Herbst 2018 – Doppeljubiläum in  Aachen

40 Jahre Weltkulturerbe  Aachener Dom und 200 Jahre „Monarchenkongress“.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 1. September 2018 um 13:12 Uhr
Aachener Dom

Von Gero P. Weishaupt

Aachen (kathnews). Es wurde schon in einem anderen Zusammenhang bei Kathnews darauf hingewiesen: Das Jahr 2018 ist in vieler Hinsicht ein Gedenk- und Jubiläumsjahr: 1618 Ausbruch des 30jährigen Krieges, 1918 Ende der Monarchien, 1948 Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen, 1968 Studentenrevolte, im selben Jahr schenkte der (in Kürze heilige) Papst Paul VI. der Menschheit die prophetische Enzkylika „Humanae vitae“ und der Kirche das „Credo des Gottesvolkes“.

Für die Kaiserstadt Aachen ist das Jahr 2018 ebenfalls (wieder) ein Jubiläumsjahr besonderer Art. Vor  40 Jahren, am 31. März 1978, hat die Unesco den Aachener Dom als erstes Bauwerk in Deutschland auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Eine Bronzetafel im Domhof erinnert daran. Und vor 200 Jahren trafen sich drei Monarchen mit ihren Ministern in Aachen zum Friedenskongress, der als der „Monarchenkongress“ in die Geschichte eingegangen ist.

Festwoche

Mit einer Festwoche vom 23. bis 30. September feiert Aachen das 40-jährige Jubiläum seines Domes als UNESCO-Weltkulturerbe. Der Aachener Dom war als erste von jetzt 42 Welterbestätten in Deutschland im Jahr 1978 ausgezeichnet worden. Zur Eröffnung und zum Abschluss findet im Aachener Kaiserdom ein feierliches Pontifikalamt statt mit dem Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser. In der Festwoche stehen u.a. Vorträge, Theateraufführungen und Konzerte auf dem Programm. In speziellen Domführungen können die Besucher an diesen Tagen auch Orte besichtigen, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Zur Festwoche, die unter dem Motto „Aachener Dom. Erbe für die Welt“ steht, wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet.

Krönungsmusik

Der „klingende Dom“ ist ein weiterer Schwerpunkt. „Musik war für Karl den Großen ein wichtiger Bereich, Aachen ein Zentrum der mittelalterlichen Musikentwicklung“, erklärt Domkapellmeister Berthold Botzet der Aachener Zeitung. Daher wird der Gregorianische Choral der „roter Faden“ im Musikprogramm sein. Der Dom war jahrundertelange DIE Krönungskirche des Heiligen Römischen Reiches. Klanglich soll dies in einer Aufführung der Musik zur letzten Aachener Krönung 1520/1530 in Erinnerung gerufen werden (Nicolas Gombert, Missa a la incoronatione).

Warum der Aachener Dom in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden ist

Der Aachener Dom gehört bekanntlich zu den besterhaltenen Baudenkmälern der Karolingerzeit. Kaiser Karl der Große hatte Aachen um 800 zum Mittelpunkt seines europäischen Reiches gemacht. Im „zweiten Rom“ baute er seine zentrale Residenz mit der Pfalzkapelle, dem Kernbau des heutigen Doms. Der Dom ist seine Grabeskirche. Sie ist Krönungs- und Wallfahrtskirche.

Der Aachener Dom wurde am 8. September 1978 als erstes deutsches Bauwerk überhaupt von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet. Damit entspricht der Aachener Dom den Kriterien für die Aufnahme in diese renommierte Liste: Er hat eine herausragende universelle Bedeutung wegen seiner Historie, seiner Architektur und seiner einzigartigen sakralen Kunstschätze (der Dom birgt den reichsten Kirchenschatz nördlich der  Alpen). Zudem ist er für die Wissenschaft von höchstem Interesse.

Folgende Kriterien sind für die Auszeichung des Aachener Domes als Weltkulturerbe vor allem maßgebend gewesen gewesen:

  • Der Aachener Dom stellt ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft dar.
  • Er zeigt einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung von Architektur.
  • Er stellt ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden dar, der bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit versinnbildlicht.
  • Er ist in erkennbarer Weise mit Ereignissen der Geschichte, mit Ideen und dem christlichen Glaubensbekenntniss, außerdem mit künstlerischen und literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft.

Drei Monarchen bekräftigen in Aachen die „Heilige Allianz“

Der Herbst 2018 steht in Aachen darüber hinaus auch noch für ein Ereignis, das für die Geschichte Europas nachhaltig gewesen ist: Vom 27. September bis 21. November 1818 tagte der dritte Friedenskongress in Aachen.  Aachen war damals schon als internationaler Kongressort beliebt. Der erste Kongress fand 1648 statt und beendete den sogenannten Devolutionskrieg zwischen Ludwig XIV. von Frankreich und Spanien. 1748 fand mit dem „Frieden von Aachen“ auf dem zweiten Friedenskongress der österreichische Erbfolgekrieg ein Ende. Händel komponierte aus Anlass des „Friedens von Aachen“ seine berühmte „Feuerwerksmusik“. Der dritte Friedenskongress von 1818 steht im Zusammenhang mit dem Wiener Kongress von 1815. Dieser führte zu einer Regelung der europäischen Verhältnisse am Ende der Herrschaft Napoleons. In Wien verabredete man, noch offene Fragen in Aachen zu klären.

Am diesem sogenannten „Monarchenkongress“ in Aachen nahmen die drei gekrönten Häupter der Siegermächte teil: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (Aachen gehörte seit dem Wiener Kongress verwaltungsmäßig zu Preußen), Kaiser Franz I. von Österreich und der russische Zar Alexander. Ihnen zu Ehren wurden später  drei Straßen der Aachener Innenstadt, in denen die Monarchen ihr Quartier hatten, unbenannt: Friedrich-Wilhelm-Platz (am Elisenbrunnen), Franzstraße (sie führt vom Marschiertor und der folgenden Kleinmaschierstraße zum Dom) und die Alexanderstraße.

Es ging vor allem um Frankreich

Auf dem Aachener Monarchenkongress konnte Frankreich eine Herabsetzung der Entschädigungszahlungen und den Abzug von dort stationierten Besatzungstruppen der Alliierten erreichen. Anlässlich des 5. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1818 bekräftigten die drei beteiligten Monarchen die „Heilige Allianz“. Österreich, Großbritannien, Preußen und Russland beschlossen in Aachen, Frankreich wieder als gleichberechtigt anzusehen.

An den Verhandlungen in Aachen nahmen neben den drei gekrönten Protoganisten hochrangige Diplomaten teil, unter ihnen Fürst Wellington und Fürst von Metternich, der maßgeblich den Wiener Kongress bestimmt und das Zeitalter der Restauration eingeleitet hatte.

Orte der Erinnerung an den „Monarchenkongress“ in Aachen

In  Aachen erinnern noch die Kongressstraße, das Kongressdenkmal im Aachener Stadtpark, das nach Plänen des preußischen „Stararchitekten“ Schinkel entworfen worden ist, und das rechtzeitig zum Jubiläum restaurierte „Gut Kaisersruh“ im Norden der Kaiserstadt, an der Grenze zum Vorort Würselen gelegen, an den Aachener Friedenskongress von 1818. In „Gut Kaisersruh“ hat Zar Alexander fernab vom Kongress einige Zeit der Ruhe und Muße verbracht.

Foto: Nordseite des Aachener Domes – Bildquelle: Lokilech