Sie hat in den armen Kindern der Straße das göttliche Kind Jesus erkannt

Am kommenden Samstag wird die Aachener Ordensgründerin Clara Frey im Aachener Dom seliggesprochen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 2. Mai 2018 um 11:18 Uhr
Aachener Dom

Von Gero P. Weishaupt

Aachen (kathnews). Mit dem technischen Fortschritt durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert ging auch eine große Armut, bedingt durch Arbeitslosigkeit, einher. Das war in Aachen nicht anders als in anderen Städten. Auf den Straßen der Kaiserstadt sah man zahllose Kinder in hageren Gestalten und zerlumpten Kleidern.

Clara Fey, Tochter wohlhabender Aachener Tuchfabrikanten, geboren am 11. April 1815, erlebte im Alter von 15 Jahren Aufstände von Arbeitern, Zusammenbrüchen von Familien und Kinderprostitution. Sie nahm sich der Kinder an. Mit 22 Jahren gewinnt sie Mitstreiterinnen. Die Frauen speisten die Kinder, lernten sie lesen, schreiben, rechnen und Handarbeit . Später gründeten sie ein Waisenhaus, in denen Kinder in Not mit den jungen Frauen zusammenlebten. In den verelenden Kindern auf den Straßen Aachens erkannten Clara Fey und ihre Helferinnen das göttliche Kind Jesu. Im Laufe der Jahre zog die Gemeinschaft immer mehr Frauen an.

Am 2. Februar 1844 gründete die Aachenerin die „Kongregation der Schwestern vom Armen Kinde Jesus“, der 1852 schon 85 Schwestern angehörten Es folgten Gründungen in anderen Städten. Im Zuge des preußische Kulturkampfes (Otto von Bismarck war als Regierungsreferendar Preußens 1836/37 in Aachen, das damals zu Preußen gehörte) haben die Schwestern den Gründungsort Aachen verlassen und sind nach Simpelveld, einem kleinen Ort in der niederländischen Provinz Limburg unweit der  deutsch-niederländischen Grenzen, gezogen. Von Simpelveld aus folgten Gründungen u.a. in Österreich, Ungarn, Mähren, Luxemburg, Belgien, Frankreich und England. Nach dem Ende des Kulturkampfes kehrten  einige der Schwestern aus Simpelveld nach Aachen zurück, wo sich das Mutterhaus der Kongregation im Zentrum der Kaiserstadt unweit des Aachener Domes in der Jakobstraße befindet. Clara Fey blieb jedoch in Simpelveld, wo sie am 8. Mai 1894 stirbt und bis 2012 ihre Ruhestätte hatte .1916 wurde ihr Seligsprechungsprozess in Gang gesetzt, 2012  ihr Sarg feierlich in den Aachener Dom überführt.

Am kommenden Samstag, dem 5. Mai, wird Clara Fey  vom Präfekten der Römischen Kongregation für die Heilig- und Seligsprechungen im Aachener Dom seliggesprochen. Am Sonntag, dem 6. Mai 2018, werden ihre Gebeine aus der Bischofsgruft im Aachener Dom in einer feierlichen Prozession in die Kind-Jesu-Kapelle im Generalat und Mutterhaus der Kongregation an der Aachener Jakobstraße überführt. Dort findet Clara Fey  140 Jahren nach ihrer Ausweisung im Zuge des Kulturkampfes ihre letzte Ruhestätte.

Unter dem Motto „Manete in me“ („Bleibt in mir“) aus dem Johannesevangelium üben heute noch rund 450 Schwestern der Kongregation  in Kindergärten, Grund- und Realschulen, Gymnasien, in Katechese, Gemeinde- und Familienpastoral, bei Immigranten, Arbeits- und Obdachlosen, in Gesundheitszentren und Armenküchen ihr Apostolat im Geiste und im Sinne der Ordengründerin aus.

Foto: Nordseite des Aachener Domes – Bildquelle: Lokilech