Volksmissale 2017 in zweiter und dritter Auflage erschienen

Eine Buchvorstellung von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 10. Januar 2018 um 08:27 Uhr

Im Jahr 2015 hat die Priesterbruderschaft St. Petrus ein Laienmessbuch neu herausgebracht. In den 1990iger Jahren hatte der Verlag Herder das Schott-Messbuch in seiner Ausgabe von 1962 zweimal für die Petrusbruderschaft neu aufgelegt. Wohl auch wegen der durch das Motu Proprio Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007 rechtlich grundlegend veränderten Situation der überlieferten Römischen Liturgie in der Lateinischen Kirche entschloss man sich nun seitens der Petrusbruderschaft, nicht einfach ein vorkonziliares Schott-Messbuch unverändert nachzudrucken, sondern ein vollständig neu konzipiertes und übersetztes Buch zu erarbeiten und vorzulegen. Das bedeutet auch, dass man in mehrfacher Hinsicht wirklich von einem neuen Buch sprechen kann. Es steht zwar in der Tradition des Schott-Messbuchs, ist aber nicht einfach dessen Nachahmung.

Sein Bearbeiter und Herausgeber ist Pater Martin Ramm FSSP, der in der Schweizer Diözese Chur die Position eines Bischofsvikars „für die der außerordentlichen Form des Römischen Ritus verbundenen Gläubigen“ bekleidet und Pfarrer einer im Bistum errichteten Personalpfarrei dieses außerordentlichen Usus ist. Dieser schweizerische Kontext ist durchaus spürbar, wenn man weiß, dass das Laacher Volksmessbuch (erste Auflage 1927, letzte Auflage 1963), das eigentlich aus der deutschen Abtei Maria Laach stammte, aber im Verlag Benziger in Einsiedeln erschien, in der Schweiz sogar weithin stärker als der Schott verbreitet war. Nach seinem Bearbeiter Pater Urbanus Bomm OSB wurde es auch kurz der Bomm genannt. Kennt man diesen inhaltlich, entsteht der leichte Eindruck, dass Pater Ramm sich sogar mehr vom Bomm als vom Schott hat inspirieren lassen. Schott, Bomm und jetzt Ramm. Wie aber schon Bomm nicht einfach eine Bearbeitung des Schott vornehmen wollte (obwohl Pater Anselm Schott OSB 1894 die vierte Auflage seines Buches noch in Maria Laach redigiert hatte und dort 1896 gestorben und bestattet worden war), setzt auch Ramm einige signifikante Akzente, die, wenn man sie erkennt und wahrnimmt, einen echten Gewinn darstellen.

Am weitreichendsten war zweifelsohne die Entscheidung, nicht nur die Propriumsteile in eigener Übersetzung vorzulegen und neu einzuleiten, sondern auch die gesamten, gleichbleibenden Teile, den Ordo und vor allem den Messkanon, neu zu übersetzen. Das ist eine geradezu historische Leistung. Denn für den Wirkungsbereich der überlieferten Liturgie galt für diese feststehenden Texte im deutschsprachigen Raum seit 1929 eine sogenannte Einheitsübersetzung.

Nach fast neunzig Jahren schuf Pater Ramm hier also mit Mitbrüdern der Priesterbruderschaft St. Petrus eine neue Textversion, die sich nicht wieder als eine Art Einheitsübersetzung zu verstehen braucht und deshalb prinzipiell für ständige Verbesserungen offen ist. Das heißt nicht, von Auflage zu Auflage den Text immer wieder auf den Kopf zu stellen, ihn aber – auch aus der im Gebrauch im Gottesdienst erwachsenen Erfahrung heraus – altphilologisch mit fortgesetzter Sorgfalt nach seiner eigentlichen Bedeutung zu befragen und liturgisch-theologisch die Feinheiten und Nuancen seines Sinnes im Kontext des Kultus stets angemessener zu erschließen.

Eine solche Möglichkeit eröffnet sich natürlich erst und nur dann, wenn ein Druckwerk mehrere Auflagen erlebt, und deshalb ist es ein schönes Zeichen des Erfolgs, dass der Erstauflage von 2015 2017 gleich zwei weitere Auflagen gefolgt sind. Die zweite, überarbeitete und leicht erweiterte Auflage kam vor Pfingsten letzten Jahres heraus, im November schloss sich eine Großdruckausgabe an, die aber selbständig als dritte Auflage gezählt wird. Dies ist durchaus berechtigt, denn vollständig stimmt die Großdruckausgabe nicht mit der zweiten Auflage in Normaldruck überein. Die dritte Auflage bietet nämlich noch eine fast 80 Seiten starke, katechetisch-liturgische Einführung „Die Messe verstehen – die Messe lieben“, die in Zukunft hoffentlich auch in allen Normaldruckausgaben künftiger Auflagen zu finden sein wird.

Während Schott und Bomm in der Anlage ihrer Messbücher dem Aufbau des Missale Romanum gefolgt sind, wie es der Priester am Altare gebraucht, hat Pater Ramm sich entschlossen, die Anordnung leicht zu verändern. Im Altarmessbuch und in den bisherigen Laienmessbüchern finden wir den Block mit Ordo, Corpus Praefationum und Canon Missae eingeschoben zwischen die Liturgie des Karsamstags und diejenige des Ostersonntags. Ramm ordnet die Messformulare vom 1. Advent bis zum 24. und letzten Sonntag nach Pfingsten fortlaufend an, wohl aufgrund der Überlegung, dies erleichtere für die Gläubigen Übersichtlichkeit und Orientierung beim Benutzen des Volksmissale. Im Anschluss an dieses Temporale Missarum finden wir jetzt die gleichbleibenden Teile der Liturgie der heiligen Messe.

