Lumen gentium, Artikel 24

Sendung der Bischöfe durch Jesus Christus.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 17. Oktober 2014 um 17:28 Uhr
Vaticanum II, Konzilseröffnung

Lumen gentium thematisiert in den vier Artikeln 24-27 die Sendung der Bischöfe, genauer der Bischöfe, die einer Diözese, einem Teil des Volkes Gottes, als Oberhirten vorstehen. Nachdem im folgenden Artikel 24 allgemein einleitend über deren Sendung und Bevollmächtigung durch Jesus Christus die Rede ist, kommen in den drei anderen Artikeln die einzelnen Aufgaben (munera) der Sendung zur Sprache: der Verkündigungs (munus docendi), der Heiligungs- (munus sanctificandi) und der Leitungsdienst (munus regendi). Ihnen entspricht das Propheten-, das Priester- und das Hirtenamt des Bischofs.

Eingliederung in die hierarchische  Gemeinschaft durch kanonische Sendung

Zur Ausübung dieser drei munera (= Dienste/Aufgaben) bedarf jeder Bischof allerdings außer der sakramentalen Weihe der Eingliederung in die hierarchische Gemeinschaft mit dem Papst und den übrigen Bischöfen. Sie erfolgt durch die „kanonische Sendung“ (missio canonica) des Bischofskandidaten durch den Papst, d.h. durch dessen kirchenrechtliche Zuweisung einer bestimmten Diözese bzw. eines bestimmten Jurisdiktionsbereiches. Der Papst als Hirte der Universalkirche beauftragt durch seine Ernennung (kanonische Sendung) einen Bischof mit der Leitung einer bestimmten Diözese, so dass dieser den bestimmten Teil des Volkes Gottes in Einheit mit dem Haupt und den Gliedern des Kollegiums der  Bischöfe leitet.

Text von Artikel 24 in Lumen gentium

Die Bischöfe empfangen als Nachfolger der Apostel vom Herrn, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, die Sendung, alle Völker zu lehren und das Evangelium jedwedem Geschöpf zu verkündigen. So sollen alle Menschen durch Glaube, Taufe und Erfüllung der Gebote das Heil erlangen (vgl. Mt 28,18; Mk 16,15-16; Apg 26,17f). Zur Erfüllung dieser Sendung verhieß Christus der Herr den Aposteln den Heiligen Geist und sandte ihn am Pfingsttag vom Himmel her. Durch dessen Kraft sollten sie ihm Zeugen sein bis ans Ende der Erde, vor Stämmen, Völkern und Königen (vgl. Apg 1,8; 2,1 ff; 9,15). Jenes Amt aber, das der Herr den Hirten seines Volkes übertragen hat, ist ein wahres Dienen, weshalb es in der Heiligen Schrift bezeichnenderweise mit dem Wort „Diakonia“, d. h. Dienst, benannt wird (vgl. Apg 1,17.25; 21,19; Röm 11,13; 1 Tim 1,12).

Die kanonische Sendung der Bischöfe kann geschehen durch rechtmäßige, von der höchsten und universalen Kirchengewalt nicht widerrufene Gewohnheiten, durch von der nämlichen Autorität erlassene oder anerkannte Gesetze oder unmittelbar durch den Nachfolger Petri selbst. Falls er Einspruch erhebt oder die apostolische Gemeinschaft verweigert, können die Bischöfe nicht zur Amtsausübung zugelassen werden (74).

Foto: Bischöfe (Konzilsväter) auf dem Petersplatz

Bildquelle: Peter Geymayer / Wikipedia