Papst Benedikt XVI. und der Islam (2)

Ehrfurcht vor dem Koran als einem „heiligen Buch einer großen Religion". Ein Zitat der „Regensburger Rede" wurde missverstanden.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 10. Januar 2015 um 21:39 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Von Gero P. Weishaupt:

Im Zusammenhang mit der Islamkritik beruft man sich in manchen katholischen Kreisen gerne auf die „Regensburger Rede“ Papst Benedikts XVI. vom 12. September 2006, genauer auf einen Satz aus der Rede. Der Papst zitierte aus einem Buch, das den Dialog zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. und einem gebildeten Perser über Islam und Christentum wiedergibt. Wer das Zitat aber im Zusammenhang des vorab vom Papst Gesagten und dessen, was er später noch ergänzend dazu erklärt hat, liest, der stellt fest, dass Benedikt XVI. sich nach Form und Inhalt von der Formulierung des byzantinischen Kaisers distanziert hat. Er nannte sie „absolut inakzeptabel“. Die besagte Textstelle soll hier im Kontext wiedergegeben werden. Es folgt dann eine kurze Klärung dazu von Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI.: „Inhaltlich wie der Form nach absolut inakzeptabele(n) Formulierung“

„Der Kaiser wußte sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in  Glaubenssachen – es ist wohl eine der frühen Suren aus der Zeit, wie uns die Kenner sagen, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten – später entstandenen – Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von `Schriftbesitzern`und `Ungläubigen` einzulassen, wirft er seinem Gesprächsparnter gegenüber mit einer für uns und für mich persönlich inhaltlich wie der Form nach absolut inakzeptablen Formulierung das Problem von Religion und Gewalt auf.“ (Hervorhebung von GPW)

Der Papst zitiert Kaiser Manuel II:

„Er sagt: `Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele.` Gott hat kein Gefallen am Blut`, sagt er, `und nicht vernunftgemäß, nicht syn logos zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung … Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann..` Der entscheidende Satz in ieser Argumentaton gegen Bekerhugn durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemß handlen ist dem Wesen Gottes zuwider.“

Erklärung Papst Benedikts XVI.: Aufzeigen des Zusammenhanges von Glaube und Vernunft, nicht Polemik

„Dieses Zitat ist anscheinend in der muslimischen Welt als Ausdruck meiner eigenen Position aufgefaĂźt worden und hat so begreiflicherweise Empörung hervorgerufen. Ich hoffe, dass der Leser meines Textes sofort erkennen kann, dass dieser Satz nicht meine eigene Haltung dem Koran gegenĂĽber ausdrĂĽckt, dem gegenĂĽber ich die Ehrfurcht empfinde, die dem heiligen Buch einer groĂźen  Religion gebĂĽhrt. Bei der Zitation des Texts von Kaiser Manuel II. ging es mir nur einzig darum, auf den wesentlichen Zusammenhang zwischen Glaube und Vernunft hinzuweisen. In diesem Punkt stimme ich Manuel zu, ohne mir deshalb seine Polemik zuzueignen. “ (Hervorhebung von GPW).

Zu der Formulierung „Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: `Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider´“ erklärte Papst Benedikt XVI noch: „Einzig um dieses Gedankens willen habe ich den zwischen Manuel und seinem persischen Gesprächspartner gefĂĽhrten Dialog zitiert. Er gibt das Thema der folgenden Ăśberlegungen (GPW: in der Regensburger Vorlesung) vor.“

Zitiert aus: Die „Regensburger Vorlesung“ Papst Benedikts XVI. im Dialog der Wissenschaften, hrsg. von Chrstoph Dohmen, Regensburg 2007, 17 f..

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: Tourvindus, CC bei Flickr