Vatikan stellt die kommende Synode zur Ehe- und Familienpastoral vor

Wahrscheinlich keine „Praepositiones" (Vorschläge), sondern ein Vorbereitungsdokument für die folgende Synode 2015.
Erstellt von Radio Vatikan am 4. Oktober 2014 um 09:59 Uhr
Petersdom

Vatikan (kathnews/RV). Papst Franziskus will mit den anstehenden Synoden zum Thema Familie einen „innovativen und authentischen synodalen Weg“ gehen. Das sagte der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, an diesem Freitag bei einer Pressekonferenz zu den Besonderheiten und Abläufen der Versammlung.

Dass Papst Franziskus Fragen rund um die Familie aktuell als „besonders dringlich“ ansieht, zeige unter anderem die Form der Außerordentlichen Generalversammlung, die recht kurzfristig einberufen werden kann, so Kardinal Baldisseri: Das Thema der Familiensynode war in der Tat erst im Februar bei einem Konsistorium im Vatikan bekanntgegeben worden. Um das Thema gründlich und längerfristig bearbeiten zu können, seien zwei Versammlungen einberufen, so der Kardinal, sowohl die außerordentliche Versammlung in diesem Jahr als auch die ordentliche Versammlung im kommenden Jahr.

Dass es dabei inhaltlich um die Vielfalt im Bereich der Ehe und Familie geht, zeigt die internationale Zusammensetzung der Teilnehmer und die Einladung von Laien als Experten und Hörern: Von den insgesamt 191 Synodenvätern kommen 42 aus Afrika, 38 aus Amerika, 29 aus Asien, 78 aus Europa und vier aus Ozeanien. Davon wurden insgesamt 26 Teilnehmer durch päpstliche Ernennung und drei durch Wahl zur Synode geladen. Insgesamt zwölf Teilnehmer sind verheiratet beziehungsweise Eltern und können so aus erster Hand Erfahrungen aus Ehe und Familie einbringen.

Außerdem fließen in die Arbeiten der Synodenväter die Ergebnisse des Vatikan-Fragebogens zum Thema ein, der über die nationalen Bischofskonferenzen im Vorfeld der Synode verbreitet wurde, erinnerte Kardinal Baldisseri weiter: Seelsorger, Ordensleute, Laien und verschiedene kirchliche Bewegungen brächten darin ihre Sicht auf die Familie und deren Herausforderungen heute zum Ausdruck. Durch dieses Instrument hätten vielfältige Aspekte des Themas in den einzelnen Gemeinden eingebracht werden können, lobte Baldisseri.

Der Sekretär der Bischofssynode sieht in der überwältigenden Teilnahme an dieser Umfrage ein Indiz für „Freimut“ und Offenheit, mit der heute auch kontroverse Seiten des Themas angesprochen werden. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass dieses Mitteilungsbedürfnis auch innerhalb der synodalen Arbeiten konstruktiv eingebaut werde. Baldissseri: „Diese große Meinungsfreiheit wird auch die synodale Generalversammlung charakterisieren, die sich sicher in einem Klima des Respektes gegenüber jeder Position, der gegenseitigen Barmherzigkeit und mit einem authentischen konstruktiven Sinn abspielen wird.“

Ein Dokument für die nächste Synodenversammlung

In seinem Statement deutete Kardinal Baldisseri auch an, wie es nach der Versammlung weiter gehen könnte. Normalerweise werden so genannte Propositiones, Vorschläge, erstellt, die dann dem Papst übergeben werden. Für das Vorgehen dieser Versammlung denke man aber daran, einen einzigen Text und nicht verschiedene Vorschläge zu erstellen, der dann als Vorbereitungsdokument für die kommende Versammlung der Synode im Oktober 2015 dienen könne.

Der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, hatte gegenüber der italienischen Presse in dieser Woche noch Medienberichte über einen Grabenkrieg der Synodenväter um Einzelfragen zurückgewiesen. Kardinal Baldisseri rief die Synodenväter dazu auf, bei der Synode frei heraus zu sprechen: „Es ist wichtig, sich klar und mutig zu äußern. Das eigene Denken mitzuteilen zeigt die Qualität des Menschen und macht ihn verantwortlich vor Gott und den Menschen. Innerhalb eines Klimas der Gelassenheit und der Ehrlichkeit sind die Teilnehmer dazu gerufen, nicht ihren eigenen Standpunkt als exklusiv darzustellen, sondern zusammen nach der Wahrheit zu suchen.“

Kardinal Baldisseri stellte an diesem Freitag auch kleine Abänderungen im Arbeitsablauf und bei der Methodik der Synode vor. So seien die Synodenväter dazu aufgerufen, ihre Redebeiträge und die Themen derselben vorab einzureichen. Bei der Versammlung selbst sollten sie dann frei sprechen, jeweils vier Minuten lang. Bei den Debatten folge man thematisch der Reihenfolge, die im Arbeitsinstrument zur Synode vorgeschlagen sei, ergänzte der Kardinal weiter. Dabei geht es einerseits um eine Rekapitulation lehramtlicher Festlegungen, um danach zu aktuellen und praktischen Herausforderungen der Familie zu gelangen. Die Einzelfragen würden dann in der zweiten Synodenwoche wie üblich in den einzelnen Arbeitsgruppen – den nach Sprachgruppen aufgeteilten „circoli minores“ – behandelt, referierte Baldisseri weiter. Die Ergebnisse gingen dann in das Abschlussdokument der Synode ein, das dem Papst übergeben werde.

Weiter gab der Kardinal bekannt, dass es jeden Tag ein Pressebriefing geben werde, an dem einige Synodenväter teilnähmen. Auch den Kurznachrichtendienst Twitter wolle man nutzen, um „in Echtzeit“ Neuigkeiten zur Synode zu verbreiten.

Auftakt und Abschluss ist eine Papstmesse im Petersdom

Auftakt der Dritten Außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode ist am kommenden Sonntag eine Papstmesse im Petersdom, Radio Vatikan überträgt live mit deutschem Kommentar. Die eigentlichen Arbeiten der Synode beginnen dann am Montag. Dauer und Teilnehmerzahl der Außerordentlichen Generalversammlung sind im Vergleich zu einer Ordentlichen Generalversammlung reduziert: Anwesend sind nur die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, und die Arbeiten dauern nur zwei Wochen. Abschluss der Sitzungen, die unter dem Titel „Pastorale Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ für zwei Wochen im Vatikan stattfinden, ist eine weitere Papstmesse in der Petersbasilika am 19. Oktober. Bei der Abschlussmesse spricht Franziskus zugleich den Konzilspapst Paul VI. selig. Paul VI. ist der Begründer der Bischofssynode als ständiger Einrichtung.

Foto: Petersdom – Bildquelle: Radomil, CC