Gendertheorie – Eine Ideologie ignoriert philosophisch-anthropologische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse

„Gender“ ist ein allgegenwärtiger Begriff. Von „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ über „drittes Geschlecht“ bis hin zu „intersexuellen Toiletten in öffentlichen Gebäuden“ wird so ziemlich alles unter diesen Begriff verpackt. Biologische Grundwahrheiten zu leugnen, führt eben gerade nicht zu Toleranz, sondern zu Verdrängung, Vorurteilen und Diskriminierung betroffener Menschen. Doch was hat es mit Gender genau auf sich? Ein Beitrag von Ramon Rodriguez (f1rstlife).
Erstellt von kathnews-Redaktion am 18. November 2017 um 11:31 Uhr
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Von Ramon Rodriguez:

(kathnews/f1rstlife). Vor einiger Zeit sorgte ein Plakat an den Toilettentüren der Universität Regensburg für reichlich Diskussionen. An Herrentoiletten wurde ein Blatt befestigt, auf dem stand, dass diese Toilette nun eine „Unisex-Toilette sei“, die für „Personen aller Geschlechter offen“ stünde. Wer hinter dieser Aktion steckte, welche vorgab, eine offizielle Maßnahme der Universität zu sein, ist bis heute unklar. Nun aber könnte dieselbe Aktion bald von offizieller Seite durchgeführt werden. Jüngst kam der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, dass neben den Geschlechtern „männlich“ und „weiblich“ auch ein drittes Geschlecht eingeführt werden muss.

Allgemein hat die Gender-Theorie längst auch offiziell Fuß gefasst an den deutschen Universitäten. So gibt es statt den „Studentenausweis“ mittlerweile den „Studierendenausweis“, „Studierendenwerke“ und Fachschaften werben für ihre Veranstaltungen Student*innen an. Sogar ein eigenes Fach für „Gender-studies“ wird in vielen Universitäten angeboten. Auch in der breiten Gesellschaft scheint die Thematik „Gender“ immer weiter an Bedeutung zu gewinnen. Doch was genau bedeutet eigentlich der Begriff „Gender“, was ist sein Ziel und wie sinnvoll ist er?

Was bedeutet der Begriff „Gender“?

Das englische Wort „Gender“ soll das soziale Geschlecht bezeichnen und wird dem englischen Wort „sex“ für das biologische Geschlecht gegenübergestellt. Anders als die Vorstellung von einem rein biologisch festgelegtem Geschlecht sei das soziale Geschlecht frei wähl- und veränderbar. So schreibt das „GenderKompetenzZentrum“: „Die gegenwärtige Forschung geht davon aus, dass ,Geschlecht‘ immer soziale, kulturelle, politische und biologische Komponenten beinhaltet, die sich historisch verändern können.“

Was ist das Ziel des „Genderns“?

Vertreter dieser Gendertheorie versuchen meist, diese Idee auch politisch umzusetzen, allgemein bekannt als Gender-Mainstreaming: Ziel sei es, Männer und Frauen in allen Bereichen gleichzustellen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend definiert: „Der internationale Begriff Gender-Mainstreaming lässt sich am besten mit Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit übersetzen. Das Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern grundsätzlich und systematisch zu berücksichtigen.“

Wie sinnvoll ist „Gendern“?

Die offiziell formulierten Ziele, die Gender-Mainstreaming erreichen möchte, werden wohl von den allermeisten als positiv und sinnvoll wahrgenommen. So steht es außer Frage, dass niemand aufgrund seines Geschlechts oder seiner Sexualität in irgendeiner Weise benachteiligt werden sollte. Warum also ist „Gender“ so umstritten?

Dies liegt vor allem daran, dass die Methode, mit der die eben genannten Ziele erreicht werden sollen, aus mehreren Gründen als fraglich gelten. Die wohl wichtigste Frage ist, ob die Aussage, dass es biologisch und sozial die verschiedensten Geschlechter gibt, zutreffend ist. Wer z.B. in den USA Facebook beitritt, kann beim Erstellen seines Profil aus 60 verschiedenen Geschlechtern auswählen. Mögliche Geschlechter sind neben männlich und weiblich hier z.B.: androgyn, genderqueer, pangender, trans*, inter, butch, drag, crossgender und viele mehr.

