Kreuzweg in der Fastenzeit – Empfehlung eines Gebetsheftes

Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 29. März 2019 um 16:32 Uhr
Jesus Christus am Kreuz

In der Fastenzeit, oftmals an den Freitagen oder den Sonntagen der Quadragesima, besteht in vielen Pfarreien und Gemeinden nach wie vor der traditionelle Brauch, den Kreuzweg zu beten. Er gehört zu den Elementen, die einiges zu der Prägung dieser Zeit im Kirchenjahr beitragen, wobei er grundsätzlich auch während des ganzen Jahres gebetet werden kann. Er eignet sich als Gemeinschaftsgebet ebenso wie als Gebet des Einzelnen.

Wird er vermehrt in der Zeit vor Ostern gebetet, ist es gut, wenn die Betrachtung immer wieder neue Anregung empfängt. Daher ist es willkommen, wenn es handliche Gebetsheftchen gibt, die auch in Gemeindestärke erschwinglich bleiben, und zu denen man abwechselnd greifen kann, um eine Alternative etwa zur Kreuzwegandacht im Gotteslob zu haben.

Empfehlenswert dazu ist der „Kreuzweg mit dem Herzen beten“. Illustriert mit einem Kreuzweg des österreichischen Künstlers Rudolf Szyszkowitz (1905-1976) und mit Texten von Maria Kroisleitner, zeichnet er sich durch verschiedene Vorzüge aus: Seine Kürze erlaubt es, bei den einzelnen Stationen etwas länger in ruhiger Betrachtung zu verweilen, ohne die Dauer der Andacht zu sehr in die Länge zu ziehen, seine Sprache ist schlicht, aber gehaltvoll, seine Aussage dicht und ohne Überschwang. Sie kann das Gemüt berühren und wirkt dabei doch immer echt und nicht aufgesetzt-überzogen.  In ihrer Einfachheit schöpft die Diktion aus Sprachbildern der Tradition, ist dabei aber im guten Sinne zeitgenössisch. Die Aussage ist durchgehend dogmatisch korrekt, und die Anregung zum Empfang des Bußsakramentes wird gegeben.

Durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad in Grammatik und Syntax eignen sich die Texte ohne weiteres für das gemeinschaftliche oder abwechselnde Beten.

Zur Illustration des Heftchens dient ein 1968 geschaffener Kreuzweg, der sich in der Steiermark befindet; in der Kirche von Leoben-Hinterberg. Technisch in Keramik-Hinterglasmalerei ausgeführt, ist er eindeutig dem Kunstzugang seiner Entstehungszeit zuzuordnen, dabei dennoch deutlich in ikonographischer Tradition stehend und somit sehr ansprechend und ausdrucksstark und für jene, die das Heft zu Hause, etwa alters- oder krankheitsbedingt allein benutzen,  ein guter Ersatz für die Kreuzwegdarstellungen in der Kirche oder im Freien, zu denen sich die Beter (oder wenigstens der Priester/Vorbeter) während der Andacht von Station zu Station begeben.

Das Heft „Kreuzweg mit dem Herzen beten“ umfasst neben einem Vorbereitungsgebet vierzehn Stationen, das Abschlussgebet endet mit einem österlichen Ausblick auf die Auferstehung.

Bedauerlicherweise fehlt ein Hinweis auf die mit der Übung des Kreuzweges verbundenen Ablässe. Dies ist tatsächlich der einzige inhaltliche Kritikpunkt, der bei weiteren Auflagen durch eine entsprechende kurze Ergänzung aber leicht auszuräumen wäre.  Ebenso sollte die Kleinschrift bei einer solchen Gelegenheit mit einer Paginierung versehen werden  und eventuell ein Inhaltsverzeichnis erhalten.

In der 7. Station ist schließlich ein kleiner Rechtschreib- oder Druckfehler unterlaufen. Der Betrachtungsimpuls fragt: „Tut es uns Leid…?“ Hier ist nicht das Substantiv gemeint und müsste folglich auch nach aktueller Orthographie korrekt „leid“ stehen.

Szyszkowitz, R./Kroisleitner, M., Kreuzweg mit dem Herzen beten, Edition Gratia, Graz o. J., 32 unpaginierte Seiten, geheftet, ISBN 978-3-9502316-1-8, Einzelexemplar € 2,90,-, Staffelpreise auf Anfrage, www.gratia.at.

Foto: Jesus Christus am Kreuz – Bildquelle: Kathnews