134 Seiten; 14,80 €

Foto: Das Lamm in Menschenhand – Bildquelle: Patrimonium-Verlag