In Christi Auferstehung erfüllt sich das Alte Testament

Homilie des heiligen Meliton von Sardes anlässlich des Osterfestes. Text: Praeconium Christi, Cap. 2-7, 100-103; SC 123, 60-64, 120-122. Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 15. April 2017 um 17:00 Uhr
Christus Pantokrator

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Jo 20, 1-9)

1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.  6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.

Homilie des heiligen Meliton von Sardes

Begreift es, Geliebte:

Neu und alt ist das Ostergeheimnis,

ewig und zeitlich,

vergänglich und unvergänglich,

sterblich und unsterblich.

Alt ist es nach dem Gesetz,

neu nach dem Wort;

zeitlich wegen des Vorbildes, ewig wegen der Gnade;

vergänglich wegen der Opferung des Schafes, unvergänglich wegen des Lebens des Herr;

sterblich wegen seines Grabes in der Erde, unsterblich wegen seiner Auferstehung von den Toten.

Alt ist das Gesetz, neu das Wort;

zeitlich ist das Vorbild, ewig die Gnade;

vergänglich ist das Lamm, unvergänglich der Herr.

Er ist wie ein Lamm geopfert, wie Gott auferstanden.

Denn wie ein Schaf ist er zur Schlachtbank geführt und doch war er kein Schaf.

Wie ein Lamm war er stumm, doch war er kein Lamm. Denn das Vorbild verging und die Wahrheit ist erschienen: anstelle des Lammes ist Gott und anstelle des Schafes ein Mensch, im Menschen aber ist Christus, der alles umfaßt.

Also haben die Opferung des Schafes, die Feier des Pascha und der Buchstabe des Gesetzes ihr Ende gefunden in Jesus Christus, um dessentwillen alles geschah, um so mehr aber in der neuen Ordnung.

Denn das Gesetz ist Wort geworden und das Alte das Neue (beides aber kam vom Sion und aus Jerusalem),

das Gesetz ging in die Gnade über,

die Vorbild in die Wahrheit, das Lamm in den Sohn,

das Schaf in den Menschen und der Mensch in Gott.

Obwohl er Gott war, nahm der Herr die Menschennatur an,

er litt für den Leidenden,

wurde gefesselt für den Gefangenen,

verurteilt für den Schuldigen,

begraben für den Begrabenen,

ist auferstanden von den Toten und ruft mit lauter Stimme: „Wer ist es, der mich verurteilt? Er möge zu mir kommen. Ich habe den Verurteilten befreit, dem Toten das Leben gegeben, ich habe den Begrabenen aufgeweckt.

„Wer wird mir widersprechen?

Ich, sagt er, bin Christus,

der ich den Tod vernichtet habe,

der ich über den Feind triumphiert habe,

der ich die Hölle zerstört habe,

der ich den Starken gebunden und den Menschen in die Höhe des Himmels fortgeführt habe.

Ich, sage ich, der ich Christus bin.

Kommt also, all ihr Nationen von Menschen, die ihr durch Sünden eng verbunden seid, und empfangt den Nachlass von den Sünden.

Denn ich bin eure Vergebung,

ich bin das österliche Heil,

ich das für euch geschlachtete Lamm,

ich bin eure Reinigung,

euer Leben,

eure Auferstehung,

euer Licht,

euer Heil,

eurer König.

Ich erhebe euch in die himmlische Höhe,

ich werde euch auferwecken und euch den Vater zeigen, der im Himmel ist. Mit meiner Rechten werde ich euch auferwecken.“

Über den heiligen Meliton von Sardes (gest. um 180 n. Chr.)

Melito (griechisch Μελίτων ΣάρδεωνMelíton Sárdeon, gest. um 180 n. Chr.) war Bischof in Sardes bei Smyrna. Von ihm ist die älteste überlieferte Zusammenstellung eines Kanons des christlichen Alte Testaments überliefert. Melito wird in der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt.

Über Melito sind Details nur bei Eusebius von Caesarea überliefert. Als einer der frühen Apologeten  verteidigte er das Christentum gegenüber Kaiser Mark Aurel.

Eusebius berichtet, Melito habe das Heilige Land bereist, um die Schriften der jüdischen Bibel zu sichten. Seine Zusammenstellung des Alten Testaments enthält nur die hebräischen Schriften und ähnelt damit sehr dem jüdischen Kanon des Tanach.

Im Osterstreit zählte er zu einem wichtigen Vertreter der Quartodezimaner, die eine Feier des Osterfestes am 14. Nisan forderten.

Melito wird eine Homilie zu Ostern Peri pascha zugeschrieben, die in drei Handschriften überliefert ist. Diese weist starke antijüdische Züge auf. (Quelle: Wikipedia)

Foto: Christus Pantokrator – Bildquelle: Wikipedia/Zenodot Verlagsgesellschaft mbH