Sechs Jahre Papst Franziskus

Ein Beitrag von P. Thomas Achatz ISPN.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 17. März 2019 um 19:17 Uhr
Papst Franziskus

Am 13. März 2019 jährte es sich zum sechsten Mal, daß der Erzbischof von Buenes Aires Jorge Mario Kardinal Bergoglio zum 266. Bischof von Rom gewählt wurde. Erstmals seit der Antike gibt es seither einen Nichteuropäer auf dem Stuhl Petri, erstmals überhaupt einen Jesuiten und Träger des Namens Franziskus als Papst und erstmals seit rund 600 Jahren einen Papst, dessen Vorgänger noch lebt. Beim hinzutreten weiterer Päpste desselben Namens wird man ihn Franziskus I. nennen – entsprechend jener Tradition der Benennung, die nur von Johannes Paul I. (1978) unterbrochen wurde. Überwog 2013 in den Medien noch das Wohlwollen gegenüber dem neuen Pontifex Maximus, so steht gegenwärtig in der öffentlichen Wahrnehmung eher das Mißbrauchsthema im Vordergrund und es kommen auch kritische Stimmen zu Wort. Einige Stichpunkte mögen in Erinnerung rufen, welche Ergebnisse dieses Pontifikat für die katholische Kirche bisher erbracht hat:

