Wachsam und bereit für die Ankunft des Herrn

Mystagogische Einführung und Homilie zum 1. Sonntag des Advents (Lesejahr B).
Erstellt von kathnews-Redaktion am 2. Dezember 2017 um 12:04 Uhr
Adventskranz

Mit Beginn des neuen Kirchenjahres veröffentlicht Kathnews jeden Samstag ein Modell einer mystagogischen Einführung in die Liturgie sowie eine Homilie zu den Schrifttexten des betreffenden Sonn- und Festtages gemäß der sogenannten ordentlichen Form des römischen Ritus.

Dr. Gero P. Weishaupt, Kirchenrechtler aus Aachen, verfaßt die mystagogischen Einführungen, Prof. Dr. Josef Spindelböck, Moraltheologe aus St. Pölten, schreibt die Homilien (www.StJosef.at).

Aufgabe einer mystagogischen Einführung ist es, die Gläubigen in wenigen Worten in das Geheimnis der liturgischen Feier einzuführen. Ausgangspunkt sind die Gebete des Sonn- und Festtages (Eröffnungsvers [Introitus], Tagesgebet, Gabengebet [Gebet zur Opferung], die Präfation und das Dank- bzw. Schlussgebet).  Die mystagogische Einführung, die fakultativ ist, wird in der Feier der heiligen Eucharistie im Allgemeinen vom Zelebranten selber gehalten. Sie kann aber auch ggf. von einem Konzelebranten, einem Diakon oder auch einem dafür geeigneten Laien vorgetragen werden.

Die Homilie ist eine Predigt in einer liturgischen Feier. In der Feier der heiligen Eucharistie ist die Homilie an Sonn- und Feiertagen obligatorisch (can. 767 § 2 CIC/1983). In der Messfeier kommt sie ausschließlich dem geweihten Amtsträger zu (Bischof, Priester, Diakon). „In ihr sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Texte der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie. „Als Bestandteil der Liturgie ist die Homilie nicht nur eine Unterweisung, sondern auch ein Akt der Verehrung (vgl. Homiletisches Direktorium, Nr. 4).

Mystagogische Einführung (Gero P. Weishaupt)

Die Kirche ist die  Braut, die Christus, ihren Bräutigam, erwartet. Sie geht „auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegen“ (Tagesgebet). Auf diesem Weg dürfen wir Christen uns nicht ableiten lassen und die Erinnerung an Christus verlieren. Die Ankunft Christi sollen wir mit Gebet und „Taten der Liebe“ (Tagesgebet) treu vorbereiten. Gerade deswegen empfangen wir in dieser Feier „das Sakrament des Lebens“ (Gabengebet), Christus. Er „zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche“ (Schlussgebet).

Homilie (Josef Spindelböck)

Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7;, 1 Kor 1,3-9;  Mk 13,24-37

Im Advent bereiten wir uns vor auf die Ankunft des Herrn. Es ist eine heilige Zeit, in der wir bei uns selber Einkehr halten sollen, um auf neue und tiefere Weise zu Gott zu finden. Es ist eine Zeit, in welcher wir auch unseren Mitmenschen in Liebe begegnen sollen, denn wir alle sind unterwegs auf dem Pilgerweg dieses irdischen Lebens, um einst das verheißene Erbe im Himmelreich zu erlangen.

Dieses Jahr sind es nur drei Wochen, die der Advent dauert, denn der 4. Adventsonntag ist zugleich der Heilige Abend. An uns liegt es, die Gnade dieser heiligen Zeit zu ergreifen. Lassen wir uns daher nicht zu sehr ablenken von den äußeren Dingen, von aller Geschäftigkeit und Geschäftemacherei, die den Blick für das Wesentliche eher verstellt als ermöglicht.

