Sei uns willkommen, Herre Christ

Das älteste Weihnachtslied in deutscher Sprache entstand vor mehr als 600  Jahren in Aachen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. Dezember 2018 um 12:45 Uhr
Jesuskind in der Krippe

Aachen (kathnews). Das 1818 zum ersten Mal in der Kirche von Oberndorf in Salzburg gesungene „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist zweifellos das bekannteste Weihnachtslied deutscher Sprache. Es wurde in viele Sprache übersetzt und erfreut sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit. Wen ergreift nicht die wundervolle Melodie und der Text dieses Liedes? Wenn es am  Ende der Christmette gesungen wird, spürt ein jeder in seinem Herzen: Jetzt ist  Weihnachten.

Das älteste Weihnachtslied deutscher Sprache

Weniger bekannt, aber darum älter als das Salzburger Weihnachtslied ist das Aachener Weihnachtslied „Sei uns willkommen, Herre Christ“. August Heinrich Hoffman von Fallersleben datierte es auf das 11. Jahrhundert. Die Forscher gehen allerdings heute davon aus,  dass es vermutlich seinen Ursprung im 14. Jahrhundert hatte. Damit ist das Aachener Weihnachtslied das älteste im deutschsprachigen Raum. Noch heute wird es in Aachen gesungen.  Berthold Botzet, Domkapellmeister des auch ältesten Knabenchors im deutschsprachigen Raum – der Aachener Domchor geht als Institution auf die Schola Palatina Karls des Großen zurück, die sein „Kulturminister“, der aus dem englischen York stammende Alkuin, am Aachener Hof um 800 gegründet hat -, sagte: „Wir singen dieses Lied immer noch, wie es geschichtlich dokumentiert ist, in der Christmette. Wir singen es nach alter Vorlage.“

Die Gläubigen heißen Gott, der Mensch geworden ist, willkommen

„Sys willekomen heire kerst“, so heißt es in seiner in einer Erfurter Handschrift von 1394. „Nach einer liturgischen Anweisung aus der Mitte des 14. Jh. für den Gottesdienst in der Aachener Münsterkirche ist der Ablauf folgender: Vor der Weihnachtsmesse las der Zelebrant (sacerdos canonicus) den Stammbaum Jesu (Liber generationis) aus dem Matthäusevangelium vor. Assistiert wurde er von einem Subdiakon und einem Diakon. Danach sang man in der damals in Aachen gebräuchlichen niederfränkischen Mundart das Aachener Weihnachtslied. Es folgen das ‚Te deum laudamus‘ und danach die erste Weihnachtsmesse. Nach einer anderen Überlieferung versammelten sich die ‚Herrn Schöffen auf ihrer Gerichtsstube, gingen dann in die Münsterkirche, wo sie die Chorstühle der rechten Seite einnahmen. Nach dem Evangelium stimmte der Schöffen Meister‘ das Lied an, ‚welches vom Chor fortgesungen wurde‘. Schöffen waren Aachener Bürger, die im Rahmen der allgemeinen Gerichtsbarkeit tätig waren. Das Lied ist nach dieser Tradition bekannt geworden als Aachener Schöffenlied“, erklärt Lothar Stresius („Das Aachener Weihnachtslied“).

Im Aachener Dom wird es in der Mitternachtsmesse des Heiligen Abends vom Knabenchor zunächst auf Mittelhochdeutsch gesungen. Danach singt es der Herrenchor in der hochdeutschen Fassung. Diese Tradition besteht sei 600 Jahren.

Erhaltenswertes Liedgut

Leider sucht man das älteste Weihnachtslied im deutschsprachigen Raum im Gotteslob von 2013 vergeblich. Aachens Domkapellmeister Berthold Botzet bedauert dies. Und das zurecht. Geht doch damit ein ganz besonderes und erhaltenswertes deutsches Liedgut verloren. Im Eigenteil des Bistums Aachen sind noch zwei Varianten aus einem flämischen Gesangbuch von 1638.

Mit dem Aachener Weihnachtslied begrüßt die gläubige Gemeinde am Heiligen Abend in der Christmette den Mensch gewordenen Sohn Gottes, den Herrn aller Menschen,  in ihrer Mitte. Hier und da besteht daher auch der Brauch, das Lied unmittelbar nach de Wandlung zu singen. Denn die Wandlung in der Eucharistiefeier ist der Augenblick der Menschwerdung Gottes in unserer Zeit. Wir knien wir vor dem, der zu uns (auf dem Altar) gekommen ist und grüßen ihn: „Nun sei uns willkommen, Herre, Christi“ und mit den Hirten und den  himmlischen Heerscharen beten ihn an: „Venite, adoremus“ – Kommt, lasset uns anbeten.

 

Sei uns willkommen, Here Christ,

weil du unser aller Here bist,

sei uns willkommen, lieber Here,

hier auf der Erde also schone.

Kyrieleis.

 

Sys willlekomen heirre kerst,

want du onser alre heirre bis,

sys willekomen, lieve heirre,

her en  ertrische also schone.

Kirieleys

(Erfurter Handschrift von 1394).

Foto: Christkind in der Krieppe – Bildquelle: C. Steindorf, kathnews