Was diesen Abschnitt des Buches betrifft, entgeht vielen vielleicht ein weiterer Akzent, den Ramm setzt: Wir wissen aus vortridentinischen Sakramentaren, dass, auch gekennzeichnet durch die Art der Anordnung, Präfation und Sanctus häufig nicht nur als Auftakt zum eucharistischen Hochgebet aufgefasst wurden, sondern als Bestandteil des Canons oder als Einheit mit ihm. Nur am Rande sei angemerkt, dass diese liturgiegeschichtliche Tatsache im Messbuch Pauls VI. dazu geführt hat, dass mit dem sogenannten IV. Hochgebet stets ein und dieselbe, feststehende Präfation verbunden ist. Interessant am Ramm ist nun, dass zwar der Beginn des Canon Missae in großen Lettern durch die Überschrift „Messkanon“ hervorgehoben ist, bereits aber vor der Präfation im Verlauf des Ritus beziehungsweise vor dem Corpus Praefationum „Wandlung“ (S. 16*) zu lesen ist, zusammen mit der Erläuterung: „Nun folgt das Herzstück der hl. Messe, die Konsekration der eucharistischen Gaben, die Wesensverwandlung von Brot und Wein. In ihr setzt Jesus selbst durch den Priester auf geheimnisvolle Weise sein Kreuzesopfer sakramental gegenwärtig, und die Kirche stellt es opfernd dem Vater vor. Diesem unfassbar großen Geheimnis wollen wir uns in großer Ehrfurcht nahen“ (ebd.).

Vor den Konsekrationsworten steht nochmals ausdrücklich „Verwandlung von Brot und Wein“ (S. 33*), aber in der gesamten Anlage wird deutlich, dass Ramm unterstreichen will, dass Präfation, Sanctus und Canon Missae eine Einheit bilden und dass das gesamte Hochgebet konsekratorisch ist. Das bedeutet nicht, die Wandlungsworte in ihrer Bedeutung herabzusetzen, sie sind jedoch, genauso wenig wie ein bestimmter Konsekrationsmoment, nicht isoliert zu betrachten , sondern bedürfen des Kontextes des Canon Missae. Tatsächlich ist es ja auch so, dass die Elevation der konsekrierten Gestalten hauptsächlich kein Darbringungsgestus ist (wie im Offertorium bei der Erhebung der eucharistischen Gaben), sondern ein Zeigegestus zur Anbetung. Die Elevation ist übrigens Eigengut der Liturgie der Westkirche und in diese auch erst allmählich im Verlaufe des Mittelalters eingegangen. Dass parallel dazu der Kelch mit dem kostbaren Blut, das man darin im Gegensatz zum Leib des Herrn nicht eigentlich sehen kann, zur Anbetung zeigend erhoben wird, wurde überhaupt erst im 15./16. Jahrhundert üblich und erst mit dem Messbuch Pius V. 1570 verbindlich.

In der in die dritte Auflage neu aufgenommenen Messerklärung wird in Abschnitt 10, „Der Messkanon“ ab Seite rot62 diese umfassende Auffassung vom konsekratorischen Charakter des gesamten Hochgebetes (und der inneren Zugehörigkeit von Präfation und Sanctus zu ihm) auch erkennbar, könnte aber noch deutlicher ausgesprochen sein. Sie verbindet Ramm übrigens mit einem Hauptanliegen Pater Odo Casels OSB, die Wandlungsworte – entsprechend dem vorreformatorischen Eucharistieverständnis der frühen Kirche und ungeteilten Christenheit – gegen den Vorwurf oder das Missverständnis einer magischen Zauberformel in Schutz zu nehmen und ins Gesamt des Hochgebetes eingebettet zu wissen. Das kam besonders im Bomm-Messbuch zum Tragen, das als das Laacher Volksmessbuch geradezu ganz und gar dem Liturgieverständnis Casels verpflichtet war.

So ist dem Volksmissale Pater Ramms auch in seiner zweiten und dritten Auflage weite Verbreitung zu wünschen, nicht zuletzt, damit bei künftigen Auflagen bald auch alle Exemplare im Normaldruck die sehr gelungene, neu hinzugekommene Messerklärung umfassen.

Volksmissale (1962),
Einfache Ausgabe, 1920 Seiten,
flexibler Umschlag aus schwarzem italienischen Rindsleder,
leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
17,5 x 12,5 x 3,5 cm
mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
2. Auflage, 2017
Preis: EUR 50,- zzgl. Versandkosten

Volksmissale (1962),
Großdruckausgabe, 2000 Seiten,
gebunden in schwarzes Rindsspaltleder,
leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
21,5 x 15 x 3,8 cm,
mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
3. Auflage, 2017
Preis: EUR 70,- zzgl. Versandkosten

Zur gewöhnlichen Ausgabe gibt es optional zusätzlich eine Reiß­verschluss­hülle aus Rindsleder.

Das Volksmissale ist erhältlich bei introibo.net

Foto: Volksmissale – Bildquelle: Priesterbruderschaft St. Petrus