„Keine Beichte! Alles fast bestens, Pater“

Buchvorstellung: Ein Roman über Schuld, Lachen und Gottvertrauen.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 19. Oktober 2014 um 11:02 Uhr

Ein Buch von Bernd Sobolla. Vor einiger Zeit besichtigte ein Freund von mir, für den Religion keine große Bedeutung hat, eine Kirche. Weil ihm seine Beine vom vielen Laufen wehtaten, setzte er sich und beobachtete eine Weile die Leute, die ein- und ausgingen, sowie den Beichtstuhl, der sich nur wenige Meter von ihm entfernt befand.Nach einer Weile kam ein Mann grinsend aus dem Beichtstuhl, dreht sich beim Rausgehen noch einmal um, winkte dem Priester zum Abschied zu und schloss dann lachend die Tür. Mein Freund war ziemlich irritiert, weil er mit einer Beichte – die er nur aus dem Fernsehen kannte – doch nicht Lachen und Freude verband, sondern Buße und Verdammnis. Ich weiß nicht, was in dem Gespräch zwischen dem lachenden Mann und dem Priester vorgefallen war. Aber diesen beiden (und natürlich allen anderen) ist dieses Buch gewidmet.

Vorwort

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit: Die digitale Entwicklung hat es möglich gemacht, dass wir mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren. In Sekundenschnelle erfahren wir, wer von unseren „Freunden“ (oft irgendwo in fernen Ländern) online ist, mit wem wir also chatten können beziehungsweise ob unser potentieller Gesprächspartner gerade mit anderen spricht oder per Skype verbunden ist. Besonders Jugendliche schaffen es mit Leichtigkeit, ein Dutzend „Gespräche“ gleichzeitig zu führen. Aber auch in der Erwachsenenwelt sieht es nicht wesentlich anders aus: In fast allen Unternehmen gibt es auch betriebsintern einen regen E-Mail- / SMS-Verkehr. Selbst wenn der Adressat direkt im Büro nebenan sitzt und man nur drei Schritte machen müsste, um mit ihm persönlich zu sprechen.

Darüber hinaus ist das Internet zu einem Medium mutiert, in dem viele Menschen bereit sind, über ihre intimsten Gedanken und Erfahrungen zu berichten: Beziehungsstress und Sexualprobleme, Therapiesitzungen und Kindheitstraumata, Kollegenschelte oder astrologische Ratschläge. Es gibt fast nichts, wozu die Nutzer keine Meinung hätten, keinen Rat wüssten, keine Erfahrung beisteuern könnten.

Natürlich gibt es viele Foren, in denen man sinnvolle Anregungen erhalten, interessante Informationen bekommen, neue Aspekte kennen lernen kann. Für viele ist allein die Tatsache, dass sie mit ihren Problemen nicht allein auf der Welt sind, schon ein gewisser Trost. Die scheinbare Anonymität der digitalen Welt sorgt aber auch dafür, dass viele Nutzer vor Millionen Menschen einen Seelenstriptease betreiben, der im direkten Kontakt mit Freunden undenkbar wäre. Das Selbstdarstellungsbedürfnis kennt keine Grenzen mehr. Manchmal ist es sogar Voraussetzung, um mit dabei zu sein. Rund um das Thema „Liebe“ zum Beispiel hat sich in den letzten Jahren eine Industrie entwickelt, die uns den „perfekten“ Partner vermitteln will. Partnersuchende offenbaren ihre Präferenzen, Ansprüche und auch persönlichen Fehler mit vielen Häkchen, Jas und Neins. Nicht nur in Großstädten finden sich auf diese Weise inzwischen mehr Paare als im „normalen“ Alltag. Allerdings ohne dass die Scheidungsrate signifikant gesunken wäre (in Deutschland liegt sie seit Jahren bei ca. 50 Prozent).

