Köln feiert die Überführung der Heiligen Drei Könige vor 850 Jahren

Was Köln und Aachen miteinander verbindet.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. Juli 2014 um 22:45 Uhr

Köln (kathnews). Was Karl der Große für Aachen ist, das sind die Drei Heiligen Könige für Köln. Während Aachen 2014 zusammen mit Europa den 1.200 Todestag des „Vaters Europas“ ausgiebig feiert, gedenken die Kölner in diesem Jahr zum 850 Mal jenes Tages, an dem die Reliquien der Heiligen Drei Könige in die bedeutende Bischofsstadt am Rhein übertragen worden sind.

Im Dienste staufischer Interessen

Genau vor 850 Jahren, am 23. Juli 1164, wurden die Gebeine der Heiligen Drei Könige durch den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel aus Mailand nach Köln übertragen. Rainald von Dassel war der mächtige Kanzler des Staufenkaisers Friedrich I. Barbarossa. Es war staufische Politik, dass derselbe Kaiser durch denselben Erzbischof von Köln anderthalb Jahre nach der Überführung der Gebeine der Drei Heiligen Könige nach Köln am 29. Dezember 1165 Karl den Großen in der Aachener Marienkirche, der berühmten oktogonalen Pfalzkapelle, dem Zentralbau des heutigen Aachener Domes, heiligsprechen ließ. Die Übertragung der Heiligen Drei Könige ins Zentrum des Reiches und die Heiligsprechung Karls des Großen stehen in einem engen Zusammenhang miteinander: der Sakralisierung des staufischen Königtums. Sie ist der Hintergrund für den Konflikt zwischen Kaisertum und Papsttum im hohen (staufischen) Mittelalter. Karl der Große wurde z.B. unter einem Gegenpapst kanonisiert. Die Heiligsprechung hat die Kirche jedoch später anerkannt, nicht zuletzt wegen der großen Verehrung des Frankenkönigs im Volk. Mehr hierüber in meinem Beitrag zur Heiligsprechung Karls des Großen hier auf Kathnews.

Bedeutende Pilgerstätten Europas: Köln und Aachen

Seit der Überführung der Heiligen Drei Könige entwickelte sich Köln zu einem bedeutenden Wallfahrtsort diesseits der Alpen, bis es schließlich durch die Aachener Heiligtumsfahrt mit ihren vier großen biblischen Reliquien wieder ein wenig in den Schatten gedrängt wurde, denn Aachen wurde nach Jersualem, Rom und Santiago de Compostela zum wichtigsten Wallfahrtsort von Nordeuropa. Dennoch blieb Köln für die Christenheit eine bedeutende Pilgerstätte, und das bis heute hinzu.

Die in Aachen gekrönten Könige huldigten den Heiligen Drei Königen in Köln

Die Verehrung der Heiligen Drei Könige war so bedeutsam, dass bei der liturgischen Feier anlässlich der Krönung in Aachen nicht das Formular der Karlsliturgie, wie man annehmen könnte, gewählt, sondern die Messe der Heiligen Drei Könige zelebriert wurde. Zumindest ist dies seit etwa dem Jahr 1300  belegt (vgl. Walter Kaemmerer, Aachener Quellentexte, Bd. 1, 99). Die Reliquien wurden von Herrschern aus aller Welt verehrt. Die in Aachen gekrönten Könige, die nahe der Grabesstätte Karls des Großen gesalbt (vgl. Walter Kaemmerer, Aachener Quellentexte, Bd. 1, 99) und dort gekrönt worden sind, pilgerten nach den Krönungsfeierlichkeiten von Aachen nach Köln. Dort zogen sie vom Westtor aus, da wo heute die Aachener Straße in Köln verläuft,  in den Dom. um den Heiligen Drei Königen zu huldigen, denn diese waren die Vorbilder irdischen Königtums.

Bau des Kölner Domes und Bau der gotischen Chorhalle des Aachener Domes

1248 begann man in Köln mit dem Bau des gotischen Domes. Die kostbaren Reliquien der Heiligen Drei Könige sollte ein steinernes Reliquiengehäuse nach dem Vorbild der Kirche St. Chapelle in Paris, der Palastkapelle der französischen Könige, in der die Dornenkrone Christi aufbewahrt und verehrt wurde, bergend umschließen. Es ist dieselbe Kirche St. Chapelle, die Pate stand für die gotische Chorhalle des Aachener Domes, die vor genau 600 Jahren, am 28. Januar 1414, unter Kaiser Sigismund fertiggestellt worden ist. Sie sollte die Gebeine Karls des Großen bergen.

Der Dreikönigschrein in Köln und der Karlsschrein in Aachen

20 Jahre nach der Übertragung der Dreikönigsreliquien begann man mit dem Arbeiten des Dreikönigenschreins in Köln. Er wurde um 1125 vollendet. Nach der Heiligsprechung Karls des Großen gab Friedrich Barbarossa den Auftrag, einen dem Kaiser würdigen Schrein anzufertigen. Der Aachener Karlsschrein wurde zwischen 1182 und 1215 fertiggestellt. Sowohl der Kölner Dreiköningenschrein als auch der Aachener Karlsschrein gelten – neben dem um 1239 vollendeten Marienschrein im Aachener Dom, in dem die großen biblischen Heiligtümer aufbewahrt werden -, zweifellos als die wichtigsten, kostbarsten und vor allem bedeutendsten Kunstwerke der Goldschmiedekunst im Rhein-Maas-Gebiet.

Foto: Dreikönigsschrein im Kölner Dom – Bildquelle: Andreas Gehrmann