Kult schafft Kultur

Martin Mosebach äußerte sich zum Motu Proprio „Summorum Pontificum“, zur klassischen Liturgie und zur „Reform der Reform“.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 2. Januar 2017 um 12:03 Uhr
Alte Messe in St. Leonhard, Leonberg i.d. Oberpfalz

Frankfurt (kathnews/Tagespost). Für den Büchnerpreisträger Martin Mosebach bedeutet Reform der nachkonziliaren Liturgiereform („Reform der Reform“) nichts anderes als die „Rückkehr zu den Beschlüssen der Liturgiekonstitution des Konzils und zu dem Messbuch, das auf der Grundlage dieser Konstitution 1965 von Papst Paul VI. promulgiert wurde.“ Das sagte Mosebach in einem Interview der „Tagespost“.

Viel sagen, wenig tun (können)

Im Jahr 2017 begeht die Kirche den 10. Jahrestag des Motu Proprio „Summorum Pontificum“, mit dem Papst Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 die klassische Liturgie („außerordentliche“ Form des Römischen Ritus) unter den im Motu Proprio genannten Bedingungen für die gesamte Kirche wieder möglich gemacht hat. Am 14. September 2007 erhielt das Motu Proprio Gesetzeskraft. „Summorum Pontificum“ steht auch im Kontext einer „Reform der Reform“. Nach Martin Mosebach habe allerdings Papst Benedikt XVI., „wenig getan …, um diese Projekt zu präsizieren, geschweigen denn mit seiner Realisierung zu beginnen“, auch wenn er als Kardinal „von der Notwendigkeit einer ‚Reform der Reform‘“ gesprochen habe.

Reform der Reform „nur ein schöner Traum“

So wünschenswert Mosebach auch eine Rückkehr zur klassischen Liturgie hält. so ist dies nach seiner Überzeugung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durchführbar, „selbst wenn ein zum Äußersten entschlossener Pontifex sie durchsetzen wollte“. „Die Befehlsstrukturen“, erläutert der in Frankfurt lebende Buchautor, „sind einfach nicht mehr da, um gegen den Willen der Ortskirchen eine so weitreichende Reform – und sei sie noch so gerechtfertigt – durchzusetzen. Insofern ist das Wort von der „Reform der Reform“ eigentlich immer nur ein schöner Traum gewesen.

Bruch nach dem Konzil

Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ sei aber ein „ein erster ernsthafter Versuch, einen großen und für die ganze Kirche gefährlichen Fehler zu korrigieren“, räumt Mosebach ein. „Die in die Zeit weltweiter Revolutionen von 1968 unglücklich hineingeratene Liturgiereform nach dem II. Vatikanum hatte an vielen Orten eine dramatische Unsicherheit über den Charakter der Eucharistie entstehen lassen. Der Versuch, die bis dahin alleingültige Form der Eucharistie vollständig zu verdrängen, stellte einen Traditionsbruch dar, denn die Kirche hat niemals einen alten Ritus verboten“.

Ritus bringt Kultur hervor

Was immer man dem überlieferten Ritus vorwerfen könne „er gestattete jedenfalls – anders als der neue Ritus – keinen Irrtum über seine Natur. Deshalb war es notwendig, ihm wieder einen Ehrenplatz unter den liturgischen Büchern einzuräumen. Ich möchte aber behaupten, dass damit über die Christenheit hinaus der ganzen Welt ein Dienst erwiesen worden ist. Denn der überlieferte Ritus als sichtbare Gestalt des Christentums über zweitausend Jahre ist Fundament nicht nur der Kirche, sondern auch der aus ihr hervorgegangenen Kultur. Dieser Ritus ist der eigentliche Architekt unserer großen Kirchenbauten, er ist der Hervorbringer unserer Musik, Malerei und Skulptur. Jede romanische Basilika, gotische Kathedrale, Barockkirche spricht von diesem Ritus, für den sie geschaffen worden ist – diese Bauten sind ohne den Ritus unverständlich. Da sie nach wie vor die Gehäuse unserer Religion sind, ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Kult, der sie geschaffen hat, nicht in Vergessenheit gerät“, so Mosebach.

Zum vollständigen Interview: Tagespost

Foto: Alte Messe – Bildquelle: Doris Bayer