Kritische Auseinandersetzung mit Papst Franziskus

Eine Buchbesprechung von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 27. September 2018 um 14:58 Uhr

Seit rund einem Monat sieht sich das Pontifikat von Papst Franziskus neuen, geradezu gigantischen, Stürmen ausgesetzt. Die Stimmung unter den Leuten und in den Medien, bis dahin oft euphorisch gegenüber dem Papst, scheint sich ins Gegenteil umzukehren. Das beste Indiz für einen derartigen Stimmungsumschwung dürfte die Titelgeschichte sein, die „Der Spiegel“ in dieser Woche veröffentlicht hat: „Du sollst nicht lügen. Der Papst und die katholische Kirche in ihrer größten Krise“.

Henry Sire, Autor des Buches „Der Diktatorpapst“, das kürzlich im Renovamen-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, sieht die Kirche schon seit längerer Zeit in der Krise. Nach umfänglichen Recherchen zu Papst Franziskus, der viele Jahre als Jesuit und Bischof in Argentinien gewirkt hatte, entwirft Sire, dessen Buch ursprünglich im Selbstverlag unter dem Pseudonym Marcantonio Colonna veröffentlicht worden war, ein negatives Bild des regierenden Papstes. Seiner Ansicht nach wäre Jorge Mario Bergoglio nie gewählt worden, hätten die meisten Kardinäle gewusst, mit wem sie es zu tun hatten.

Der Autor beginnt mit einem Kapitel über die St. Gallen-Mafia, zu der Kardinäle wie Godfried Danneels gehörten, der etwa die Legalisierung der Abtreibung in seinem Heimatland Belgien befürwortete oder einen Bischof deckte, der seinen eigenen Neffen sexuell missbraucht hatte. Auch der deutsche Kardinal Walter Kasper wird zur St. Gallen-Mafia gezählt. Henry Sire erläutert, wie die Mafia durch kirchenrechtlich illegale Absprachen vor dem Konklave dafür sorgte, dass Bergoglio zum Papst gewählt wurde. Bereits 2005 hatte man versucht, Ratzinger als Papst zu verhindern, war damals allerdings noch gehindert worden. 2013 aber konnte die St. Gallen-Mafia ihren Erfolg dann einfahren.

Obwohl jedes einzelne Kapitel von „Der Diktatorpapst“ zugleich beeindruckend und erschreckend ist, sei im Rahmen dieser Buchbesprechung nur noch auf das Kapitel über die angeblichen Reformbestrebungen von Papst Franziskus hingewiesen. Die Kurienreform lässt immer noch auf sich warten. Bislang sind lediglich einige kosmetische Änderungen zu verzeichnen. Inhaltlich ist zu sagen, dass eine Reihe von Kurienmitarbeitern, die man als gute und aufrechte Katholiken bezeichnen kann, entlassen und durch Gestalten ersetzt wurde, die eher fragwürdig sind. Dies trifft besonders auf den Themenbereich Lebensschutz zu. Auch in Sachen Finanzreform werden den tatsächlich reformwilligen Personen immer wieder Steine in den Weg gelegt, bis hin zur Entlassung.

Interessierte Katholiken werden sicher die eine oder andere Episode, die von Henry Sire geschildert wird, schon kennen. Einige bestens informierte Katholiken werden sogar mit dem Großteil des von Sire zusammengetragenen Materials schon vertraut sein. Der besondere Wert von „Der Diktatorpapst“ besteht jedoch darin, dass alles an einem Ort zusammengefasst wurde. Nicht länger muss man in verschiedenen Sprachen im Internet recherchieren, um an bestimmte Informationen zu kommen. Wenn der Leser auch nicht unbedingt mit jeder Schlussfolgerung des Autors übereinstimmen muss, sprechen die Fakten doch für sich – und zwar umso lauter, als sie nun einen Papst präsentieren, welcher der Kirche allem Anschein nach einen großen Schaden zufügt.

Martin Bürger

Marcantonio Colonna
Der Diktatorpapst
Aus dem Innersten seines Pontifikats
ISBN 978-3-95621-134-8
Renovamen-Verlag
16,00 Euro

Foto: Der Diktatorpapst – Bildquelle: Renovamen-Verlag