Papst Franziskus hat weder die Lehre noch die Disziplin geändert

Papst Franziskus schreibt "Familiaris consortio" seines Vorgängers fort. Moraltheologe Spindelböck erläutert, inwiefern das postsynodale Schreiben "Amoris laetitia" eine Reform in Kontinuität bedeutet.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 10. April 2016 um 19:52 Uhr
Johannes Paul II.

St. Pölten (kathnews). Der St. Pöltener Moraltheologe Joseph Spindelböck sieht in dem am vergangenen Freitag in Rom vorgstellten päpstlichen Schreiben Amoris laetitia über Ehe und Familie weder eine Änderung der Lehre noch eine Änderung der Disziplin, wenn es um die Frage nach dem Sakramentenempfang von Gläubigen in irrigulären Situationen geht. Geändert habe sich lediglich die Perspektive. Das sagte der Moraltheologe sowohl in einem Interview bei Radio Vatikan als auch etwas klarer und differenzierter beim kath. Internetportal Kathnet.

Worin besteht der Perspektivwechel?

Spindelböck erläuterte: Richtete sich in den bisherigen Stellungsnahmen des kirchlichen Lehramtes,  namentlich in Familiaris Consortio von Papst Johannes Pauls II. Nr. 84,  der Blick zuerst auf  den objektiven Widerspruch solcher Lebensverhältnisse zu den Geboten Gottes und der Kirche, wodurch ein Kommunionempfang ausgeschlossen war, solange der Widerspruch zu den Normen andauerte, so schaue Papst Franziskus in dem Postsynodalen Schreiben Amoris laetitia mehr auf die subjektive Seite.

Reform in Kontinuität

Doch auch diese Blickrichtung ist nicht neu. Der Papst berufe sich in seinem Schreiben ausdrücklich auf die entsprechenden Lehren im Katechismus der Katholischen Kirche. Dort heißt es in den Nummern 1735 und 2352 ausdrücklich, dass objektiv schwere Sünde nicht immer subjektiv schwerwiegend sein müssen. Das, so Spindelböck, hänge mit den Faktoren zusammen, „welche die Verantwortlichkeit für eine Sünde vermindern können“. „Das ist keine neue Lehre; wohl aber dient sie dem Anliegen des Papstes, der die betreffenden Gläubigen verstärkt ins Leben der Kirche integrieren will, auch unter dem Vorzeichen des ‚Jahres der Barmherzigkeit‘, erklärt der österreichische Moraltheologe. Der Regensburger Bischof Voderholzer sagte in dem Zusammenhang, das Amoris laetitia  das Schreiben Familiaris consortio fortschreibe.

„Allerdings“, so betont er, „ist dabei der Sakramentenempfang nicht das erste Ziel, sondern steht erst am relativen Abschluss eines echten Bekehrswegs, der auch eine Ordnung der objektiven Verhältnisse im Sinne der Gebote Gottes anzielt. Denn obwohl die heilige Eucharistie das Sakrament der Schwachen und nicht der Starken ist, setzt ihr fruchtbringender Empfang den Gnadenstand voraus, d.h. die lebendige Verbundenheit mit Gott in Glaube, Hoffnung und Liebe (vgl. 1 Kor 11,27-29).“ Außerem weise der Papst selber auf die Gefahr eines möglichen unwürdigen Kommunionempfanges hin, den es auf jeden Fall zu vermeiden gelte (vgl. AL, Nr. 186).

Foto: Papst Johannes Paul II. – Bildquelle: José Cruz/Abr, CC