Opus Dei wählt neuen Leiter

Am Samstag (21. Januar) beginnt das Wahlverfahren des künftigen Prälaten des Opus Dei.
Erstellt von Radio Vatikan am 20. Januar 2017 um 18:03 Uhr
Petersdom

Rom (kathnews/RV). Eine große und lebendige Seelsorgeeinrichtung der katholischen Kirche erhält Anfang kommender Woche einen neuen Leiter: das Opus Dei mit seinen 2.100 Priestern und 90.000 Laien auf der ganzen Welt. Das Wahlverfahren für den neuen Prälaten beginnt an diesem Samstag in Rom. Knapp 200 Angehörige des „Werkes Gottes“ sind auf verschiedene Weise an der Wahl beteiligt, davon gehören gut 150 dem eigentlichen Wahlkongress an, und auf 94 von ihnen treffen die formalen Kriterien zu, die der neue Leiter des Opus Dei laut Statuten mitbringen muss: Priester, mindestens 40 Jahre alt, beim Opus Dei seit mindestens zehn Jahren, davon wenigstens fünf als Priester, und er muss selbst Wahlmann sein. Am Montag, spätestens Dienstag, wird das Ergebnis der Wahl erwartet, danach muss der Papst den neuen Prälaten bestätigen, ehe die Öffentlichkeit seinen Namen erfahren kann.

Am Akt der Wahl selbst nehmen ausschließlich Männer teil, Priester und Laien. Es sind die sogenannten Wahlmänner. „Das Amt eines Wahlmanns im Opus Dei ist nicht zeitlich begrenzt, sie werden vom Prälaten ernannt, auf Lebenszeit“, erklärt im Gespräch mit Radio Vatikan der deutsche Opus-Dei-Priester Johannes Grohe, Professor für Kirchenrecht an der dem Werk angegliederten päpstlichen Universität Santa Croce in Rom. Den Auftakt des Wahlverfahrens allerdings setzen Frauen des Opus Dei, die am Samstag, ebenfalls in Rom, zusammentreten und Wahlvorschläge erarbeiten. „Jede der dort an dem Gremium beteiligten Frauen schreibt den oder die Kandidaten auf, die sie für richtig hält, und das Gesamt dieses Votums wird dem Wahlkongress am Montag übermittelt“, erläutert Grohe. „Der Wahlkongress beginnt also damit, dass den versammelten Wahlmännern vorgelesen wird, wen sich die Frauen als Kandidaten vorstellen könnten, was natürlich schon ein ziemliches Gewicht hat für eine solche Wahlversammlung.“ Etwas mehr als die Hälfte der Angehörigen des Opus Dei sind Frauen. Warum sie nicht am unmittelbaren Wahlgeschehen teilnehmen, erklärt der Historiker Grohe mit der Beschaffenheit des 1928  gegründeten Werkes:

„Das Opus Dei hat von Anfang an in zwei unabhängig voneinander handelnden Abteilungen gearbeitet, Männer und Frauen, verbunden durch die gemeinsame Spiritualität, das gemeinsame Engagement in vielen Aktivitäten und die gemeinsame Leitung. Wir betrachten alle Mitglieder in gleicher Weise dem Opus Dei angehörig, wir haben keine Klassen zwischen Laien und Priestern, Männern und Frauen, sondern alle sind in gleicher Weise zum gleichen Ideal berufen, und alle nehmen an der Spiritualität des Opus Dei in ihrem Leben in gleicher Weise teil.“

Gute Chancen: ein Argentinier

Die Wahl erfolgt geheim und anonym mit Wahlzetteln, der Kandidat braucht eine Zweidrittelmehrheit und kann – anders als etwa bei einem Konklave – die Wahl nicht ablehnen; allenfalls wird er eine Verhinderung etwa aus gesundheitlichen Gründen vorab bekanntgeben, so Grohe. Aus dem deutschen Sprachraum sind mehrere Wahlmänner nach Rom gereist, so der emeritierte Bischof von St. Pölten Klaus Küng und der Regionalvikar aus Deutschland Christoph Bockamp. Gute Chancen räumen Kenner des Opus Dei dem derzeitigen Generalvikar des Werkes Mariano Fazio ein. Den 57jährigen Argentinier verbindet eine langjährige Freundschaft mit Papst Franziskus, beide nahmen 2007 an der großen lateinamerikanischen Bischofsversammlung von Aparecida teil, Kardinal Bergoglio als Schriftführer für das Schlussdokument, sein jüngerer Landsmann als Peritus, also Experte. Fazio hat 2013 sogar ein Buch über das Denken des Papstes geschrieben.

Wer auch immer der neue Prälat wird, er ist der dritte Nachfolger des heiligen Josemaria Escriva de Balaguer, der das Opus Dei 1928 in Madrid ins Leben rief – und er wird der erste sein, der kein direkter Mitarbeiter des Gründers war. Abgesehen von den äußerlichen Voraussetzungen muss der neue Leiter ein bestimmtes geistliches Profil haben, sagt Grohe. „Von ihm erwartet man natürlich Erfahrung in der Seelsorge, eine gute solide Ausbildung in der Theologie, eine gute Kenntnis, weil er es selbst gelebt hat, der Spiritualität des Opus Dei.“ Bischof dagegen muss der neue Prälat nicht sein, ebensowenig muss er es werden, wenngleich es seiner Position als Leiter von 2.100 Priestern des Werkes entspräche. Die bisherigen Prälaten des Opus Dei empfingen jeweils wenige Monate nach ihrer Wahl auf Wunsch des jeweiligen Papstes die Bischofsweihe.

Das Werk ist in den vergangenen Jahrzehnten beständig gewachsen, mehr als 92.000 Angehörige verzeichnet es heute in allen Kontinenten. Was Opus Dei geistlich anziehend macht, erklärt Grohe so: „Das Opus Dei ist entstanden, um Christsein im Alltag zu leben, insbesondere in der Arbeitswelt. Für Josemaria Escriva war das eine zentrale Frage, nämlich, im Alltag zu entdecken, dass Christus gegenwärtig ist. Der Auftrag ist, durch das Heiligen der Arbeit – seiner selbst in der Arbeit und anderer Menschen durch die Arbeit – Christus in der heutigen Welt präsent zu machen. Das hat in all den Jahren des Opus Dei viele Menschen angezogen und dazu geführt, dass in den unterschiedlichsten Berufen und sozialen Schichten Menschen sich zusammengefunden haben, die sich diesem Ideal verschreiben. Und das geschieht bis auf den heutigen Tag.“

Der Leiter des Opus Dei bleibt auf Lebenszeit im Dienst. Der bisherige Prälat Javier Echevarría, ein Spanier, verstarb nach längerer Krankheit am 12. Dezember 2016 im Alter von 84 Jahren.

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. Bürger, kathnews