Papst hat die bisherige Weisung der Kirche nicht außer Kraft gesetzt

Papst Franziskus wünscht eine Pastoral der kleinen Schritte in schwierigen Situationen. Die Menschen abholen, wo sie stehen, und hinführen zu Christus.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 16. September 2016 um 10:59 Uhr
Papst Franziskus

„Zum ersten Mal hat Papst Franziskus eine verbindliche Interpretation des achten Kapitels des nachsynodalen Schreibens „Amoris laetita“ vorgelegt. Er wählte dabei den Weg, einen Brief der Bischöfe der Region Buenos Aires vom 5. September ausdrücklich zu bestätigen, in dem diese ihren Priestern in zehn Punkten darlegen, wie in der Pastoral mit in irregulären Beziehungen lebenden Personen umzugehen ist“. Das berichtet Guido Horst in der katholischen Zeitung „Tagespost„.

Der österreichische Moraltheologe und Ethiker Prof. Dr. Josef Spindelböck schreibt zu dieser Interpretation des Papstes:

„Papst Franziskus hat sich zwar positiv über die Weisungen der Bischöfe aus der Region Buenos Aires geäußert, doch heißt dies nicht, dass jeder Punkt und Beistrich dieses bischöflichen Schreibens nun päpstlich autorisiert ist. Die Bischöfe selber weisen hin auf die Eigenverantwortung jedes einzelnen Bischofs, der die gemeinsam beschlossenen Richtlinien auch modifizieren kann. Der Papst wiederum setzt auf die Kompetenz der einzelnen Bischofskonferenzen, wo es um die Umsetzung der kirchlichen Lehre und die Pastoral vor Ort geht.

Papst bestätigt nicht die Sünde

Keineswegs darf es um eine Bestätigung in einem sündhaften Zustand gehen; in einem solchen Fall wäre die heilige Kommunion weder gnadenwirksam noch ein Zeichen kirchlicher Einheit.

Hilfe um konkrete Schritte zur Bekehrung

Papst Franziskus hat die bisherigen Weisungen der Kirche über den Kommunionempfang nicht außer Kraft gesetzt. Es ist jedoch sein Anliegen, dass die Priester noch mehr als bisher den verlorenen Schafen nachgehen sollen, und dann geht es um eine Prüfung und Ermutigung im Einzelfall, ob und wie konkrete Schritte der Bekehrung gesetzt werden können.

Ansatzweises Bemühen um Wiederherstellung der rechten Ordnung

Bei fortgesetztem Ehebruch können die Sakramente nicht empfangen werden; es muss zumindest ein ansatzweises Bemühen da sein, die rechte Ordnung wiederherstellen zu wollen. Doch mitunter – so der Papst sinngemäß – sind in einer solchen schwierigen Situation kleine Schritte für die Betroffenen etwas Großes, und hier sollen sie von der Kirche Ermutigung und Unterstützung erfahren. Dabei ist gar nicht in erster Linie an den Sakramentenempfang zu denken!

Beipiel der Tagesheilgen Kornelius und Cyprianus

Die Heiligen des heutigen Tages – Papst Cornelius und Bischof Cyprian von Karthago – zeigen uns, dass es schon in der Alten Kirche mitunter heftige Auseinandersetzungen und Differenzen über den richtigen Kurs gegenüber den Abgefallenen („lapsi“) und ihre Wiederaufnahme in die Kirche gegeben hat. Auch Papst Franziskus will jene, die sich in der einen oder anderen Weise von der Kirche und vom Glauben entfremdet haben, wieder heimführen.“

Papst Franziskus – Bildquelle: Kathnews