Vatikanexperte Nersinger über die Causa Müller und die päpstliche „Spontanität“

Interview in der „Badische Zeitung“.
Erstellt von Felizitas Küble am 5. August 2017 um 23:58 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/CF). Die „Badische Zeitung“ (BZ) veröffentlichte am heutigen Samstag (5.8.) ein Interview mit Ulrich Nersinger, einem katholischen Buch-Autor, Theologen und Vatikanexperten. Unter dem Titel „Seine Spontanität ist mitunter kontraproduktiv“ äußert sich der 60-jährige Publizist auch zu der – im Ablauf sehr ungewöhnlichen – Entlassung von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation.

Auf die Frage von BZ-Redakteur Sebastian Kaiser, ob es sich hierbei um den Höhepunkt eines vatikanischen Machtkampfs handelt, sagt Nersinger, „natürlich“ habe es zwischen Papst und Müller Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten (z.B. eine „positive Sicht auf die Befreiungstheologie“). Ob die inhaltlichen Differenzen ausreichen, um das Ende von Müllers Amtszeit zu erklären, sei aber fraglich: „Man darf die Konflikte und Intrigen im Vatikan, die auf den Papst einwirken, nicht unterschätzen.“

Nersinger fügt – auch im Hinblick auf andere Entlassungen – hinzu: „Grundsätzlich sind die Personalentscheidungen des Papstes von sehr harten Schnitten gekennzeichnet – obwohl er doch eigentlich für Barmherzigkeit steht.“ – Der Theologe erinnert sodann an die „Spontanität“ von Franziskus, die zu seinen „charakteristischen Wesenszügen“ zähle. Zugleich sei sowohl in der Öffentlichkeit wie innerhalb der Kirche die „Betrachtung“ dieses Pontifikats in eine „neue Phase“ getreten und offenbar kritischer geworden: „Man fragt sich, was dieser Papst möchte und was er überhaupt durchsetzen kann. Nicht alles ist offenbar so einfach, wie es sich Franziskus ursprünglich gedacht hat.“

Am gestrigen Freitag (4.8.) erschien in der linksgerichteten „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) ein gegen Kardinal Müller gerichteter Online-Artikel mit den in diesen Kreisen üblichen Seitenhieben gegen den Ex-Glaubenspräfekten und früheren Oberhirten von Regensburg. Wenig erstaunlich, daß sich die von der SZ zitierte Initiative „Wir sind Kirche“ – für ihre „progressiven“ Ansichten seit langem bekannt – intensiv über Kardinal Müller beschwert.

Interessant freilich auch, was die SZ im nächsten Absatz einräumt: „Wer die Geistlichen im Bistum fragt, hört dagegen nur Nettes über Müller. „Ich habe den Eindruck, dass sich alle freuen“ auf seinen Besuch, sagt Walter Karger, Diakon in Donaustauf. Für Karger war Müller immer „wie ein Bischof von nebenan, mit dem man gern am Tisch sitzt“.

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. Bürger, kathnews