Maria Engelport oder wie blühende Klöster möglich sind

Ein Erlebnisbericht von Friedrich Reusch.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 12. Juli 2014 um 10:55 Uhr

Mai 2013. Am Rande einer Tagung halte ich mich im Gästehaus der Benediktinerabtei Neresheim auf. Abends besuche ich auch die Komplet der Mönche in Balthasar Neumanns prächtiger Barockkirche. Beim Einzug bin ich relativ schockiert über den zahlenmäßig zusammengeschrumpften und überalterten Konvent. Den unbefangenen – und grundsätzlich durchaus wohlwollenden – Beobachter beschleicht das laue Gefühl, als gehe hier wegen fehlender Dynamik eine Tradition langsam zu Ende, als liege hier das klösterliche Leben ohne Aussicht auf eine große Zukunft darnieder.

Juni 2014. Ich befinde mich auf einer kurzen Reise durch das Moseltal und suche das Kloster Maria Engelport auf, auf das ich durch eine ungewöhnliche Meldung aufmerksam wurde: Eine Ordensgemeinschaft, die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria (OMI), hatte 2013 die altbekannte Pilgerstätte im Flaumbachtal verlassen – Mangel an Berufungen machte das Leben für die Oblaten schließlich auch wirtschaftlich unrentabel. Und was folgte darauf? Der Einzug einer jungen, blühenden Ordensgemeinschaft mit vielen Berufungen und einer großen Zukunft! Das war außergewöhnlich. Das wollte ich sehen.

Bezwingende Schönheit

Es gibt viele Dinge, die heute in manchem Kloster angeboten werden, meist wohl in der Hoffnung, Besucher anzulocken und den „Nerv der Zeit“ zu treffen. So gibt es Zen-Kurse, Tanzseminare und Bastelangebote – zu einer neuen Anziehungskraft der Klöster hat dies nicht geführt (was Wunder, man wirbt hier ja auch mit Unterhaltungs- und Wellnessevents, für die man kein Kloster bräuchte und die im „Original“ an anderen Stätten zu finden sind). Das Erfolgsrezept der Anbetungsschwestern des königlichen Herzens Jesu, des Ordens, der das Kloster Maria Engelport übernommen hat, nimmt sich dagegen einfach aus: so wie sich in einem Fußballstadion auf den Spitzensport, in einem Orchester auf die schönsten Sinfonien konzentriert wird, legt man im Flaumbachtal Wert auf das, was ein Kloster ausmacht. Die feierlichen Gottesdienste, gesungenen Gebete und die eucharistische Anbetung wird hier in einer Pracht entfaltet, die den theozentrischen Charakter des Klosterlebens widerspiegeln.

Anders als bei mancher betont moderner Ordensgemeinschaft besteht hier kein durch affektierten „Weltaktionismus“ verursachter Bruch zwischen dem Dienst an Gott und an den Menschen, vielmehr zieht die Ernsthaftigkeit der würdig gefeierten Messe in ihrer überlieferten Form die Pilger an und lädt zu einer tieferen Gottesbegegnung besser ein als tausend Worte. Die jungen Schwestern tragen innerhalb der Kirche als besonderes liturgisches Gewand einen strahlend blauen Mantel, der in ganz einzigartiger Weise die besondere Würde des geweihten Lebens verkörpert. Hier dringt jene Schönheit des katholischen Glaubens durch, die einst einem Franz Werfel, einer Getrud von le Fort und einer Edith Stein tiefe Erschütterung und Bewunderung abgerungen hat. Man ahnt, dass im Aufstrahlenlassen dieser Erhabenheit der „Nerv der Zeit“ tausende Male besser getroffen ist als mit fernöstlichen Meditationstechniken.

Mögliche Vorhaben – bald sogar Exerzitien?

Die Faszination, die von der prächtigen Liturgie ausgeht, steht indes nicht in einem Widerspruch zur Individualseelsorge, sondern wirkt im Gegenteil geradezu katalysatorisch auf sie. So besteht auch im Kloster Maria Engelport täglich sogar zu zwei verschiedenen Zeiten Gelegenheit zur Beichte. Kurzum findet man hier alles vor, was sich für die seelische Erbauung positiv auswirkt. Es sind einmal die gediegenen liturgischen Elemente, die zur Mitfeier einladen, darüber hinaus das Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Engelport“, an dem ein persönliches Gebet verrichtet werden kann. Die Schwestern selbst strahlen ein erbauendes Bild aus und betreiben somit auf eine mehr passive, aber umso tiefere Art Seelsorge. Somit ist der Grundstock einer blühenden Entfaltung des Konvents gelegt, umso mehr, da vonseiten des Klosters in einem Rundbrief bereits angedeutet wurde, das klostereigene Gästehaus womöglich in Bälde für Exerzitien zu öffnen.

Angesichts der besonders schönen Pflege der Liturgie und einer gewissen sakralen Ästhetik als außerordentliches Merkmal der Anbetungsschwestern und des Institutes Christus König und Hoherpriester, deren Schwesternzweig erstere sind, lässt sich freilich fragen, ob in naher Zukunft auch diesem Prinzip widerstreitende Elemente im Kirchenraum von Maria Engelport, namentlich der Volksaltar und die modernen Kirchenfenster, entfernt werden können, damit in diesem Kloster wieder das theozentrische Axiom der Messe aller Zeiten in wünschenswert ganzheitlicher Form zur Geltung kommt. Das Geheimnis des Klosters Maria Engelport und seiner Bewohnerinnen ist, dass sie selbstbewusst das katholische Ordensleben in seiner integralen Form und altehrwürdigen Tradition bejahen. Besonders junge Menschen fühlen sich von dieser durch zeitlose Elemente getragenen Dynamik angezogen.

Engelporter Klosterkirmes am 17. August 2014

Eine wunderbare Gelegenheit, sich der beschriebenen Pracht zu vergewissern, bietet sich am Sonntag, dem 17. August 2014. An diesem Tag laden die Anbetungsschwestern nämlich zur Engelporter Klosterkirmes, die bis dato folgendes Programm vorsieht:

10:00h Hochamt mit Choralgesang der Schwestern

12:00h Mittagessen im Refektorium

nachmittags Führungen durch das Kloster, gleichzeitig Volksmusik, Kaffee und Kuchen sowie Tombola im Wendelinushof

16:30h Marienandacht mit Regionalkantor S. Scheuren

17:30h hl. Messe mit deutschen Liedern

18:30h Feierliche Vesper der Schwestern

Eine Kinderbetreuung durch die Schwestern für Kinder von 3-10 Jahren wird angeboten.

Weitere Auskünfte erteilt das
Kloster Maria Engelport
Flaumbachtal 4
56253 Treis-Karden
Telefon: 02672 / 915750
Email: engelport@institut-christus-koenig.de

Foto: Kloster Maria Engelport – Bildquelle: Lothar Spurzem / Wikipedia