Seht, ich verkünde euch eine große Freude!

Mystagogische Einführung und Homilie zum Hochfest der Geburt des Herrn (Christmette; ordentliche Form des Römischen Ritus).
Erstellt von kathnews-Redaktion am 24. Dezember 2017 um 12:00 Uhr
Stern in der Geburtskirche

Aufgabe einer mystagogischen Einführung ist es, die Gläubigen in wenigen Worten in das Geheimnis der liturgischen Feier einzuführen. Ausgangspunkt sind die Gebete des Sonn- und Festtages.

In der Homilie „ sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Schriften der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie.

Mystagogische Einführung (Gero P. Weishaupt)

In dieser nächtlichen Stunde führt uns die Liturgie der Kirche mit Psalm 2 des Eröffnungsverses in die Ewigkeit hinein: „Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt“.  Der Sohn Gottes nahm seinen Anfang beim Vater im Himmel. In dieser Stunde wird er geboren auf Erden in dieser liturgischen Feier.  Er ist für uns das „wahre Licht“, das in der dunklen Erdennacht in der Hülle unserer menschlichen Natur „aufstrahlt“, damit wir einst in der Ewigkeit „in unverhülltem Glanz (seine) Herrlichkeit schauen“ (Tagesgebet).

Im Sakrament des Altares empfangen wir das „Wort“, das beim Vater war und „Fleisch geworden ist“ (Kommunionvers). Es entflamme in uns „die Liebe … zu dem, was kein Auge geschaut hat (1. Weihnachtspräfation).

Homilie (Josef Spindelböck)         

L1: Jes 9,1-6; L2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14

So wie jedes Jahr um jene Zeit lagerten auch diesmal wieder Hirten auf freiem Feld in der Nähe der Stadt Bethlehem. Es waren schlichte und einfache, zugleich aber auch redliche und gottesfürchtige Leute, die hier bei ihren Schafen Wache hielten. Vom gesellschaftlichen und politischen Leben in der nahen Stadt bzw. gar in Jerusalem und in der Weltgeschichte bekamen sie nicht allzu viel mit, und wenn, dann änderte die Kenntnis dieser Dinge wohl kaum den Ablauf ihrer täglichen Aufgaben und Verrichtungen.

Die gesellschaftlich Höhergestellten und die religiös maßgebenden Kreise in Judäa hatten mit den einfachen Hirten vom Feld nicht viel gemein. Sollten sie einmal einem Hirten begegnen, so zeigten sie diesem, dass sie selber Leute von Stand und Ansehen waren. Die Hirten hingegen gehörten zu den Geringen, denen man nicht viel Achtung entgegenbrachte. Dabei wurde oft vergessen, dass gerade der berühmte und hochangesehene König David als Sohn des Isai von Gott erwählt wurde und – wie es in Psalm 78,70 heißt – „von den Hürden der Schafe, von den Muttertiefen“ hinweggeholt und fortgenommen wurde, um künftig der königliche Anführer seines Volkes zu sein, damit er also „sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel.“ (Ps 78,71)

Bethlehem war die Davidsstadt, und die Hirten rund um Bethlehem hatten sich ein Bewusstsein jener Würde bewahrt, die sie mit König David verband. Mochten auch die höhergestellten Leute und die religiöse und politische Elite mit Geringschätzung auf sie herabschauen: sie selber wussten in ihrem Herzen, dass Gott gerade die Armen und Geringen liebt und sie erwählt! In dieser Hoffnung erwarteten sie auch den verheißenen Retter, den Messias.

Und doch war dann jene Erfahrung, jenes Ereignis etwas ganz Besonders, als mitten in der Nacht plötzlich vom Himmel her ein helles Licht zu sehen war und sich dann der Himmel gleichsam öffnete für diese armen und einfachen Hirten auf dem Feld von Bethlehem: Ausgerechnet sie wurden von Gott durch seine Engel als erste über das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte informiert. Die Botschaft von der Geburt des Erlösers, des Friedensfürsten, des himmlischen Königs drang nicht zuerst zum Hof des Herodes und zu den Hohenpriestern und Schriftgelehrten. Nein: es waren diese Menschen am Rande der Gesellschaft, die von vielen übersehen wurden und die selbst nicht einbezogen waren in den Lauf der Geschichte, denen sich Gott auf besondere Weise offenbarte.

Die frohe Botschaft der Engel lautete: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2,11) Beachten wir den Wortlaut: Der Engel sagt ausdrücklich: „euch“ ist dieser Retter geboren, also für euch, für euch Hirten ist Gott als ewiger Hirte vom Himmel herabgestiegen und sendet seinen Sohn, der als kleines Kind geboren ist und den die Hirten, in Windeln gewickelt, in einer Krippe finden werden.

Sie sollten sich aufmachen und das Kind suchen; als erste Adressaten jener „großen Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“ (Lk 2,10), brauchen sie sich nicht mehr zu fürchten. Der menschgewordene Sohn Gottes, der Erlöser, begegnet den Hirten gleichsam auf derselben Ebene: in Armut und Demut, nicht von oben herab als Herrscher, sondern als hilfsbedürftiges Kind. Nur so wagen sie es, ihn aufzusuchen und ihm zu nahen. Ihr tiefer Glaube, ihre unerschütterliche Hoffnung und ihre innige Liebe führen sie hin zum Kind im Stall von Bethlehem.

Anbetend werfen sie sich nieder und verharren ehrfürchtig im Staunen und Schweigen, erfüllt von tiefer Freude!

Dürfen wir die Worte der Engel auch auf uns beziehen? Sind auch wir angesprochen? Sind auch wir gemeint mit der frohen Botschaft, dass heute „in der Stadt Davids der Retter geboren“ ist, Christus, der Herr? Ist er auch „für uns“ geboren?

Ja, bestimmt! Und dies gilt vor allem dann, wenn wir selber das Kind in der Krippe aufsuchen wollen. Es weist niemanden zurück, der zu ihm kommt. Nur die wenigsten Menschen hätten den Mut, direkt vor Gott hinzutreten, denn jeder von uns weiß, wie schwach und unvollkommen wir sind. Wer vermag es, sich Gott zu nahen, der erhaben und in gewisser Weise furchterregend ist? Aber nein: Gott selbst kommt uns entgegen; er wird Mensch; er begegnet uns als kleines Kind im Stall von Bethlehem, damit wir alle Angst und allen Schrecken verlieren und uns Gott nahen.

Dem Kind in der Krippe dürfen wir uns anvertrauen; ihm können wir unser Herz öffnen und ihm alle unsere Liebe schenken.

Was aber dann geschieht, ist ein Geheimnis der Liebe! Denn Gott lässt jene armen Hirten – zu denen auch wir uns zählen dürfen – nicht leer zurückgehen. Er beschenkt sie mit dem ganzen Reichtum seiner Gnade. Die Freude ist übergroß; was sie in jener stillen und heiligen Nacht erlebt haben, wird sie für immer prägen und begleiten.

Nehmen auch wir die Freude über die Geburt des Erlösers mit auch in unsere Häuser und Familien. Das Friedenslicht von Bethlehem ist ein Zeichen dafür, dass diese Freude sich ausbreitet und die Dunkelheit der Nacht erleuchtet mit dem Licht der Hoffnung. So möge der Friede herrschen, den Christus gebracht hat, der Erlöser der Welt! Amen. (Quelle: www.stjosef.at)

Foto: Stern in der Geburtskirche – Bildquelle: Michael Hesemann