Gleichzeitig erleben wir, dass persönliche Begegnungen in allen Lebensbereichen abnehmen. War es im Sportverein früher üblich, nach dem Training noch etwas trinken zu gehen, sind diese Treffen weniger geworden. Mitarbeiter von Unternehmen treffen sich immer öfter zu Videokonferenzen, Jugendfreizeitheime kämpfen um Jugendliche, Kneipen um ihre Kunden, Kirchen um ihre Mitglieder. Im Falle der Kirchen fällt auf, dass die Priester in vielfacher Hinsicht einen schweren Stand haben. Zum einen haben die in den letzten Jahren aufgedeckten Missbrauchsskandale einen massiven Vertrauensverlust verursacht, der noch gar nicht abschließend eingeschätzt werden kann. Zum anderen sind viele Priester schlicht überlastet, weil aufgrund sinkender Mitgliederzahlen immer mehr Gemeinden zusammengelegt werden, diese aber zum Teil so weit auseinander liegen, dass eine regelmäßige direkte Begegnung mit den Menschen vor Ort nur noch sporadisch möglich ist. Und auch dann gibt es nur selten wirklich intensive, vertrauensvolle Begegnungen. Denn dazu gehört nicht nur ein Priester, der ein offenes Ohr, die Zeit zu verweilen und ein verständiges Herz hat. Es gehört auf der anderen Seite auch ein Mensch dazu, der den Willen und das Bedürfnis hat, sich zu öffnen und mitzuteilen.

Ein Beichtgespräch ist dabei noch einmal eine spezielle Situation. Geht es doch nicht nur um ein vertrauliches Gespräch. Es setzt auch Lebensreflektion voraus. Nicht übers Wetter und die allgemeine Lage soll gesprochen werden, sondern über Situationen, in denen wir Fehler begangen haben, es hätten besser machen sollen beziehungsweise müssen. Dieser Zahn nagt an uns und will, wenn nicht gezogen, so doch zumindest thematisiert sein.

Es ist interessant zu sehen, dass einerseits das Bedürfnis vieler Menschen, ihre Lebenssituation zu reflektieren, stetig steigt. Anders ist es gar nicht zu erklären, dass es nicht nur hierzulande immer mehr Psychologen gibt. In bestimmten Kreisen in den Großstädten der USA ist es fast schon peinlich, keinen Psychologen zu haben. Es gehört zum guten Ton, und viele Leute geben dafür eine Menge Geld aus. Andererseits wird das Gespräch mit Priestern nur wenig gesucht. Als bei meiner Tochter das Fest der Versöhnung anstand, wozu die Beichte (eines der sieben Sakramente) gehört, wurden die Eltern darauf hingewiesen, dass ein entsprechendes Beichtangebot natürlich auch für sie bestünde: „Von Zeit zu Zeit wäre das ja vielleicht angebracht …“ Von weit über 40 Eltern nahmen drei die Gelegenheit wahr. Keine Beichte! Alles fast bestens, Pater ist weder ein Plädoyer noch eine Aufforderung, kirchliche Rituale wiederzubeleben, sondern einfach nur ein unterhaltsamer Anstoß, das eigene Leben zu reflektieren. – Bernd Sobolla

Der Roman

Er hat vier Kinder von drei Frauen, und auch sonst ist Robert alles andere als ein Vorzeigekatholik. Dennoch glaubt der Endvierziger, mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Er mag zwar die Kirche als Ort des Zusammenkommens und allgemeine Behaglichkiet, kümmert sich aber um Regeln und Gebote kaum. Genau genommen führt er nur den Wunsch einer letzten (verstorbenen) Frau aus und bemüht sich darum, seine Kinder im Umfeld der Kirche großzuziehen. Als seine Tochter Maren vor der Erstkommunion steht und sie mit den anderen Kindern das Fest der Versöhnung begeht, kommt Robert dem Beichtstuhl gefährlich nahe. Die Einladung des unkonventionellen Priesters, näher zu treten, will er abschlagen, da er wenig von Beichte, Buße und Neuanfang hält. Aber vielleicht entsteht gerade deshalb zwischen den beiden ein offener Dialog über Religion und Sehnsucht, Schuld und Vergebung, Lachen und Gottvertrauen.

Leseprobe

Textquelle: Keine Beichte! Alles fast bestens, Pater

Bestellinformationen
Titel: Keine Beichte! Alles fast bestens, Pater
Autor: Bernd Sobolla
Taschenbuch: 127 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3000430113
ISBN-13: 978-3000430114
Preis: 14,80 EUR
Größe und/oder Gewicht: 26 x 19,5 x 1,5 cm
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Foto: Umschlagbild – Bildquelle: Ralf Sobolla – © Edition Bernd Sobolla, Berlin