„Wie man einen Bischof zu Fall bringt“ – Teil 2

Eine Rezension von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 5. November 2016 um 12:02 Uhr

Der Rezensent notierte vor einem Jahr am Ende seiner Buchbesprechung des ersten Teils des Buches „Victor quia victima – Wie man einen Bischof zu Fall bringt“ bei kathnews: „Das Buch wird … empfohlen, weil dargestellt wird, wie verlogene Machenschaften und Druck der Medien in der Lage sind, der Menschen Meinungen zu bestimmen um vermeintliche Mehrheiten zu bilden.“

Der zwischenzeitlich erschienene zweite Teil, wiederum mit Pater Ildefons M. Fux OSB als Autor, trägt den Titel „Des Pilgers Heimkehr – Wie man einen Bischof zu Fall bringt II“. Diesmal könnte man in Abwandlung eines geflügelten Wortes als Resümee festhalten: „Wenn du solche Mitbrüder hast, brauchst du keine Feinde mehr!“

Das Buch beschreibt die wenigen Jahre seit dem Rücktritt des ehemaligen Erzbischofs von Wien, Hans Hermann Kardinal Groër (Gewährung des Rücktritts am 14. September 1995 durch Papst Johannes Paul II.; Todestag 24. März 2003). Es ist erschütternd zu lesen, wie zunächst seine eigenen Mitbrüder aus dem Benediktinerorden (als Pater Hermann OSB gehörte er dem Kloster Göttweig an), aber auch seine Brüder im Bischofsamt, ihn mehr und mehr bekämpften und isolierten. Dieser Kampf bestand in Verleumdungen, Verdächtigungen, Intrigen, Falschaussagen und anderen Formen menschenverachtender Maßnahmen. Der Autor, Pater Ildefons Fux, selbst Benediktiner, kann zu allen Tatsachen einen oder mehrere Belege anbringen, derer es am Ende über fünfhundert sind. Besonders tragisch scheint, dass so manche der damaligen Falschspieler ihre damaligen Machenschaften bis heute sogar weiter für ihre eigene Karriere nutzen konnten, nicht zuletzt auch der höchste Repräsentant der katholischen Kirche in Österreich.

Das im Patrimonium-Verlag erschienene Buch kann man getrost wie einen Kriminalroman lesen – nur handelt es sich hier um Tatsachenberichte. Mehrmals kann sich der Leser fragen, wieso kein Staatsanwalt und keine weltlichen Gerichte eingegriffen haben. Der Tatbestand des Rufmordes war wohl allenthalben gegeben. Doch die veröffentlichten Meinungen waren von einem dermaßen einseitig geprägten Interesse, dass jeglicher vernünftige Umgang damit obsolet war. Schließlich war die Wahrheit diejenige, die alle kannten weil es alle glauben wollten, weil es gerade so ins antikatholische Konzept passte.

Jedoch wird auch deutlich, wie zerrissen manche Personen ob der verschiedenen „Wahrheiten“ gewesen sind. Ildofons Fux lässt dazu die Urteilskraft des J. N. Grou sprechen: „Gott lässt es zu, dass sogar diejenigen, welche an der Spitze seiner Kirche stehen, sich einnehmen lassen und auf falsche Berichte hin, ohne sich die Zeit zu nehmen, die Dinge zu prüfen und ohne zu wissen, die heiligsten Menschen und die wunderbarsten seiner Werke verurteilen.“

Doch dieses Wort allein kann die Tragik des Lebens von Hans Hermann Kardinal Groër nicht erklären. Es stellt sich immer wieder die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Menschen und ihrer Aussagen. Verloren haben natürlich diejenigen, die schweigen; die reden sind die Sieger: in unserer Welt. Denn wer schweigt, der hat etwas zu verbergen. Doch die Wahrheit wird ans Licht kommen; die ganze Wahrheit, nicht die gefühlte „Wahrheit“ einzelner Personen oder der Massen. Nicht alle haben dies verstanden. Anlässlich des 30. Jahrestages der Weihe von Hans Hermann Kardinal Groër zum Bischof von Wien gab Kardinal Schönborn am 14.09.2016 der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ ein Interview. Darin behauptet er, Groërs Schweigen sei „eine schwere Belastung“ gewesen denn es habe nur einen Weg, nämlich „den Weg der Wahrheit“ gegeben. Offenbar denkt der Wiener Kardinal noch immer, er selber besitze die Wahrheit. Er kartet nach: „Ich habe nie von ihm selber gehört, dass er etwas falsch gemacht hätte, in welcher Materie auch immer. Das ist schon Ausdruck einer schwierigen seelischen Landschaft.“ Damit stellt er einen Menschen bloß, voller Verachtung und ohne Barmherzigkeit, – nach so vielen Jahren.

Dieses Buch gehört sicher in die Hände aller, die sich innerhalb und am Rande der kirchlichen Strukturen bewegen; zuvorderst jungen Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, in einen kirchlichen Dienst zu treten, aber auch jenen, die in entscheidenden Positionen in Orden, Verbänden und Generalvikariaten stehen. Pater Ildefons Fux ist zu danken für seinen Einsatz für die weithin unterdrückte Wahrheit und die Herausgabe der beiden Bücher.

Hans Jakob Bürger

Ildefons M. Fux OSB
Des Pilgers Heimkehr – Wie man einen Bischof zu Fall bringt II
Patrimonium-Verlag
ISBN: 978-3-86417-071-3
184 Seiten; 14,80 Euro

Ildefons M. Fux OSB
Victor qvia victima – Wie man einen Bischof zu Fall bringt
Patrimonium-Verlag
ISBN: 978-3-86417-040-9
134 Seiten; 12,80 Euro
Rezension bei kathnews am 30. September 2015

Quelle Kirchenzeitung:
Ein schwieriges Gedenken
Eine schwere historische Last

Foto: Wie man einen Bischof zu Fall bringt, Teil II – Bildquelle: Patrimonium-Verlag