Keine Angst vor der Beichte!

Papst spricht beim Angelusgebet über die Barmherzigkeit Gottes.
Erstellt von Radio Vatikan am 2. August 2015 um 22:48 Uhr
Beichtstuhl

Vatikan (kathnews/RV). Die Beichte ist kein Gang vor einem strengen Richter. Das sagte der Papst beim Angelusgebet an diesem Sonntag auf dem Petersplatz. Franziskus erinnerte in seiner Rede nach dem Mittagsgebet an die sogenannte „Vergebung von Assisi“, der mit dem Portiunkula-Ablass jeweils am 1. und 2. August begannen wird. Es handele sich um eine bedeutende Geste, die den Gläubigen durch die Sakramente der Vergebung und der Eucharistie „zum Herrn führt“, so der Papst. Viele hätten vergessen, wie wichtig die Beichte sei. Man müsse immer daran denken, dass die Beichte „ein Gespräch mit dem unendlich barmherzigen Vater“ sei. Die Scham bei der Beichte sei nichts Schlimmes. Franziskus betonte, dass diese Scham „eine Gnade“ sei, „die uns auf die Umarmung durch den Vater vorbereitet, der immer vergibt und immer alles vergibt“.

Schenken ist wichtiger als Geschenk

Beim Angelus am 18. Sonntag im Jahreskreis ging der Papst in seiner Ansprache vor dem Mittagsgebet auf das Tagesevangelium (Joh 6,24-35) ein. Es ging um die Fortsetzung der biblischen Erzählung unmittelbar nach der Brotvermehrung durch Jesus. Die Menschen suchten ihn und fanden Jesus bei der Synagoge von Kafarnaum. Jesus habe den Grund für so viel Begeisterung konkret benannt: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid“, heißt es im Evangelium und so hätten die Menschen damals Jesus aufgrund des materiellen Brotes aufgesucht. Das Brot sei wichtiger gewesen als die Geste des Schenkens, erläuterte der Papst. Und so hätten sie nicht verstanden, dass das Brot Jesu eigentlich Ausdruck seiner Liebe gewesen sei. Auf das Heute übertragen, bedeute dies: Jeder soll über die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse hinausgehen und stattdessen die wesentlichen Bedürfnisse des Lebens aufsuchen. Diese seien in Jesus zu finden. Das bedeute auch, dass man jenseits der täglichen Sorgen und Ängste hinausschauen sollte. Gott schenke den Menschen die irdischen Güter für ihren Lebensunterhalt, doch viele blickten nur auf dieses Geschenk, nicht auf den schenkenden Gott.

Hunger nach Leben und Ewigkeit

Der Herr habe den Gläubigen darauf hinweisen wollen, dass der Mensch ein anderes und wichtigeres Bedürfnis habe: „den Hunger nach Leben, den Hunger nach Ewigkeit“. Diesen Hunger könne nur Gott stillen, da Er das „Brot des Lebens“ sei. Jesus selber werde so zum „Sinn des menschlichen Lebens“ und durch die Eucharistie könne jeder Gläubige dieses Geschenk annehmen, der das Herz und Seele sättige. „Das ,Brot des Lebens´ ist uns geschenkt worden, damit wir unsererseits den geistlichen und materiellen Hunger der Brüder und Schwestern stillen können, indem wir das Evangelium überall, auch in den existentiellen Peripherien, hinaustragen“, so der Papst. „Wir benötigen die Gegenwart Gottes in unserem täglichen Leben so sehr“, fügte Franziskus an. „Der Herr lädt uns ein, nicht zu vergessen, dass es richtig ist, sich um das materielle Brot zu kümmern. Noch notwendiger aber ist es, den Glauben an Ihn zu stärken, der unser Verlangen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Trost sättigt.“

Foto: Beichtstuhl – Bildquelle: Bene16