Aus biologischer Sicht ist die Frage klar zu beantworten: Es gibt zwei Geschlechter, welche sich nicht, auch nicht durch Operation und Hormonbehandlung, verändern lassen. Wer z.B. eine Frau ist, ist dies in jeder einzelnen Zelle ihres Körpers. Und wer ein Mann ist, ist in jeder Zelle männlich. Nun gibt es aber Menschen, die auch genetisch nicht eindeutig als Mann oder Frau zuzuordnen sind. Dies wird dann unter “Intersexualität” geführt. Aber auch der Verweis auf die (sehr selten vorkommende) Intersexualität tut der Tatsache, dass der Mensch grundsätzlich entweder klar männlich oder klar weiblich ist, keinen Abbruch. Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei dem Phänomen der Intersexualität um eine „Sexualdifferenzierungsstörung“, welche kein Widerspruch zur grundsätzlichen Unterscheidung in männlich und weiblich ist.

Wie aber verhält es sich zum psychologischen Geschlecht? Was ist, wenn eine Person genetisch klar als Mann oder Frau zuzuordnen ist, sich aber nicht so fühlt; also transsexuell ist? In diesem Fall spricht die Medizin von einer „psychischen Störung der Geschlechtsidentität“, welche in der offiziellen Diagnoseliste ICD 10 als solche geführt ist.

Zurück zur Gender-Theorie

Die Gender-Theorie versucht nun aber, die Geschlechtlichkeit des Menschen sowohl auf biologischer als auch auf sozialer Ebene zu relativieren und als etwas Konstruiertes darzustellen. „Die Geschlechterrollen seien von der Gesellschaft erschaffen und müssten nun endlich überwunden werden“, ist eine häufig gestellte Forderung; die jedoch leider allen naturwissenschaftlichen und medizinischen Ergebnissen zuwiderläuft. Das Schöne und Wertvolle in einem säkularen Staat sollte gerade die Tatsache sein, dass Ideologie nie über wissenschaftlicher Erkenntnis stehen darf.

Zurecht kommt immer wieder der Hinweis, dass unsere Gesellschaft offen und tolerant sein muss, niemanden diskriminieren dürfe und alle einschließen soll. Dies steht gesellschaftlich außer Frage und wird von niemanden ernsthaft bestritten. Wo tatsächliche Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder Sexualität stattfindet, ist jeder dazu aufgerufen, dieser entschlossen entgegenzutreten. Die „Gretchenfrage“ hierbei ist nur, ob die Methodik des „Genderns” hierbei die richtige ist: Biologische Grundwahrheiten zu leugnen, führt eben gerade nicht zu Toleranz, sondern zu Verdrängung, Vorurteilen und Diskriminierung betroffener Menschen.

Auch dürfte fraglich sein, ob „Gendern“ eine geeignete Methode ist, berufliche Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen. Denn: Wer Chancengleichheit möchte, muss die tatsächlich bestehenden Differenzen von Mann und Frau offen wahrnehmen und dann genau darauf achten, in welchen Punkten Frauen tatsächlich benachteiligt werden und wie man diese Benachteiligung beseitigen kann. Jeden Unterschied zwischen Mann und Frau einfach zu relativieren greift deutlich zu kurz. Das Problem ist nicht, dass sich Männer und Frauen in manchen Dingen unterscheiden. Das Problem ist, dass einige diese Unterschiede be- und abwerten. Hiergegen muss die Gesellschaft und auch der Staat entschieden vorgehen, wenngleich sich auch gezeigt hat, dass Zwang und Quoten keinem helfen. Eine Bewusstseinsschärfung für das Richtige ist das einzige, was dauerhaft Erfolg versprechen kann.

Die „Gender-Theorie“ steht deshalb oft stark in der Kritik, weil sie das Fundament unseres Menschenbildes, welche das Grundgesetz mit seiner Ausrichtung auf die unbedingte Menschenwürde durchdringt, versucht zu negieren. Die Auswirkungen betreffen nicht nur universitäre- und behördliche Strukturen, sondern auch direkt unsere Gesellschaft, unser Bild von Ehe- und Familie und unser Menschenbild an sich.

Abschließend gilt festzuhalten: Ideologie darf nie über Tatsachen stehen.

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