Mitchristen sollen Sünder bei Umkehr unterstützen

Reue für begangenes Übel Voraussetzung für die Heimkehr in Gottes Liebe.
Erstellt von Radio Vatikan am 1. Mai 2016 um 11:17 Uhr
Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg

Vatikan (kathnews/RV). Zur Barmherzigkeit Gottes gehört die Versöhnung. Daran hat Papst Franziskus die Heilig-Jahr-Pilger an diesem Samstag erinnert. Gott sei immer dazu bereit, Vergebung zu schenken, er gehe uns gerade dann nach, wenn wir uns durch unsere Sünden von ihm entfernt haben, sagte Franziskus bei einer der Sonder-Generalaudienzen zum Jubiläum. „Gott findet sich nie mit der Möglichkeit ab, dass ein Mensch außerhalb seiner Liebe bleibt, unter der Voraussetzung allerdings, dass er in dieser Person irgendein Zeichen der Reue für das begangene Übel findet.”

Genau diesen Punkt – die Reue, der Beginn der Umkehr – strich Franziskus als zentral hervor. Damit nämlich jemand sich eingestehe, eine Sünde begangen zu haben, brauche es auch das richtige Umfeld. Die Mitchristen und später besonders die Beichtväter hätten hier eine wichtige Aufgabe. „Niemand soll entfernt bleiben von Gott wegen Hindernissen, die Menschen aufgerichtet haben!”, betonte der Papst. „Die christliche Gemeinschaft kann und muss die aufrichtige Umkehr zu Gott jener Menschen begünstigen, die sich danach sehnen.“ Und an die Beichtväter gewandt: „Bitte, leg den Menschen, die sich mit Gott versöhnen wollen, keine Steine in den Weg. Der Beichtvater muss ein Vater sein! Er steht an der Stelle Gottes, des Vaters!“ Das Sakrament der Versöhnung sei ein schöner Auftrag: „Das ist keine Folterkammer und kein Verhör, nein, es ist der Vater, Gottvater, Jesus, der diesen Menschen aufnimmt und ihm verzeiht. Lassen wir uns mit Gott versöhnen! Wir alle!“

Die Erfahrung der Versöhnung mit Gott habe dann auch Folgen für den Umgang mit anderen Menschen, fuhr Franziskus fort: in den Familien, im Zwischenmenschlichen, in den kirchlichen Gemeinschaften, ebenso auch in den sozialen und sogar in den internationalen Beziehungen. „Die Versöhnung ist auch ein Dienst am Frieden, an der Anerkennung der Grundrechte des Menschen, an der Solidarität.“ Vor einigen Tage habe ihm jemand gesagt, „in der Welt gibt es mehr Feinde als Freunde, und ich glaube, er hat recht. Aber wir, wir sollten Brücken der Versöhnung auch zwischen uns bauen und dabei bei der eigenen Familie anfangen. Wie viele Geschwister sind zerstritten nur wegen des Erbes! Aber das geht nicht! Dies ist das Jahr der Versöhnung, mit Gott und zwischen uns.“

Einen herzlichen Gruß richte der Papst zum Ende der Audienz an die Soldaten, Polizisten und Angehörigen der Sicherheitskräfte, die zum außerordentlichen Jubiläum der Barmherzigkeit nach Rom gepilgert sind. Franziskus erinnerte sie daran, dass sie in ihrem Beruf nicht nur die öffentliche Ordnung schützen, “sondern auch der Versöhnung dienen” können. Vom Frieden zu sprechen sei nicht leicht, „vor allem wegen des Krieges, der die Herzen verhärtet und Gewalt und Hass vermehrt”, räumte Franziskus ein. „Ich ermahne euch, nicht den Mut zu verlieren. Lasst angesichts der täglichen Herausforderung die christliche Hoffnung leuchten.”

Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg – Bildquelle: Kathnews