Unter Deinen Schutz und Schirm – Gedanken zum Marienmonat Mai

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 3. Mai 2019 um 23:59 Uhr
Hl. Gottesmutter Maria

Das älteste, außerbiblische Mariengebet reicht in seinen ersten Zeilen bis ins 3. Jahrhundert nach Christi Geburt zurück. Es lautet: „Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren, o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin: versöhn‘ uns mit Deinem Sohne, empfiehl uns Deinem Sohne, stell‘ uns vor Deinem Sohne.“

Dieses volkstümliche Gebet, das zugleich von der Liturgie der Kirche als marianische Antiphon benutzt wird, stellt schön und bündig die Würde und Aufgaben dar, die der Glaube der Kirche und die aus ihm geformte Frömmigkeit seit alters in Maria verehrt. Die Grundlage der Vorzüge und besonderen Stellung der Mariengestalt liegt darin, Gottesgebärerin zu sein. Dieser Ausdruck wirkt altertümlich und wird in neueren Fassungen auch einfach mit dem der Gottesmutter gleichgesetzt, obschon er damit nicht gleichbedeutend ist.

Man kann beispielsweise eine Frau als die Mutter des Bürgermeisters bezeichnen, könnte sie aber nicht als Gebärerin des Bürgermeisters ansprechen, da er nicht als Bürgermeister geboren wurde. Sagt man also Gottesgebärerin, will man damit bekennen, dass Christus vom ersten Anfang seiner Existenz im Schoße Mariens und von Geburt an wahrer Gott war und nicht etwa zu irgendeinem späteren Zeitpunkt in seinem irdischen Leben oder gar erst in seiner Verherrlichung vergöttlicht wurde.

Maria ist sodann Zuflucht in unseren Nöten, in denen sie uns beisteht und aus denen sie uns befreit. Sie ist die glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, also nicht selbst Quelle oder Ursprung von Ehre und Verherrlichung, sondern der Glorie und Verherrlichung würdig. Das Gebet nennt sie auch seit altersher Frau. Dies sollten jene bedenken, die im Ave Maria die Formulierung „unter den Weibern“ für unentbehrlich halten und trotz der inzwischen längst ansonsten durchgehend abwertenden Benutzung des Wortes Weib meinen, mit „unter den Frauen“ werde die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens geleugnet oder wenigstens in Frage gestellt.

Als unsere Frau, Mittlerin und Fürsprecherin vollzieht Maria den Dreischritt, uns mit dem Sohne zu versöhnen, uns ihm zu empfehlen und uns ihm vorzustellen. Man spürt die Steigerung, die ausgedrückt wird: Durch Maria nähern wir uns Jesus und gelangen zu ihm.

Nicht ganz so bekannt sind die Versikel und die Oration, die dem Sub tuum praesidium angeschlossen werden können. Letztere setzt Maria in eine gewisse Parallelität zu Christus. Wie dieser Mittler zum Vater ist, hat er Maria uns zur Mittlerin bei sich, dem Sohne, gegeben.

Das ist der Sinn und die Richtung kirchlicher Marienverehrung, Das altehrwürdige Gebet hält auch deren Grenze und Maß ein. Seine Nähe zu den sich entfaltenden, frühen mariologischen Dogmen vermeidet Verzerrungen und Übertreibung.

So ist das Unter Deinen Schutz und Schirm ein gutes Vorbild und Muster für unser Vertrauen und unsere Andacht gegenüber der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria. Grundsätzlich, aber ganz besonders in diesem Monat Mai, der mit seiner Üppigkeit und Blütenpracht Abbild der Gnadenfülle Mariens und deswegen ihrer Verehrung speziell geweiht ist: Maria, Maienkönigin, Dich will der Mai begrüßen!

Foto: Hl. Gottesmutter Maria – Bildquelle: Kathnews