Evangelischer Landesbischof warnt vor falschem Begriff von Freiheit

Das Verhältnis zwischen Glaube und Wirtschaft.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 25. April 2016 um 08:25 Uhr
Gerhard Ulrich

Lübeck (kathnews/hl-live). Vor einem „Freiheitsbegriff, der sich ablöst von der Verantwortung füreinander und für die Welt insgesamt“, warnte Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland am Samstag in Lübeck-Schlutup. Zum Auftakt der Mitgliederversammlung des Oikocredit Förderkreises Norddeutschland e.V., zu der sich rund 100 Teilnehmer in der Schlutuper St. Andreas Fischerkirche versammelt hatten, hielt Ulrich einen Impulsvortrag.

Wichtige Lehren aus der Finanzkrise von 2008 seien schon weitgehend vergessen, so der Landesbischof: „Da wird wieder ungeniert von den ‚freien Kräften des Marktes‘ geredet, denen man getrost die Entwicklung überlassen solle, die würden es schon richten.“ Ulrich weiter: „Diese Art Freiheit droht, sich auf Kosten anderer, nicht Starker, sondern Schwacher, zu entfalten. Solche Freiheit wäre so frei, Menschen, Gruppen, Ethnien abzuhängen! Der Markt ist jedoch nur dann eine Kulturleistung, wenn er in den Händen aller Menschen sich gestaltet. Freiheit und Regeln sind keine Widersprüche. Die Entfaltung von Leistungsträgern und die Teilhabe aller an wirtschaftlichem Fortschritt ist keine Utopie. Was wir brauchen, ist eine soziale Marktwirtschaft, die dem Menschen dient – hier und global.“

Im Blick auf das Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter sei die Frage, ob Christen dem Einzelnen helfen oder Strukturen verändern sollten, eine Scheinalternative: „Nächstenliebe ist der starke Impuls, in der Nachfolge Jesu dem Einzelnen zu helfen und an einer Gesellschaft mitzubauen, in der alle gleich wertvoll sind – und das weltweit.“

Landesbischof Ulrich würdigte das Engagement der Genossenschaft Oikocredit. Sie zeige, wie nachhaltige Kreditversorgung über Finanzmärkte funktioniere: „Sie sind für mich Pioniere des Andersmachens, der ethisch orientierten Finanzierung und der notwendigen globalen Transformation zu einer Wirtschaftsweise, die mit der Bewahrung menschlichen Daseins und der Schöpfung vereinbar ist.“

Foto: Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche – Bildquelle: NEK/Arendt Schmolze