– Die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo wurde zum Museum umgewidmet.
– Historisch erstmalig waren die Begegnung eines Papstes mit dem russisch-orthodoxen Patriarch von Moskau und die Reise auf die Arabische Halbinsel. Die Papstmesse in Manila 2015 war mit sieben Millionen Gläubigen der teilnehmerstärkste christliche Gottesdienst aller Zeiten.
– Verheiratete Diakone der katholischen Ostkirchen werden auch außerhalb ihrer Stammländer nicht mehr auf dem Dispensweg, sondern auf dem Gesetzesweg zu Priestern geweiht und dürfen wie bisher nach der Weihe keine Ehe mehr eingehen.
– Die Titel „Päpstlicher Ehrenprälat“ und „Apostolischer Protonotar supra numerum“ werden nicht mehr neu vergeben. Als „Prälat“ und „Hochwürdigster Herr“ werden langfristig wie ursprünglich nur noch Mitglieder der kirchlichen Hierarchie angesprochen und sofern diese Dignitäre sind auch nach deren Emeritierung. Zum „Päpstlichen Ehrenkaplan“ können verdiente Priester, die nicht Mitglied eines Ordensinstitutes oder einer Gesellschaft des apostolischen Lebens sind, ab 65 Jahren oder nach 10 Jahren Vatikantätigkeit ernannt werden, wobei im Klerus einer Diözese maximal 10 % einen Monsignoretitel haben dürfen.
– Höhere Prälaten emeritieren nicht mehr automatisch mit 75, sondern wie die Diözesanbischöfe nach Annahme ihres Rücktrittsgesuches durch den Papst. Dieser behält sich das Recht vor, Bischöfe und höhere Würdenträger jederzeit ohne Angabe von Gründen abzuberufen.
– Nach dem Protokoll des päpstlichen Hauses werden auch nicht gültig verheiratete Partner von Staatsoberhäuptern vom Papst empfangen. Die päpstlichen Kleidungsstücke werden nicht vollumfänglich benutzt. Die Kniebeuge vor dem Heiligen Vater ist unerwünscht.
– Das Motu Proprio Mitis Iudex Dominus Iesus enthält die bisher weitreichendsten Veränderungen an dem seit 1983 geltenden Kirchenrechtskodex. Bei Eheannunllierungsverfahren entfällt die Gegenprüfung in Form einer verpflichtenden zweitinstanzlichen Gerichtsuntersuchung. Bei offenkundiger Ehenichtigkeit kann der Diözesanbischof selbst als oberster Kirchenrichter der Diözese tätig werden und sich dabei eines verkürzten Verfahrens bedienen.
– Die Canones im kirchlichen Eherecht des CIC, die sinngemäß mit dem orientalischen Codex übereinstimmen, wurden im Wortlaut an den in den katholischen Ostkirchen geltenden CCEO angepaßt. Katholiken, die einer orientalischen Kirche angehören, können künftig nicht mehr von einem Diakon, sondern nur noch von einem Priester gültig getraut werden.
– Im nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia betont der Papst Aspekte der Moraltheologie, die ungültig Wiederverheirateten entgegenkommen sollen. Die Rechtslage, wonach niemand zum Kommunionempfang zugelassen wird, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, hat sich jedoch nicht verändert.
– Die Enzyklika „Laudatio si“ fügt die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung in die katholische Soziallehre ein.
– 2016 beging die Kirche anläßlich des 50jährigen Jubiläums der feierlichen Schließung des Zweiten Vatikanischen Konzils ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit. Seither können Missionare der Barmherzigkeit im Forum internum von nicht festgestellten Exkommunikationen aufgrund besonders schwerwiegender Sünden lossprechen, deren Absolution ansonsten dem Heiligen Stuhl mittels der Apostolischen Pönitentiarie vorbehalten ist (Hostienfrevel, Bruch des Beichtgeheimnisses, Absolution eines Mitschuldigen gegen das 6. Gebot, tätlicher Angriff auf den Papst, Bischofsweihe ohne päpstliches Mandat). Alle Beichtväter haben seither die ordentliche Vollmacht von der Exkommunikation wegen Abtreibung zu absolvieren.
– Die Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. erhalten durch päpstliche Anordnung die Vollmacht in der Beichte gültig von den Sünden loszusprechen. Von ihnen eingesegnete Ehen erhalten ihre Gültigkeit durch die nachfolgende Eintragung in die diözesanen Register.
– Die päpstliche Kommission Ecclesia Dei ist aufgelöst und die Zuständigkeit für die Priesterbruderschaft St. Pius X., für Fragen bezüglich der außerordentliche Form des römischen Ritus und der dafür errichteten Gemeinschaften ist an die Kongregation für die Glaubenslehre übertragen.
– Aus Behördenzusammenlegungen entstanden an der römischen Kurie die Dikasterien für Laien, Familie und Leben, für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen und für die Kommunikation. Letztere besitzt Autorität über die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des Heiligen Stuhles und der Vatikanstadt. Radio Vatikan existiert nur noch im Form des Internetportals Vatican News.
