Liturgische Übersetzungen: Kardinal Müller solidarisiert sich mit Kardinal Sarah

Letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen.
Erstellt von Felizitas Küble am 13. November 2017 um 21:41 Uhr
Kardinal Müller

Vatikan/Passau (kathnews/CF/PNP). Der frühere Bischof von Regensburg und ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat sich in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) kritisch mit einer Entscheidung von Papst Franziskus befaßt. Es geht dabei um die Rechte und Kompetenzen der jeweiligen Bischofskonferenzen und damit zugleich um die Frage, ob der Vatikan weiterhin daran festhalten solle, daß er selber für die Genehmigung gottesdienstlicher bzw. liturgischer Texte zuständig sei, also quasi das „letzte Wort“ spricht.

Dies hatte der theologisch konservative, schwarzafrikanische Präfekten der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, gefordert, der Papst ihm jedoch in einem Brief widersprach. Franziskus zufolge solle der Vatikan liturgische Übersetzungen in Zukunft nicht mehr genehmigen, sondern nur noch bestätigen. Kardinal Müller solidarisierte sich in dieser Causa mit Kardinal Sarah und äußerte sich dazu folgendermaßen: „Die letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen. Das würde die Einheit der katholischen Kirche im Glauben, im Bekenntnis und im Gebet zerstören.“

Der ehemalige Glaubenspräfekt erklärte weiter gegenüber der PNP, er habe es „oftmals erlebt, dass die von den Bischöfen herangezogenen Übersetzer die biblischen und liturgischen Texte unter dem Vorwand der besseren Verständlichkeit verwässert haben“. Als Beispiele nannte der Würdenträger solch „hoch anspruchsvolle Lehren“ wie etwa den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz: Solche wesentlichen Heilsgeheimnisse würden „in manchen Ländern wegrationalisiert oder auf ethische Appelle heruntergebrochen und so des katholischen Heilsrealismus entkleidet“.

Textquelle: Christliches Forum

Foto: Kardinal Müller – Bildquelle: M. Bürger, kathnews.de