Iudica me, Deus – Verschaff mir Recht, o Gott

Modell einer mystagogischen Einführung in die Liturgie vom 5. Fastensonntag ("Passionssonntag") nach der ordentlichen Form des Römischen Ritus. Der Brauch, die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhüllen, soll auch in der ordentlichen Form des Römischen Ritus beibehalten werden (vgl. MR).
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 12. März 2016 um 09:34 Uhr
Kreuzigung Christi

In der Liturgie des heutigen fünften Fastensonntages tritt stärker als an den anderen Sonntagen der vorösterlichen Bußzeit das Leiden Christi in den Vordergrund. Der Sohn Gottes “hat sich aus Liebe zur Welt dem Tod überliefert” (Tagesgebet). Das Opfer Christi, das sich in dieser Stunde auf dem Altar vollzieht, reinigt uns (Gabengebet), und der Empfang des Leibes und Blutes Christi verbindet uns mit seinem Leib, so dass wir “lebendige Glieder Christi bleiben” (Schlussgebet). Die Einheit mit Christus und seinem Leiden stärkt uns in der Liebe (Tagesgebet) und ist Unterpfand des Ewigen Lebens. Die mystagogische Einführung nimmt Bezug auf das Tages-, Gaben- und Schlussgebet.

Anmerkung: Weil ab dem fünften Fastensonntag in der Liturgie der Kirche das Leiden Christi mehr in den Blick kommt, wird dieser Sonntag in der außerordentlichen (klassischen) Ausdrucksform des Römischen Ritus nicht zu Unrecht “Passionssonntag” genannt: Sonntag des Leidens. Auch in der ordentlichen Form des Römischen Ritus soll nach Möglichkeit der Brauch (usus) der Verhüllung der Kreuz bestehen bleiben (siehe entsprechende Rubrik im Missale Romanum Pauls VI.): “Der Brauch, die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhülle, soll beibehalten werden.”

“Die Kreuzverhüllung soll daran erinnern, daß Jesus während seines Leidens seine Gottheit verhüllte. Die Verhüllung der Altarbilder bis zum Auferstehungsgottesdienst der Osternacht dagegen” erinnert “die Menschen an ihre Gebrechlichkeit und Sündhaftigkeit … . In der Fastenzeit” soll “man den Blick nicht zu Gott erheben, sondern demütig um Verzeihung bitten. Erst der Erlösungstod Jesu am Karfreitag macht den Blick zu Gott wieder frei” (Walter Lang, Christusbegegnung im Kirchenjahr. Vergegenwärtigung des Heilsgeschehen im Jahresablauf, München 2006, 187).

Foto: Kreuzigung Christi – Bildquelle: Manuel Gómez