„Heitere Philosophie. Philosophieren mit Johann Nestroy – dem witzigsten österreichischen Philosophen“

Eine Buchbesprechung von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 10. Januar 2017 um 08:36 Uhr
Patrimonium-Verlag

Ist es nicht eigentlich albern und sogar Zeitverschwendung, die Werke eines Komödiendichters auf ihren philosophischen Gehalt zu untersuchen? Josef Seifert, der viele Jahre als Rektor an der Internationalen Akademie für Philosophie tätig war, scheint dies nicht zu befürchten und legt mit „Heitere Philosophie. Philosophieren mit Johann Nestroy – dem witzigsten österreichischen Philosophen“ im Patrimonium-Verlag ein kompaktes Werk vor, das den Leser stellenweise laut auflachen lässt. Allerdings dürfte die Komik noch deutlicher werden, wenn man einer Aufführung des jeweiligen Stücks beiwohnen würde.

Nestroy wirkte im 19. Jahrhundert als Schauspieler und Verfasser zahlreicher Bühnenstücke. Im Alter von nur 60 Jahren starb er 1862 in Graz. Wo hat hier die Philosophie ihren Platz? Seifert kommentiert: „Es kann durchaus befremden, einen so häufig zum Sarkasmus, ja nach der Meinung mancher zum Zynismus und in seinem Leben und Werk zur extremen Leichtfertigkeit neigenden Komödiendichter wie Johann Nestroy als Philosophen zu bezeichnen. Und doch ist Nestroy ein durchaus philosophischer Autor, der in seinen Stücken und Couplets nicht nur oft Perlen von Menschenbeobachtung ausstreut, die zumindest implizite philosophische Erkenntnisse enthalten, sondern der auch häufig echte philosophische Einsichten zum Ausdruck bringt, die es nur ins volle Bewußtsein zu heben gilt, um den philosophischen Gehalt seiner Werke zu erweisen.“

Im ersten Teil, „Erkenntnistheorie auf heitere Art und amüsante Logik“, finden sich viele Beobachtungen, von denen man nicht immer sagen kann, dass es sich wirklich um philosophische Erkenntnisse handelt. Vieles könnte man sicherlich einfach einem gesunden Menschenverstand zuschreiben, der damals wohl noch wesentlich häufiger anzutreffen war als heutzutage. Die folgenden Teile beschäftigen sich nacheinander mit Metaphysik, philosophischer Anthropologie, Ethik, politischer Philosophie (hier hat Nestroy im Zusammenhang mit den revolutionären Geschehnissen von 1848 ganz praktische und persönliche Erfahrungen machen können) und Religionsphilosophie.

An dieser Stelle seien abschließend noch zwei kleine Kostproben geboten. Auf die Schwierigkeiten eingehend, „das Ideal ehelicher Liebe, dem Nestroy viele sehr schöne Texte gewidmet hat, auch konkret zu realisieren“, zitiert Josef Seifert aus dem Stück „Einen Jux will er sich machen“. Dort sagte Madam Knorr: „Da kann man sehn, die Ehen werden im Himmel geschlossen. Worauf Weinberl mit Witz antwortet: „Richtig bemerckt[,] im Himmel werden s’ geschlossen, drum erfordert dieser Stand auch meistens eine überirrdische Geduld.“

Und zum Verhältnis zwischen Sein und Sollen findet sich folgende Stelle aus „Kampl“. Jener Arzt Kampl fragt nämlich die Greißlerin, was ihrem Mann denn fehle. Diese antwortet: „O Gott der Mann is gar nit, wie er seyn soll.“ Die trockene Replik des Arztes: „Daß is eine ⋅grassirende⋅ Krankheit b[e]y d’ Männer, daß so viele nicht so seyn, wie s’ seyn soll’n.“ Alles in allem handelt es sich bei „Heitere Philosophie“ um ein kurzweiliges Buch, das philosophische Themen dem Leser auf augenzwinkernde Art näherbringt.

Martin Bürger

Bibliografische Informationen:

Josef Seifert
Heitere Philosophie. Philosophieren mit Johann Nestroy – dem witzigsten österreichischen Philosophen
Broschur, 212 Seiten
Patrimonium-Verlag
ISBN 978-3-86417-052-2
14,80 Euro

Foto: Heitere Philosophie (Buchcover)- Bildquelle: Patrimonium-Verlag