– Zur Bekämpfung des sexuellen Mißbrauchs im kirchlichen Raum wurde eine Kinderschutzkommission eingerichtet, Treffen des Papstes mit Mißbrauchsopfern organisiert, ein beratende Konferenz für die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen abgehalten und ein 21-Punkte-Plan vorgestellt, für dessen Umsetzung die Diözesanbischöfe verantwortlich sind. Nachdem der Vatikan auf diskrete Hinweise lange nicht reagiert hatte, wurde mit Theodore McCarrick erstmals überhaupt ein vormaliger Kardinal strafweise in den Laienstand zurückversetzt.
– Das päpstliche Wirtsschaftssekretariat hat Autorität über alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Heiligen Stuhles und der Vatikanstadt. Ihm steht ein Wirtschaftsrat aus acht Bischöfen und sieben Finanzexperten zur Seite. Die Vatikanbank I. O. R. wurde gemäß ihrem ursprünglichen Auftrag als Institut für religiöse Werke neu strukturiert und führt keine Privatkunden mehr. Sie erfüllt jetzt vollumfänglich die einschlägigen europäischen Normen, was die Kontrolle und Nachverfolgung von Geldflüssen angeht. Gegen der Geldwäsche oder Steuerhinterziehung verdächtige Kunden wurde Strafanzeige erstattet.
– Der Ablauf der Weltbischofssynoden ist neu geordnet. Es gibt jetzt vorhergehende Befragungen, eine Vorversammlung, vom Papst ernannte Nichtbischöfe, auch männliche und weibliche Laien mit Stimmrecht und eine gewählte Kommission für die Auswertung der Synodenergebnisse, der zusätzlich vom Papst ernannte Mitglieder angehören können. Ein vom Papst promulgiertes Abschlußdokument ersetzt künftig die nachsynodalen Apostolischen Schreiben.
– In der Liturgie ist der hl. Josef in allen Hochgebeten zu nennen. Die Fußwaschung am Gründonnerstag ist nicht mehr auf katholische Männer beschränkt. Für die Übersetzung der lateinischen Liturgietexte in die Landessprachen sind alleine die Bischofskonferenzen verantwortlich. Neue Erzbischöfe bekommen das Pallium generell in ihrer Metropolitankirche aufgelegt.
– Die Päpste Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. sowie Mutter Teresa von Kalkutta und Erzbischof Oscar Romero und andere wurden heiliggesprochen. Der armenische Mönche Gregor von Narek wurde als 36. Heiliger zum Kirchenlehrer proklamiert. In den Kanonisationsprozessen gilt die Hingabe des Lebens neben Bekennertum und Martyrium als eigene Kategorie.
– Die künftige Ablehnung der Todesstrafe wurde in den Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) eingefügt.
– Die seit Pius XII. geltenden Bestimmungen für Nonnen in päpstlicher Klausur wurden grundlegend erneuert. Oberinnen haben jetzt mehr Rechte gegenüber dem Diözesanbischof. Künftige Klausurnonnen dürfen erst neun Jahre nach dem Klostereintritt die feierliche Profeß ablegen. Jedes rein kontemplative Nonnenkloster muß einem Verband angehören, mindestens aber in der Ordensoberenkonferenz vertreten sein. Neugründungen, die nach 15 Jahren keine 8 Profeßnonnen haben, sind aufzulösen. Kaum lebensfähige Klöster dürfen keine ausländischen Nonnen anwerben, sondern sollen mit anderen Klöstern zusammengelegt werden.
– In den Dossiers von Erzbischof Viganò sowie in den Büchern „Der Diktatorpapst“ und „Der verlorene Hirte“ wird der regierende Pontifex öffentlich heftig kritisiert.
– Durch das vorläufige Abkommen mit der Volksrepublik China wurde ein Schisma überwunden. Alle chinesischen katholischen Bischöfe sind jetzt von Rom anerkannt. Zu diesem Zweck mußten die Bischöfe der romtreuen Untergrundkirche zugunsten von bekennenden Kommunisten zurücktreten.
– Gemäß der UNO-Konvention von Merida wurde ein Anti-Korruptions-Büro unter Leitung eines Generalrevisors eingerichtet, das die gesamte Buchhaltung des heiligen Stuhles und der Vatikanstadt kontrolliert.
– Ein Teil der leitenden Vatikanfunktionen kann – wie schon im alten Kirchenstaat – von Laien übernommen werden. Bei kirchlichen Ehegerichten muß nur noch der Vorsitzende des Richtergremiums ein Priester sein. Die Lehrstühle an katholisch-theologischen Hochschulen müssen nicht mehr zur Hälfte von Klerikern besetzt sein.
– In Bearbeitung sind noch die Neufassung der Kuriengesetzgebung und des kirchlichen Strafrechts zum Zweck einer effizienteren Anwendung und ein Motu Proprio zur besseren Bekämpfung des Mißbrauchs.
– Gegen Bischöfe, die des Missbrauchs, der Vertuschung oder anderer schwerer Vergehen (delicta graviora) verdächtigt werden, ist die Kongregation für die Glaubenslehre mit der Durchführung der Untersuchungen (inquisitiones) beauftragt und fungiert somit wieder im wörtlichen Sinn als Inquisitionsbehörde.
– Die Sollstärke der Schweizergarde wurde auf 135 Mann erhöht und das Kardinalskollegium noch weiter internationalisiert.
– Auf dem Petersplatz wurden unter den Kolonnaden Waschräume für Obdachlose eingerichtet.

Ein abschließendes Urteil über einen Papst ist künftigen Historikern und der göttlichen Gerechtigkeit zu überlassen. Entscheidend für die Katholiken jetzt und heute ist die Glaubenstreue auch in Krisenzeiten sowie das beständige Gebet für Papst und Kirche und um die Erlangung heiligmäßiger Priester und Ordensleute für die Evangelisierung und zur Erneuerung der Kirche im Heiligen Geist.

Foto: Papst Franziskus – Bildquelle: Kathnews