Ein völlig neuer Anfang: Die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau Maria

Mystagogische Einführung und Homilie zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens (8. Dezember), (ordentliche Form des römischen Ritus).
Erstellt von kathnews-Redaktion am 7. Dezember 2017 um 17:58 Uhr
Hl. Gottesmutter Maria

Aufgabe einer mystagogischen Einführung ist es, die Gläubigen in wenigen Worten in das Geheimnis der liturgischen Feier einzuführen. Ausgangspunkt sind die Gebete des Sonn- und Festtages.

In der Homilie „ sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Schriften der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie.

Mystagogische Einführung (Gero P. Weishaupt)

Wir feiern das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Gott hat „Maria vor der Erbschuld bewahrt, …. sie mit der Fülle der Gnade beschenkt, da sie erwählt war, die Mutter (seines) Sohnes zu werden“ (Präfation). So sieht die Kirche das Wort des Propheten Jesaja erfüllt, dass der Herr Maria „in Gewänder des  Heils“ gekleidet, „in den Mantel der Rettung“ gehüllt und sie „köstlich wie eine Braut“ geschmückt hat (Eröffnungsvers).

Das Opfer Christi, das wir feiern, „(b)efreie uns auf ihre Führsprache aus der Verstrickung in das Böse, damit auch wir heilig und makellos vor (Gott) stehen“ (Gabengebet).

Homilie (Josef Spindelböck)                                             

L1: Gen 3,9-15.20; L2: Eph 1,3-6.11-12; Ev: Lk 1,26-38

Einen völlig unbelasteten Anfang, einen Neubeginn ohne Hypotheken, also ohne Schuldverschreibungen und Schuldforderungen, eine Hoffnung, die nicht getrübt ist und die in eine erfüllte Zukunft weist – das wünschen wir uns alle!

Die frohe Botschaft des Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria lautet: Dieser neue Anfang ist von Gott her möglich und wurde der Menschheit tatsächlich geschenkt in Maria.

Maria war frei vom Erbe der Schuld Adams, und zwar vom ersten Anfang ihrer Existenz an, als sie selber empfangen wurde im Schoß ihrer Mutter Anna. Gott hat dieses Kind Maria erwählt von Ewigkeit her (vgl. Eph 1,4–5), damit sie die menschliche Mutter seines Sohnes werden konnte. Denn um unseres Heiles willen wollte Gott die Menschen nicht ihrem selbst verschuldeten Schicksal überlassen und hat uns einen Erlöser gesandt (vgl. Gen 3,15). Dieser befreit uns von aller Schuld und den damit verbundenen Folgen; er schenkt uns das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

All das Große und Schöne, das Gott an Maria getan hat, ist nicht als persönliche Auszeichnung für sie zu verstehen; sie versteht sich ja selber ganz als die demütige Magd des Herrn (vgl. Lk 1,38). Das Heilshandeln Gottes an Maria gilt für uns alle. Das, was Gott an Maria gewirkt hat im Heiligen Geist, hat er um unseres Heiles willen getan, damit der Sohn Gottes eine würdige Mutter auf Erden haben konnte. Maria durfte aufgrund ihrer einzigartigen Begnadung den Erlöser in ihrem Herzen auf vollkommene Weise im Glauben aufnehmen, und so ist Maria für die Kirche insgesamt wie ein Modell ihres Ursprungs und ihrer Vollkommenheit.

In Maria, der Unbefleckten Empfängnis, leuchtet die Kirche so auf, wie sie von Gott her gedacht ist und sein soll! „Ganz schön bist du, Maria, und die Makel der Erbschuld ist nicht in dir“ (Tota pulchra es, Maria).

Was bedeutet dieses Hohe Fest für unser persönliches christliches Leben? Wir selber bleiben natürlich weit hinter der Heiligkeit Marias zurück. Und doch dürfen wir sagen: In der heiligen Taufe wurde uns jene Unschuld wiedergeschenkt, die Adam und Eva für sich und ihre Nachkommen verloren hatten. Jesus Christus hat uns auf wunderbare Weise erlöst, sodass sich die Schuld in Gnade gewandelt hat!

Wenn dies aber für die Erbsünde gilt, welche durch die heilige Taufe getilgt wurde, wie ist es dann mit unseren persönlichen Sünden? Sind wir mit ihnen ein Leben lang beladen oder gibt es eine Befreiung durch echte Vergebung? Die frohe Botschaft des Erlösers Jesus Christus, welche wir im Evangelium finden, lautet: Ja, die Vergebung durch Gott gibt es wirklich. Sie ist jedem Sünder möglich, auch dann, wenn er (über-)große Schuld auf sich geladen hat. Weil die Vergebung aber etwas ganz Persönliches ist, kann sie nur geschehen, wenn wir hier selber mitwirken und das Geschenk der Erlösung auch annehmen, das uns Gott in seiner Liebe macht. In wahrer Demut und Reue kann sich unsere Liebe zu Gott und den Mitmenschen erneuern; in Verbindung mit dem Bußsakrament schenkt Gott auch uns immer wieder einen neuen Anfang.

Nach jeder heiligen Beichte dürfen wir sagen: Gott hat meine Taufunschuld wiederhergestellt und erneuert; ja, er hat das Kleid der heiligmachenden Gnade auf wunderbare Weise mit seiner Liebe neu ausgeschmückt. Sollte es uns nicht wert sein, dass wir dieses wunderbare Sakrament wieder neu entdecken? Hier liegt eine der wichtigen Quellen der Erneuerung der Kirche, wie unser gegenwärtiger Heiliger Vater, Papst Franziskus, immer wieder betont. Freilich gilt es die Beichte, abseits von allem Formelhaften und Erstarrten, ganz persönlich zu beleben. Sie ist ein Heil- und Hilfsmittel auf dem Weg zu Gott und ist nicht allein den schweren Sündern vorbehalten, sondern uns allen geschenkt.

Die Empfänglichkeit für Gott und seine Liebe hat Maria vom Anfang ihres Daseins ausgezeichnet, eben von ihrer eigenen Empfängnis an. Sie ist dieser Grundberufung immer treu geblieben und hat sich auch dann, als sie bewusst den Akt des Glaubens in ihrem Herzen vollziehen konnte, immer neu ganz Gott geschenkt und sich ihm hingegeben. Je mehr wir uns in kindlicher Liebe und Hingabe mit Maria verbinden, desto mehr werden wir in die innerste Bewegung ihres Seins mit hineingezogen. Ihr ganzes Sein, ihr ganzes Leben ist auf Gott hin ausgerichtet. So kann uns Maria nicht von Gott wegführen, sondern sie zeigt uns Jesus, die gebenedeite Frucht ihres Leibes.

Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria, dass sie uns durch ihre Fürbitte allezeit ermutigt, den guten Weg des Glaubens und der Liebe zu beschreiten. Es ist jener schmale Pfad, der in die Höhe führt und auf dem wir das ewige Leben erlangen. Gottes Gnade aber stärkt und begleitet uns; so wollen wir hoffnungsvoll dem Ziel des ewigen und seligen Lebens in der Gemeinschaft mit Gott entgegengehen. Amen. (Quelle: www.josef.at)

Foto: Hl. Gottesmutter Maria – Bildquelle: Kathnews