Worum aber geht es wirklich im Advent? Es ist eine Zeit der Umkehr, also der Abkehr vom Bösen und der Hinwendung zu Gott. Das Gebet – besonders des Rosenkranzes – und das Lesen der Heiligen Schrift sowie die Teilnahme an der heiligen Messe, aber auch adventliche Bräuche helfen uns dabei. Die Gottesmutter Maria und der heilige Josef begleiten uns durch ihre Fürbitte und ihr Beispiel; denn Advent ist wachsame und aufmerksame Erwartung des kommenden Heils, das uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus schenkt. Das hohe Fest der Geburt des Erlösers aus der Jungfrau Maria feiern wir zu Weihnachten; darauf bereiten wir uns vor, und zugleich ist der Advent Vorbereitung auf die letzte und entscheidende Begegnung mit Gott in unserer Sterbestunde, damit wir das ewige Heil in der Anschauung Gottes im Himmel empfangen.

In der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja wird uns heute am 1. Adventsonntag die Erlösungsbedürftigkeit der Menschheit ausdrucksstark vor Augen geführt. Das von Gott erwählte Volk Israel seufzt unter der Last seiner Sünden. All das Unglück, welches es von seinen Feinden erleidet, führt der Prophet Jesaja darauf zurück, dass die Menschen Gott verlassen und seinen Bund gebrochen haben. Was aber tut Gott? Er straft zwar, aber er tut dies nur, um zur Umkehr aufzurufen und zu heilen! Immer neu bietet er den treulos gewordenen Menschen seine Liebe an. Er schenkt einen neuen Anfang, sodass alle, die auf ihn hoffen und auf ihn vertrauen, das Leben in der Gemeinschaft mit Gott empfangen können. Gott wird „Vater“ genannt sowie „unser Erlöser von jeher“ (Jes 63,16b). Und all das ist eine Ermutigung zum unerschütterlichen Gottvertrauen, auch in Not und selbstverschuldetem Elend!

In der neutestamentlichen Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther wird klar ausgesprochen, wie Gott uns seine Liebe erweist. Er tut dies in seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus, den er zu uns gesandt hat. Diese Gnade des Erlösers ist bereits fruchtbar geworden. Der Apostel freut sich, dass die in Korinth lebenden Gläubigen in Christus reich geworden sind „an aller Rede und aller Erkenntnis“ (1 Kor 1,5). Gott möge das gute Werk vollenden, das er in uns begonnen hat, denn er ist treu.

Im Evangelium nach Markus geht es um die Wiederkunft Christi am Ende der Tage. Doch niemand kennt den Tag und die Stunde. Daher gilt es wachsam zu sein und die Zeichen der Zeit nicht zu übersehen. Die Menschen sind geschult in der Interpretation der Vorgänge in der Natur; sie können Verschiedenes voraussagen. Doch begreifen sie oft nicht, worum es im Leben wirklich geht. Allzu leicht lässt man sich ablenken vom Wesentlichen und befasst sich mit weniger wichtigen Dingen. Demgegenüber ruft uns der Herr im Evangelium dazu auf, dass wir uns vorbehaltlos Gott zuwenden und sein Reich im Glauben erwarten. Wir beten ja im Vaterunser um das Kommen dieses Reiches, und es ist bereits anfanghaft unter uns. Überall dort, wo Glaube, Hoffnung und Liebe Raum gewinnen, wo wir Gutes tun und uns einsetzen für das Wohl und Heil unserer Mitmenschen: überall dort wirkt Gottes Heiliger Geist, der unser Herz verwandelt und uns bereit macht für die endgültige Ankunft des Herrn!

Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria um ihre Fürbitte bei ihrem Sohn Jesus Christus! Er schenke uns ein waches und bereites Herz, das fähig ist, die Liebe Gottes ganz aufzunehmen, sorgsam zu hüten und zu bewahren und schließlich auch weiterzugeben an alle Menschen, mit denen verbunden sind. Dann wird uns der Herr, wenn er kommt, bestimmt nicht schlafend antreffen! Amen.

Foto: Adventskranz – Bildquelle: SolLuna/Wikipedia