P. Schmidberger: „Menschen fühlen sich von der katholischen Wahrheit angezogen“
Stuttgart (kathnews). Im Februar 2010 sorgte das kathnews-Interview mit dem Titel „Die Kirche ist in ruhigere Fahrwasser gekommen“, das Chefredakteur Benjamin Greschner mit Pater Franz Schmidberger FSSPX führte, für großes Interesse im In- und Ausland. Nun sprachen Benjamin Greschner und Pater Schmidberger im Rahmen eines kurzen Adventsgesprächs erneut über die katholische Tradition, die Zukunft der Kirche und die “Neue Messe”. Dabei thematisierten sie auch das interreligiöse Treffen in Assisi.
Zur Person: P. Schmidberger
Geboren wurde P. Franz Schmidberger am 19. Oktober 1946 in Riedlingen. Nach einem Mathematikstudium an der Universität München trat er im Jahr 1972 in das Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône ein. Dort empfing er 1975 das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Marcel Lefebvre. Ab 1979 war Schmidberger Oberer des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft und wurde 1982 Generaloberer der Bruderschaft. Ab 1994 war er in der Generalleitung der Bruderschaft tätig, bevor er 2003 zum Regens des Priesterseminars in Zaitzkofen wurde. 2006 wurde er erneut Distriktoberer in Deutschland.
Das Interview
Benjamin Greschner: Hochwürden, die Zahlen der Priesteramtskandidaten in den deutschen Diözesen sind seit Jahrzehnten rückläufig. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hingegen scheint keine Probleme mit dem „Nachwuchs“ zu haben. Es gibt zahlreiche Berufungen, und die Seminare verzeichnen stets stabile Eintrittszahlen. Wie kommt es dazu?
Pater Franz Schmidberger: Zu allen Zeiten fühlen sich Menschen, gerade auch junge Menschen, von der katholischen Wahrheit angezogen. Das gilt besonders für Berufungen. Diese wollen eine ganzheitliche Formung: theologisch, liturgisch, spirituell, um später in der Seelsorge den Menschen eine ganzheitliche Vision des christlichen Lebens vermitteln zu können, wo privates, familiäres, berufliches und soziales Leben wie aus einem Guss aufeinander abgestimmt sind. Auch für ihr eigenes zukünftiges Priesterleben bedarf es dieser Ganzheit, wenn es in den unausweichlichen Prüfungen bestehen soll. Dazu kommt, dass sie im Rahmen der „Konzilskirche“ immer weniger Möglichkeiten sehen, für eine fröhliche, glaubensstarke Jugend, für christliche Familien, für missionarisch ausgerichtete Pfarreien und auch für die Bekehrung der Sünder wirken zu können.
Benjamin Greschner: In den vergangenen Monaten sind insbesondere doktrinelle Fragen in den Mittelpunkt der Gespräche zwischen der Priesterbruderschaft und dem Heiligen Stuhl gerückt. Nach wie vor ebenfalls ein grundsätzliches Thema ist die Frage der Liturgie. Können Sie unseren Lesern kurz skizzieren, warum die Priesterbruderschaft St. Pius X. die „neue Messe“ ablehnt und auf der Zelebration der römischen Liturgie in ihrer Gestalt von vor der 1970 durchgeführten Reform beharrt?
Pater Franz Schmidberger: Die sogenannte „neue Messe“ Pauls VI. aus dem Jahr 1969 wurde mit der Beschreibung eingeführt: „Das Herrenmahl oder die Messe ist die heilige Zusammenkunft oder die Versammlung des Volkes Gottes, das unter dem Vorsitz eines Priesters zusammenkommt, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern. Deshalb gilt von der örtlichen Versammlung der heiligen Kirche in hervorragendem Maß die Verheißung Christi: ‚Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, dort bin ich mitten unter ihnen’ (Mt 18, 20).“ Eine solche Darstellung entbehrt aller Elemente der Lehre des Messopfers, wie sie in der 22. Sitzung des Konzils von Trient gerade gegen den Protestantismus herausgestellt worden ist. Zwar wurde diese Definition ein Jahr später etwas verbessert, aber die definierte Sache selbst, nämlich eine am grünen Tisch ausgearbeitete Liturgie, blieb dieselbe: eine Mahlgemeinschaft unter dem Vorsitz des Priesters. Vom Gedanken der Anbetung Gottes und der Sühne für unsere Sünden bleibt hier fast nichts mehr übrig.
Deshalb bestehen wir darauf, die heilige Messe als unblutige Erneuerung des blutigen Kreuzesopfers Jesu Christi zu feiern, um gerade auch in der heutigen Welt der Spass- und Konsumgesellschaft die Menschen zum Gedanken der Heiligkeit, des Übernatürlichen und Gnadenhaften, der Selbstdarbringung und des Gott und dem Nächsten Dienens heranzuführen.
Benjamin Greschner: Welchen Platz werden die „alte Messe“ und die katholische Tradition in der Zukunft der Kirche haben?
Pater Franz Schmidberger: Nach dem Motu proprio Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007, in dem Papst Benedikt XVI. feststellt, die alte Messe sei nie verboten gewesen, hat deren Feier zwar nicht spektakulär, aber beständig wieder an Boden gewonnen. Gäben die Bischöfe ihren Widerstand gegen sie auf, würde sie sich noch sehr viel mehr verbreiten und zur Quelle des geistlichen Lebens, des missionarischen Eifers und der Heiligkeit der Seelen werden. Darüber hinaus ist und bleibt die alte Messe der Maßstab für jede Liturgie, da sie der vollkommene liturgische Ausdruck des katholischen Dogmas ist. Über die Liturgie hinaus bedarf es aber heute auch der Überwindung des Konzils(un)geistes. Das Gift muss aus dem mystischen Leib des Herrn ausgeschieden werden.
Benjamin Greschner: Ihre Bruderschaft hat sich sehr kritisch geäußert, was das interreligiöse Treffen in Assisi anbelangt. Was war der Hauptkritikpunkt der Piusbruderschaft an diesem Treffen? Inwiefern unterschied sich das Assisi-Treffen Benedikts XVI. von den Treffen, zu denen Johannes Paul II. einlud, bzw. in welchen Punkten waren sie sich ähnlich?
Pater Franz Schmidberger: Das Assisi-Treffen des Jahres 1986 unter Johannes Paul II. war ein großes Ärgernis für die ganze Kirche, ein Verstoß gegen das erste Gebot Gottes und gegen den ersten Artikel unseres Credos. Darüber hinaus hat es in beträchtlichem Maße den Geist des Relativismus in den Köpfen gefördert: Alle Religionen sind Heilswege, alle tragen zum Frieden in der Welt bei, jeder soll nach seiner eigenen Facon selig werden, sagen die Leute. Wie man einem solch verhängnisvollen Treffen eine Silberjubiläumsfeier widmen kann, ist mir unerklärlich. Als sich dagegen Kritik erhob, versuchte der jetzige Papst, das Treffen mehr auf die kulturelle Schiene zu schieben; vor allem verzichtete man auf ein gemeinsames Gebet, die verschiedenen Religionen bekamen nicht Heiligtümer in Assisi zugeteilt, man stellte die Buddhastatue nicht auf den Tabernakel der Kirche St. Peter. Aber das Kernproblem bleibt, nämlich die Ausklammerung der Wahrheitsfrage und die Verdunkelung der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus der einzige Erlöser des Menschengeschlechts und der einzige wahre Friedensfürst in dieser Welt ist.
Foto: Pater Franz Schmidberger – Bildquelle: fsspx.info





