„Victor quia victima. Wie man einen Bischof zu Fall bringt“

Eine Rezension von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 30. September 2015 um 19:27 Uhr

„Victor quia victima. Wie man einen Bischof zu Fall bringt“ klingt wie eine Anleitung zum Sturz eines Bischofs. Tatsächlich beschreibt das vorliegende Buch des Benediktinerpaters Dr. Ildefons M. Fux detailgenau die Vorgänge, die sowohl zu den Angriffen auf den Erzbischof von Wien, Hans Hermann Kardinal Groër, wie auch zu seinem Sturz, geführt haben. Mancher mag sich fragen, wieso dieses Buch jetzt geschrieben werden muss, nachdem zwanzig Jahre seit diesen Ereignissen vorübergegangen sind. Aber es sind gerade diese zurückliegenden zwanzig Jahre, die den Leser daran erinnern sollen, wie ein Bischof der römisch-katholischen Kirche aufgrund unbewiesener Anschuldigungen, vielmehr aber wegen seiner Festigkeit im Glauben und zur Lehre der Kirche, mundtot gemacht wurde.

Hans Hermann Kardinal Groër (geb. 13. Oktober 1919), ein Benediktinermönch, war ab dem 14. September 1986 Erzbischof von Wien. Ab dem 27. März 1995 verbreiteten österreichische Medien schwere Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn, die zunächst ein ehemaliger Schüler geäußert hatte. Von da an ging alles sehr schnell. Bereits am 14. September 1995 wurde sein „Rücktrittsgesuch“ von Rom angenommen und bestätigt. Kardinal Groër war erledigt. Die Feinde der Kirche jubelten.

Der lateinische Titel des Buches „Victor quia victima“ (Sieger weil Opfer), der dem deutschen Titel „Wie man einen Bischof zu Fall bringt“, geht auf den heiligen Augustinus zurück, der in seinen „Bekenntnissen“ davon spricht, dass der Hirte geschlagen wurde und doch Sieger geblieben ist. Rein menschlich gesprochen ist dies absurd. Doch was wissen wir? Dr. Ildefons Fux nähert sich den kommenden Ereignissen mit einer chronologischen Übersicht, um das Verständnis für die damaligen Ereignisse zu erleichtern. Noch bevor die Vorwürfe gegen den Kardinal am 27. März 1995 bekannt wurden, sagte er am 22. März:

„Sich verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen. Es tragen und Ihm nachtragen, solange man nicht vollkommen und verherrlicht ist. Man trägt es nicht irgendeinem Christus nach, sondern dem Lamm Gottes, das für die Sünden aller Menschen Sühne leistet. Wir sollen bestrebt sein, nicht nur selbst möglichst rein und heilig zu werden, sondern auch für die anderen; und alle tragen im Bewußtsein, dass Christus schon der Sieger ist!“

Kardinal Groër, der am 24. März 2003 in einem Krankenhaus in St. Pölten gestorben ist, wird zu allen Anschuldigungen in der Öffentlichkeit schweigen. Auch nachdem er wieder, nach seiner Amtszeit, als einfacher Mönch lebte, schwieg er. Welche Wahrheit ist es also, die wir glauben können? Dem geneigten Leser werden bei der Lektüre des Buches viele Namen begegnen von mehr oder weniger „bedeutenden“ Personen, die z. T. noch heute ein Amt in der Kirche haben und Macht ausüben.

Das Buch wird aber auch darum vom Rezensenten empfohlen, weil dargestellt wird wie verlogene Machenschaften und Druck der Medien in der Lage sind, der Menschen Meinungen zu bestimmen um vermeintliche Mehrheiten zu bilden.

Hans Jakob Bürger

Ildefons M. Fux OSB
Victor qvia victima – Wie man einen Bischof zu Fall bringt
134 Seiten, Softcover, 12,80 €
ISBN: 978-3-86417-040-9

Foto: Cover des Buches ‚Victor quia victima‘- Bildquelle: Patrimonium Verlag